Fußball-Oberliga

Wut-Reaktionen bei ETB-Spielern wegen ausstehender Gehälter

Vielleicht Hilfe aus der Türkei: Vorstandsmitglied Klaus Imort (2. v.r.) im Kreis möglicher Investoren, die Ostermontag sich das Spiel anschauten.

Vielleicht Hilfe aus der Türkei: Vorstandsmitglied Klaus Imort (2. v.r.) im Kreis möglicher Investoren, die Ostermontag sich das Spiel anschauten.

Foto: Michael Gohl

Essen.  Bis Mitte März warteten Teile der Essener Mannschaft auf ihre Januar-Gehälter. In einer Chat-Gruppe äußern sie unverhohlen ihren Unmut.

Hasan Sahin scheint ein Faible für Problemfälle zu haben. Der türkische Geschäftsmann stieg vor neun Monaten beim türkischen Fußballverein Gaziantepspor ein – der ist nach finanziellen Problemen in die dritte Liga abgestürzt und bekam zur laufenden Saison 36 Punkte abgezogen. Aktuell verhandelt Sahin mit dem chronisch klammen Oberligisten ETB über eine Kooperation, wie der Verein bestätigte. Der Bedarf ist groß, denn unterdessen mehren sich Klagen über ausstehende Gehaltszahlungen.

Die Kooperation könnte folglich eher eine Rettungsaktion werden, wenn sie zustande kommt. Zwar ist laut dem ETB-Vorstand die laufende Saison durchfinanziert. Der Vorstand bestreitet auch vehement, dass Gehälter verzögert ausgezahlt wurden oder noch ausstehen. Dieser Redaktion liegen aber Auszüge aus Chatprotokollen vor, in denen sich die ETB-Spieler im April über die ausstehenden Februar-Gehälter beschweren. Auch die Januar-Gehälter waren mindestens teilweise verspätet ausgezahlt worden, wie ein Kontoauszug zeigt.

Bei den Spielern macht sich Frust breit

„Manni Boys“ heißt die interne Whatsapp-Gruppe der Spieler – benannt nach ihrem Trainer Manfred Wölpper. In dieser Gruppe ging es rund um den 8. April hoch her. So schrieb ein Spieler: „Wir haben Mitte April und das letzte Gehalt war Januar… zu krass.“

Ein anderer echauffierte sich: „Das scheiß Gehalt kommt einen Monat später.“ „Die Verspätungen sind aber gar nicht das Problem,“ erklärt Kapitän Sebastian Michalsky auf Anfrage: „Natürlich kam das Geld in dieser Saison mal später, aber wir haben nie auf mehrere Gehälter gewartet.“ Zu der Kommunikation des Vereins will er sich jedoch nicht äußern.

Die Spieler scheinen es vor allem leid zu sein, immer neue Ausreden zu hören und vertröstet zu werden. Ein Spieler schrieb in die Gruppe: „Also, das mit dem Geld geht mir auch auf den Sack. Aber viel mehr auf den Sack geht mir, dass die so ‘ne Scheiße labern. [...] Die sollen einfach nix sagen, und wenn das Geld da ist, dann sollen die Bescheid geben. Aber nicht so.“

Bei den Spielern macht sich deshalb Frust breit. „Morgen Männer, mal ganz im Ernst. Wir müssen morgen mal was machen. Kann nicht sein, dass das Geld nicht kommt“, schrieb ein Spieler, woraufhin ein weiterer antwortete:„Absoluter Witz, dass wir heute zum Training kommen, ehrlich.“

Im November bestreikte das Team eine Trainingseinheit

Die verspäteten Gehaltszahlungen begleiten den ETB durch die gesamte Saison. Schon im November hatte die Mannschaft wegen ausstehender Gehälter vor dem Spiel gegen TuRu Düsseldorf eine Trainingseinheit bestreikt. Auch das Januar-Gehalt ging mindestens zu Teilen verspätet auf den Konten ein. Die ETB-Vorstände Günther Gudert und Klaus Imort hatten zwar gegenüber dieser Redaktion in Bezug auf die Januar-Gehälter erklärt, dass es zu keinen Verspätungen gekommen sei. Dieser Redaktion liegt aber der Kontoauszug eines Teammitglieds vor, der für das Januar-Gehalt den 15. März als Eingangsdatum ausweist. Vertraglich vereinbart war aber der 20. Februar.

Die Chatprotokolle wiederum, in denen sich die Spieler im April über die ausstehenden Februar-Gehälter beschweren, stehen im Widerspruch zu den Aussagen von Finanzvorstand Werner Gerlich. Dieser hatte am 28. März gegenüber dem Reviersport behauptet: „Sie können gerne unsere Spieler fragen, es gab keine Verzögerung bei der Auszahlung der Gehälter. Die Februar-Gehälter sind ebenfalls schon bezahlt. Wir haben keine Rückstände.“

Zwar soll beim ETB mittlerweile zumindest ein Teil der Mannschaft sein Gehalt für den Februar bekommen haben. Eine Verschnaufpause bedeutet das aber nicht: Zum 20. April waren schon wieder die März-Gehälter fällig.

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