Fußball-Biografie

Mehr als nur ein Pfostenschuss eines RWE-Idols

Rückkehr zu den Wurzeln: Frank Mill stellt im Essener Stadion seine Biografie vor.

Foto: Volker Hartmann

Rückkehr zu den Wurzeln: Frank Mill stellt im Essener Stadion seine Biografie vor. Foto: Volker Hartmann

Essen.   Der gebürtige Essener Frank Mill präsentiert im Stadion Essen seine Biografie. Das heutige Fußballgeschäft sieht der Ex-Profi kritisch.

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Natürlich muss auch diese Geschichte zur Sprache kommen. In gespielter Verzweiflung schlägt Frank Mill die Hände vors Gesicht, als er das Wort „Pfostenschuss“ hört. Dieses Ereignis ist ja untrennbar mit seinem Namen verbunden: Wie er am 9. August 1986 im Trikot von Borussia Dortmund gegen Bayern München antritt, wie er nach unwiderstehlichem Sololauf auch Torhüter Jean-Marie Pfaff umspielt – und den Ball dann an den Pfosten schiebt. „Erst neulich habe ich mit Pfaff telefoniert“, sagt Mill. „Er meldete sich mit: Hier ist der beste Torwart der Welt.“

Der 59-Jährige kann heute selbst lachen über sein berühmtes Malheur. Aber er hätte schon auch ganz gerne, dass nicht nur diese eine Geschichte mit seinem Namen verbunden wird. Auch deswegen hat er sich wohl überreden lassen zu dieser Biografie mit dem Titel „Frank Mill. Das Schlitzohr des deutschen Fußballs“, die er zusammen mit dem früheren Journalisten Frank Lehm­kuhl verfasst hat.

Angefangen hat alles dort, wo heute das Stadion Essen steht und im Jahr 1972 noch ein Ascheplatz war. Damals kam Mill in die Jugend von Rot-Weiss und startete eine Karriere, die ihn später zu Borussia Mönchengladbach, Borussia Dortmund und Fortuna Düsseldorf führte. „Keine Sekunde“ habe man gezögert, als der Werkstatt-Verlag anfragte, ob man daher die Buchpräsentation im Stadion machen könne, sagt RWE-Vorsitzender Michael Welling. Er sitzt nun auf dem Podium neben Mill, der sich einige Elogen anhören muss über seine Karriere, seine Torquote, seine ehrliche Art. „Danke für die vielen Blumen“, brummelt der Ex-Profi, dem die Lobhudeleien eher unangenehm sind. Deswegen hat er auch lange gezögert, als Lehm­kuhl das Buchprojekt vorschlug, erst nach drei, vier Anläufen ließ er sich breitschlagen.

„Mit allen Abwassern gewaschen“

Dabei hat der Mann, von dem sein Mitspieler Norbert Dickel einst sagte, er sei „mit allen Abwassern gewaschen“, einiges zu erzählen. Wie er seinem Nationalmannschaftskollegen Fritz Walter brennende Massagesalbe in die Jogginghose schmierte. Wie ihn eine Zechtour im Trainingslager 3000 Mark kostete. Wie er mit seiner direkten Art immer wieder mit seinen Vorgesetzten aneinander geriet.

Mit dem heutigen Fußball und seinen Protagonisten kann er nicht mehr viel anfangen: „Es sagt ja keiner mehr die Wahrheit in Interviews“, schimpft er. „Die Spieler reden alle das gleiche: Ich bedanke mich bei meiner Mannschaft, bei meinen Mitspielern, bei Oma und Opa auch noch.“

Distanz zur Branche

Mill pflegt inzwischen eine gewisse Distanz zur Branche. Zwar verdient er sein Geld mit einem Netz von Fußballschulen in ganz Deutschland, zwar spielt er noch immer in der BVB-Traditionsmannschaft, Bundesligaspiele aber sieht er nur noch ganz selten – obwohl er zwei Dauerkarten für den BVB hat. „Drei oder vier im Jahr“, sagt er. „Bei RWE war ich schon lange nicht mehr.“ Willkommen wäre er. „Die Einladung steht“, sagt Welling grinsend. „Aber er will ja Fußball sehen.“

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