Vereinsjubiläum

Niemand hat die SpVgg. Erle 1919 so geprägt wie Heinz John

Das gehört zusammen: Heinz John und die Sportvereinigung Erle 1919.

Das gehört zusammen: Heinz John und die Sportvereinigung Erle 1919.

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Erle.  Die Sportvereinigung Erle 1919 feiert sein 100-jähriges Vereinsjubiläum. Einer, der die Klubgeschichte wesentlich geprägt hat, ist Heinz John.

Dass ein Sportverein ein Stück Heimat in Gelsenkirchen sein kann, dass man sich mit ihm identifizieren kann, auch wenn er nicht FC Schalke 04 heißt, das können heutzutage und hierzulande nicht alle Mitmenschen der jüngeren Generation nachvollziehen. „Ein Leben lang …“ – das ist auf jeden Fall für Heinz John nicht nur ein schönes Leitmotiv. Der heute 84-Jährige verkörpert wie kein anderer die Sportvereinigung Erle 19, die in diesen Tagen auf ein pralles violettes Jahrhundert zurückblicken darf.

Heinz John übt zwar seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten kein offizielles Vereinsamt mehr aus, abgesehen davon, dass er zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde, aber er ist immer noch bestens informiert über das, was rund um die Oststraße passiert. Er fiebert mit, er drückt die Daumen für „seine“ Veilchen und kann sich trotz seines reiferen Alters immer noch so herrlich darüber aufregen, dass nicht jeder Meister im Fußballkreis Gelsenkirchen automatisch eine Spielklasse höher aufsteigen darf.

Zweimal Meister in der Kreisliga A

Zweimal sind die 19er in den vergangenen Jahren Meister in ihrer Kreisliga-A-Staffel geworden, und trotzdem blieb ihnen der Sprung in die Bezirksliga verwehrt, weil die anschließenden Entscheidungsspiele denkbar knapp zu ihren Ungunsten ausgingen. „Das ist nicht fair“, ereifert sich Heinz John. „Da muss es doch eine andere Lösung geben.“ Dass Funktionäre nicht immer eine Regelung finden, die mit dem logischen Menschenverstand kooperiert, hat Heinz John auch schon in der Glanzzeit seiner 19er erleben müssen. Als sie 1955 vornehmlich mit Eigengewächsen den Aufstieg in die Landesliga schafften, kam es trotzdem nicht zum Derby mit dem Erler SV 08, der bereits in dieser Spielklasse etabliert war.

Landesliga war die dritthöchste Liga

Die Landesliga - das war damals die dritthöchste deutsche Liga und gleichzeitig die höchste Amateurklasse. Die an der Oststraße beheimateten 19er wurden mit den Klubs aus dem Münsterland der einen Gruppe zugeordnet, die 08er vom Forsthaus spielten mit Mannschaften aus Bochum, Dortmund und Recklinghausen in einer anderen Gruppe. Die Spvgg Erle 19 beendete die Saison 1955/56 als Tabellenletzter, profitierte allerdings davon, dass im Zuge der Einführung der Verbandsliga Westfalen der Abstieg aus der Landesliga ausgesetzt wurde.

In der folgenden Saison konnte der Landesliga-Erhalt dank eines Kraftakts gesichert werden. Zwei Jahre danach, 1959, stieg die Mannschaft dann in die Bezirksklasse ab. Und eine weitere Spielzeit später wurde die Sportvereinigung sogar in die Kreisklasse durchgereicht.

Heinz John erinnert sich gerne an diese alten Zeiten zurück. Er erlebte sie als aktiver Spieler, er war begehrt, weil er als Stürmer meistens zwischen 20 und 30 Tore in einer Saison erzielte und als Jugendspieler der Westdeutschen sowie der Westfalenauswahl angehörte. Der Nachbar Erler SV 08 buhlte um ihn. Seine Absage umfasste vier Worte: „Ihr könnt mich mal!“ Heinz John konnte nachtragend sein. Als er in ganz jungen Jahren das Fußball-ABC lernen wollte, hatten ihn die Null-Achter weggeschickt. Er war damals angeblich nicht gut genug.

Beim Erler SV 08 hätte er es vermutlich einfacher gehabt. Der große Nachbar hatte den besseren Draht zur Zeche Graf Bismarck, hatte beste Voraussetzungen, um die Spieler dort mit attraktiveren Arbeitsstellen zu versorgen. Die 19er hatten hingegen lange Zeit den Ruf, kommunistisch angehaucht zu sein. Heinz John erinnert sich: „Nach dem Zweiten Weltkrieg startete die Spvgg Erle 19 den Neubeginn vornehmlich mit älteren Männern, die im Konzentrationslager gefangen waren. Sie waren als Kommunisten von den Nationalsozialisten verfolgt worden.“

Ungewollten Kontakt mit dem Nationalsozialismus hatten die 19er auch, als im Juni 1947 mit der Partie gegen eine Mannschaft aus Gladbeck der Spielbetrieb wieder aufgenommen wurde. Die erste Kluft nach dem Krieg: weiße Hosen, schwarze Trikots mit einem roten Kragen und roten Ärmelstutzen. Auf dem Trikotrücken waren Hakenkreuze zu sehen. „Die Trikots wurden aus alten Nazi-Fahnen gemacht. Etwas anderes hatten sie doch damals nicht“, sagt Heinz John.

Die Farben seit jeher violett und weiß

Und dabei waren die Vereinsfarben doch seit jeher violett und weiß, wohl auch schon 1919, als sich die Turner von Erle 10 mit den Arbeitern von Erle 14 zu Erle 19 zusammenschlossen. „Dass wir irgendwann die Veilchen bezeichnet wurden, war eine Erfindung der Presse in späterer Zeit“, sagt Heinz John. „Ganz früher wurden wir eigentlich nur die Violetten genannt.“

Heinz John, Jahrgang 1934, übernahm bei der Sportvereinigung bereits in jungen Jahren nicht nur auf dem Platz Verantwortung. Er war nahezu in fast allen Funktionen für den Verein tätig: als Jugendleiter, als Geschäftsführer, als Trainer und auch als Vorsitzender. Er war auch in Amt und Würden, als die 19er in der Saison 1984/85 das letzte Mal überkreislich kickten. Zwischenzeitlich mussten sie sogar mal runter in die Kreisliga B. Seit einigen Jahren hat sich die Sportvereinigung in der Spitze des Kreis-Oberhauses etabliert. Sie träumt davon, endlich auf die Bezirksliga-Bühne zurückzukehren.

Der große und langersehnte Sprung zurück - er soll, so hofft Heinz John inständig, in der kommenden Saison des Jubiläumsjahres gelingen. Und jeder, der ein Herz für den Fußball hat, gönnt es ihm und allen 19ern …

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