Fußball

Rot-Weiss Essen kann auch mit einfachen Mitteln gewinnen

Zweikampfhärte: Dennis Grote von Rot-Weiss Essen ist mit dem Homberger Necirwan Mohammad aneinandergeraten.

Zweikampfhärte: Dennis Grote von Rot-Weiss Essen ist mit dem Homberger Necirwan Mohammad aneinandergeraten.

Foto: Thorsten Tillmann

Essen.  Essener Regionalligist ändert gegen Homberg wegen der widrigen Bodenverhältnisse den Spielstil. Souveräner Sieg durch gnadenlose Effektivität.

Ach, könnten sich Wünsche doch immer so schnell erfüllen. Noch Mitte der vergangenen Woche hatte Christian Neidhart , Cheftrainer beim Fußball-Regionalligisten Rot-Weiss Essen , nach dem 2:0 in Gladbach gemeint, dass es doch auch mal schön wäre, wenn sein Team sich früher für die Dominanz und gute Offensivarbeit belohnen würde, damit das Zittern am Ende angesichts einer knappen Führung endlich aufhöre. Und siehe da, nur drei Tage später erfüllten ihm seine Jungs diesen Wunsch.

Beim Kellerkind VfB Homberg traf Simon Engelmann bereits in der dritten Minute zum 1:0 und leitete damit einen aus Essener Sicht ziemlich entspannten Nachmittag ein. Rot-Weiss hatte auf dem Acker des PCC-Stadions schon zur Pause angesichts der 3:0-Führung die Ernte eingefahren und die Tabellenführung gegenüber Borussia Dortmund II verteidigt.

Unterschiedliche Ansprüche in der Regionalliga

Das Gastspiel der Essener machte zunächst wieder einmal deutlich, wie unterschiedlich die Ansprüche in der Regionalliga sein können. Das Stadion des VfB Homburg ist zwar idyllisch gelegen, aber mutet auch ein bisschen an wie eine bessere Bezirkssportanlage. Und weil ja auch keine Zuschauer zugelassen waren, wirkte das ganze Ambiente so gar nicht professionell.

Den Mut und die Motivation der Gastgeber bremst es freilich nicht. Die Homberger wollen auch im zweiten Jahr in der 4. Liga bestehen und hatten zuvor mit zwei Siegen gegen 1. FC Köln II (3:1) und Lotte (2:0) einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Und ja, mutig wollten sie es auch gegen den Favoriten von der Hafenstraße angehen. Doch diesmal waren die Homberger chancenlos, und das im Sinne des Wortes. „Es war eine Lehrstunde, was die Effektivität angeht“, musste VfB-Trainer Sunay Acar zugeben. „Die ersten drei Chancen haben sie alle genutzt, da waren sie gnadenlos.“ Und dann auch noch die faire Erkenntnis: „Das war heute eine Nummer zu groß für uns.“

Dabei hatten sich die Gäste diesmal auf die Kerntugenden beschränkt und die hohe Spielkultur in der Kabine gelassen. „Wir hatten heute angesichts der Platzverhältnisse eine andere Herangehensweise gewählt“, erklärte Christian Neidhart. „Wir haben es sehr einfach gemacht und nicht Fußball gespielt.“

Trainer Christian Neidhart ordnete eine klare Linie an

Der Coach hatte eine klare Linie angeordnet, weniger Dribblings und Kombinationsspiel, stattdessen immer wieder der lange Schlag in die gegnerische Hälfte, um dort Stress zu erzeugen. Es waren an diesem Tag Kampfkraft, Positionsdisziplin und Zweikampfhärte gefragt und weniger filigrane Finesse oder technische Kabinettstückchen. Halt alles ein bisschen britische Old School.

Deshalb kam auch der robuste Innenverteidiger Felix Weber in der defensiven Dreierkette zu seinem Startelf-Debüt. Felix Backszat verstärkte das Mittelfeld, und der wuselige Marcel Platzek stürmte gemeinsam mit dem zweifachen Torschützen Simon Engelmann.

Und die Essener zeigten von Beginn an Biss. „Der Plan ging zu 100 Prozent auf“, freute sich Neidhart. Hochzufrieden sei er, dass seine Jungs „dieses Spiel so angenommen haben“. Wobei es gar nicht so schwierig gewesen sei, das Team von der etwas anderen Linie zu überzeugen. „Als sie den Rasen hier gesehen haben, hatte es auch den Letzten erreicht.“

Dennis Grote überzeugt mal wieder als Ideengeber

Die Rot-Weissen machten noch in der ersten Hälfte den Sack zu. Langer Ball, der energische Platzek war vor seinem Widersacher Koenders am Ball und drosch die Kugel aus sechs Metern gnadenlos ins kurze Eck unter die Latte zum 2:0 (20.). Der Favorit kontrollierte die Partie und verteidigte souverän die wenig gefährlichen Angriffe der biederen Gastgeber.

Dennis Grote ist als Abräumer und Ideengeber nicht mehr wegzudenken, das ist seit Wochen offensichtlich. Und es zeigte sich auch diesmal: Der Routinier bewies ein scharfes Auge für die Situation und überlistete den Gegner, indem er einen Freistoß schnell auf Sandro Plechaty ausführte – dessen strammen Schuss ließ VfB-Torwart Gutkowski zum 3:0 (36.) durch die Hosenträger ins Netz rutschen.

Es war wohl das einzige Mal, dass sich die RWE-Spieler nicht an die Vorgabe des Trainers gehalten hatten. Gerade bei Standards sollten sie sich Zeit lassen und konzentrieren. Grote quittierte es später mit einem Augenzwinkern: „Trainer, schnelle Freistöße dürfen wir doch auch mal ausführen, oder?“ Kein Widerspruch.

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