Cricket

Wenn in Emmerich der Bowler den Batsman ausguckt

Die erfolgreiche Cricket-Mannschaft der Hochschule Rhein-Waal auf dem ETV-Gelände in Emmerich.

Die erfolgreiche Cricket-Mannschaft der Hochschule Rhein-Waal auf dem ETV-Gelände in Emmerich.

Emmerich.   Sportart wird von Studenten der Hochschule Rhein-Waal erfolgreich betrieben. Aufstieg in die Bundesliga ist nur mit eigenem Spielfeld möglich.

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Wenn sich Bowler und Batsman zum Duell gegenüberstehen, ist dies kein Szenario aus einem Superhelden-Comic. Vielmehr sind dies die Bezeichnungen für Werfer und Schlagmann. Es wird Cricket gespielt. Ein Spiel, das in Deutschland selbst unter den Randsportarten noch über die extra Portion Exotik verfügt. Dass ausgerechnet Emmerich eine echte Cricket-Hochburg ist, gehört auch nicht zum Alltagswissen in der Rheinstadt.

Das Team, das auf der ETV-Anlage an der Nierenberger Straße zweimal in der Woche trainiert, gehört zu den führenden Mannschaften in Nordrhein-Westfalen. „Wir haben 15 Spiele in dieser Saison absolviert und lediglich zweimal verloren“, sagt dann auch Captain Ajay Singh. Der 27-Jährige stammt ursprünglich aus Indien, studiert an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve und wohnt in Emmerich. Seine Teamkameraden kommen aus Indien, Nepal, Pakistan sowie Afghanistan und sind alles Kommilitonen von der Hochschule.

Entwicklung in Deutschland

Das hat einen einfachen Grund. Cricket ist ein ur-britischer Sport, der sich neben den Inseln des Vereinigten Königreichs auch im ehemaligen Weltreich des Empire rasant verbreitet hat. „Aber auch in Deutschland entwickelt es sich mittlerweile“, verrät Singh. Der Traum der niederrheinischen Studenten dabei ist klar: Sie wollen in die Bundesliga aufsteigen. Doch dafür müssen sie noch eine riesige Hürde überspringen. Und die ist nicht sportlicher Natur. Die Mannschaft braucht eine Platzanlage – einen Cricket-Ground. „Wir suchen danach“, sagt Ajay Singh. Der ETV-Platz, der als Übungsgelände ausreicht, verfügt aber nicht über die Ausstattung, die für den Spielbetrieb erforderlich ist. Schon jetzt muss die Mannschaft ihre Heimspiele in Düsseldorf austragen, was mit zusätzlichem Zeitaufwand verbunden ist. Von den Fahrtkosten ganz zu schweigen.

Kennzeichnend für das Feld ist die große ovale Form. In der Mitte des Spielfeldes befindet sich ein besonders präparierter breiter Streifen, an dessen Enden sind jeweils drei Stäbe aufgestellt, auf denen lose je zwei kleinere Querstäbe liegen. Eine Cricketmannschaft besteht aus elf Spielern. Von der Mannschaft, die punkten kann, sind immer nur zwei gleichzeitig auf dem Spielfeld, die Batsmen. Die Akteure der Feldmannschaft, die die Defensive absichern, sind alle auf dem Platz.

Elf Spieler pro Mannschaft

Das Angriffsrecht wird dann nach einer Weile getauscht. Wenn der Bowler wirft, versucht der Schlagmann den Ball mit seinem Schläger möglichst weit wegzubefördern. In der Zeit, bis der Ball von der Feldmannschaft wieder ins Zentrum des Spielfeld gebracht wird, laufen die beiden Schlagmänner zwischen den Stäbchen hin und her und erzielen so pro Lauf einen Punkt.

Höchst unterschiedlich ist im Übrigen die Dauer eines Spiels. Beim so genannten Test (im Fußball vergleichbar mit einem Spiel der Nationalmannschaft) wird über fünf Tage in täglich drei rund zweistündigen Spielabschnitten gespielt.

Wenn die Studenten der Hochschule Rhein-Waal zu Ball und Schläger greifen, wird eine andere Variante praktiziert, die sich aber ebenfalls über mehrere Stunden hinziehen kann. Auch hierbei zeigt sich der Einfluss der Briten. Denn Cricket ist wohl die einzige Sportart der Welt, in der es ganz offiziell Spielpausen für Lunch und Tea gibt.

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