Frauenfußball

Bei SGS Essen hofft auch Neuzugang Nina Räcke auf Derbysieg

Nina Räcke von der SGS Essen behält in der Hintermannschaft den Überblick.

Nina Räcke von der SGS Essen behält in der Hintermannschaft den Überblick.

Foto: Michael Gohl

Essen.  Mit der 19-Jährigen hat sich beim Essener Erstligisten die Abwehr stabilisiert. An diesem Samstag geht es beim MSV Duisburg nicht nur um Punkte.

Zwölf Neuzugänge waren für Markus Högner bei der SGS Essen vor Saisonbeginn eine große Herausforderung. Für den Trainer des Frauenfußball-Bundesligisten war schnell klar: Vor allem in der Defensive müsse er auf erfahrene Kräfte setzen. Doch nach zwei Niederlagen zum Start gegen den VfL Wolfsburg (0:3) und Eintracht Frankfurt (1:3) rückte er von seinem Vorhaben ab und schenkte Nina Räcke (19) das Vertrauen. Bis heute hat die Innenverteidigerin keine Minute mehr verpasst.

„Ich bin froh über die Spielzeit, die ich bekomme. Weil ich vor und hinter mir erfahrene Spielerinnen habe, fiel es mir leicht, in diese Rolle zu rutschen“, erklärt die frühere Wolfsburgerin die auch für sie nicht unbedingt abzusehende Entwicklung. Beim VfL kickte sie in der zweiten Mannschaft (2. Bundesliga) und es fehlte an sportlicher Perspektive. „In Essen habe ich die große Chance gesehen, 1. Liga zu spielen. Dazu in einem familiären Umfeld mit vielen jungen Spielerinnen.“

Trainer hat Perspektive bei SGS Essen gleich aufgezeigt

Dass ihr Trainer Högner am Telefon bereits die Perspektive aufzeigte , eine tragende Rolle einzunehmen, war sogar zweitrangig. „Ich habe mir da nicht so viel drauf eingebildet. Am Ende musst du dir alles erst erarbeiten“, sagt sie und ließ Taten folgen. Denn dass die SGS derzeit mit elf Punkten sorgenfrei in die Schlussphase der Hinrunde geht, ist vor allem auch das Verdienst der Defensive.

In neun Partien gab es lediglich 14 Gegentore. Selbst Turbine Potsdam als Dritter kassierte nur einen Gegentreffer weniger.„Aber es gibt schon noch Luft nach oben. Dass wir noch keinen Heimsieg haben, damit sind wir nicht zufrieden“, meint sie. Immerhin spielten die Essenerinnen gegen Bayer Leverkusen und den SC Freiburg jeweils zu null.

Es wird viel über das Revierderby gesprochen

Was Räcke aber auch noch fehlt, ist ein Derbysieg. Und um den geht es an diesem Samstag (18 Uhr) beim MSV Duisburg. Dass dort mehr als nur um drei Punkte auf dem Spiel stehen, ist ihr natürlich klar: „Im Team wird so viel darüber gesprochen, dass man den besonderen Reiz sofort spürt.“ Duisburg sei eine eklig zu spielende Mannschaft. „Aber wir müssen gewinnen“, zitiert Räcke den Mannschaftskreis. Da will sie natürlich nicht widersprechen.

Ohnehin fühlte sie sich bei der SGS vom ersten Moment an gut aufgehoben. Und das war in dieser schwierigen Zeit besonders wichtig. Denn der Wechsel zur SGS bedeutete für die gebürtige Magdeburgerin einen neuen Lebensmittelpunkt weit weg von Freunden und Familie. „In der ersten Zeit war ich schon froh, dass ich die Mannschaft hatte und nicht nur zum Studieren hierhergezogen bin“, sagt Räcke.

Wohngemeinschaft mit Mitspielerin Jill Baijings

Zusammen mit Jill Baijings hatte sie gleich eine WG gegründet, ehe sie zum Wintersemester das Studium „Energie- und Wassermanagement“ an der Hochschule Ruhr West in Mülheim aufnahm. Und auch dort fand sie schnell Anschluss. „Wir hatten noch gemeinsame Einführungstage, bei denen ich ein paar Leute kennengelernt habe. Ich finde es essenziell, dass man sich mit Kommilitonen austauschen kann und nicht nur alleine büffelt.“ Wenn schon nicht im persönlichen Kontakt, dann wenigstens über die sozialen Medien.

Ähnlich sieht auch der Uni-Alltag derzeit aus. Vorlesungen und Übungen werden ausschließlich online bereitgestellt. „Mir gibt das die Freiheit, die Uni zeitlich perfekt mit dem Fußball zu kombinieren.“ Und auch abseits des Rasens sind ihre Ambitionen groß. „Die Energiewende ist für mich ein wichtiges Thema. Ich möchte gerne als Energie-Ökonomin auch politisch etwas für eine nachhaltigere Lebensweise bewirken.“

Dass sie gerade das erste Semester begonnen hat, lässt sie selbst schmunzeln. Aber manchmal geht es ja schneller, als man denkt. Zumindest sportlich ist Räcke bei der SGS Essen voll durchgestartet und hat selbst ihren Trainer eines Besseren belehrt. Worüber sich Högner aber sicher auch freuen wird.

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