Tischtennis

Tischtennis-Kreise sollen in zwei Jahren abgeschafft werden

Helmut Joosten ist seit 2003 Vorsitzender des WTTV.

Helmut Joosten ist seit 2003 Vorsitzender des WTTV.

Foto: Michael Schwarz / NRZ

Am Niederrhein.  Im Tischtennis stehen die Zeichen auf Veränderungen. Dazu und zu der Coronavirus-Krise äußert sich der WTTV-Vorsitzende Helmut Joosten.

Bereits seit 2003 ist Helmut Joosten Präsident des Westdeutschen Tischtennis-Verbandes. Die aktuelle Zeit stellt auch den 70-Jährigen vor besondere Herausforderungen. Die NRZ unterhielt sich mit dem Funktionär aus Rees.

Im Westdeutschen Tischtennis-Verband ist der Spielbetrieb mindestens bis zum 17. April ausgesetzt. Gibt es schon Lösungsansätze, was danach passieren könnte?

Bei uns im WTTV ist der Vorstand für Sport unter der Leitung von Lars Czichun dafür verantwortlich. Konkret ist aber vor allem Werner Almesberger damit beschäftigt. Es wird möglichst eine bundesweite Lösung angestrebt, obwohl die Bayern schon ausgeschert sind. Entsprechende Gespräche laufen bereits. Da derzeit überhaupt keine seriösen Prognosen gestellt werden können, ob es vielleicht doch noch einmal weitergeht, kann ich mir nicht vorstellen, dass es deutlich vor Ostern weitere Entscheidungen geben wird – auch hinsichtlich der Auf- und Abstiegsregelungen bei einem endgültigen Abbruch.

Bis der WTTV die Entscheidung getroffen hat, den Spielbetrieb auszusetzen, hat sich bestimmt auch bei Ihnen die Lage zugespitzt.

Da war in der Tat die Hölle los, die Situation stellte sich ja innerhalb kürzester Zeit immer wieder neu dar. Ich hatte an dem Freitagmorgen ständig das Smartphone und den Festnetzhörer gleichzeitig am Ohr. Erst als die Entscheidung gefallen war, den Spielbetrieb einzustellen, hörte das schlagartig auf. In der aktuellen Situation kann ich auch unseren Politikern nur allerhöchsten Respekt zollen, die stehen unter einem unglaublichen Druck.

Im Bereich des WTTV ist eine weitere Strukturreform geplant, dessen Vorbereitungen unter ihrer Regie bereits angelaufen sind. Was ist da vorgesehen?

Unser oberstes Ziel ist es, den Bestand an Vereinen und Mannschaften zu sichern. Und jeder weiß, wie schwer das ist. Wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass es mit den Tischtenniskreisen inzwischen eine Ebene zu viel gibt. In diesen sind etwa 320 ehrenamtliche Mitarbeiter tätig. Drei von fünf Bezirksvorsitzenden sind gleichzeitig auch Kreisvorsitzende und haben oft noch weitere Aufgaben im Tischtennisbereich, das kann nicht gut sein.

Die Kapazitäten sollen durch die Reform anders aufgeteilt und effizienter gestaltet werden. Geplant ist künftig von fünf auf 15 Bezirke aufzustocken und dafür die Tischtenniskreise abzuschaffen. So könnten beispielsweise die politischen Kreise Kleve, Wesel, Krefeld und Viersen künftig einen Bezirk bilden.

Heißt das dann auch, dass die Sportler weitere Fahrstrecken zurücklegen müssen?

Nein, das ist in der Regel nicht der Fall. Auf den Spielbetrieb, gerade in den unteren Klassen, wird die Strukturreform kaum Auswirkungen haben. Auf der anderen Seite kann man aber in den größeren Einheiten flexibler reagieren, wenn Ligen nicht mehr gefüllt werden können.

Wie sieht denn der Zeitplan aus?

Die ersten beiden Informationsveranstaltungen zu diesem Thema haben bereits stattgefunden und die Resonanz war positiv. Unser Plan ist es, bis zum November zu einer Beschlussfassung zu kommen, die dann Mitte 2022 in Kraft treten soll. Aber auch das steht derzeit in den Sternen.

Sie stehen bereits seit 17 Jahren an der Spitze des WTTV. Da scheint die Aufgabe immer noch Spaß zu machen.

Natürlich gibt es immer mal wieder Situationen, wo man sich fragt, warum man das noch macht. Solange aber das andere überwiegt, bleibe ich gerne dabei, zumal die Arbeit mit dem Präsidium momentan hervorragend funktioniert, da sich wirklich alle um ihre Teilbereiche kümmern. Da ich als Präsident des WTTV auch Arbeitgeber für die Angestellten bin, kann ich froh sein, dass wir kein produzierendes Gewerbe sind. Aber auch wir müssen natürlich aufgrund der Corona-Krise mit weniger Einnahmen klar kommen, die allerdings bei uns – zumindest hoffentlich – nicht ganz so gravierend sind.

Als aktiver Sportler sind Sie seit einiger Zeit mit den etwas größeren Tennisbällen beschäftigt, müssen mit den Herren 70 des TC Blau-Weiß Rees derzeit aber ebenfalls eine längere Pause einlegen.

Im Tennis ist ja zumindest noch etwas Luft, bis die Spielzeit losgeht. Sollte es auch dort zu einer kompletten Absage kommen, wäre das sicherlich nicht ganz so problematisch wie in anderen Sportarten, die sich mitten in der Saison befinden. Noch hoffe ich aber, dass ich im Mai wieder den Tennisschläger schwingen kann.

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