2. Basketball-Bundesliga

Erster Heimsieg von Phoenix Hagen setzt Emotionen frei

Als emotionaler Anführer erweist sich „Maskenmann“ Javon Baumann beim ersten Heimspiel-Sieg von Phoenix Hagen seit mehr als elf Monaten, mit seinen Dunkings reißt der Center das Publikum mit. Kirchheims Spielmacher Dajuan Graf (rechts) ist konsterniert.

Als emotionaler Anführer erweist sich „Maskenmann“ Javon Baumann beim ersten Heimspiel-Sieg von Phoenix Hagen seit mehr als elf Monaten, mit seinen Dunkings reißt der Center das Publikum mit. Kirchheims Spielmacher Dajuan Graf (rechts) ist konsterniert.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Darauf hatten die Fans von Phoenix Hagen mehr als elf Monate gewartet: Der 103:70-Heimsieg gegen Kirchheim setzte Emotionen frei.

Die unvermeidlichen Stimmungs-Hits, hier lange nicht gehört, setzten früh im dritten Viertel ein. Und auf den Rängen der Krollmann Arena wurde gefeiert, als hätte es elf sieglose Monate und zwölf Heimschlappen in Serie hier nicht gegeben. Der fast ein Jahr anhaltenden Tristesse setzte Phoenix Hagen einen beeindruckenden Statement-Sieg entgegen. Beim 103:70 (51:37) gegen chancenlose Kirchheim Knights spielte sich der Basketball-Zweitligist all den Frust und die Angst der vielen Niederlagen am Ischeland von der Seele.

„Wir wollten nicht nur mit zehn Punkten gewinnen, sondern deutlich“, machte Dominik Spohr - mit unbändigem Einsatzwillen und zurückgewonnener Treffsicherheit herausragend - die Motivation seines Teams deutlich. Beim Kapitän wie beim kompletten Umfeld war das Abfallen enormer Anspannung spürbar. „Ich freue mich tierisch über diesen Sieg“, formulierte es Coach Chris Harris, während Aufsichtsrats-Chef Wolfgang Röspel voller Überzeugung sagte: „Das war heute das wahre Phoenix Hagen.“

Die Nervosität war spürbar in der mit 2099 Besuchern immer noch gut gefüllten Arena am Ischeland, die Fokussierung der Protagonisten auch. Entschlossen gingen die Phoenix-Akteure, diesmal mit Jannik Lodders in der Startformation, in Heimspiel Nummer 13. Und legten schnell ein 4:0 vor, beim 7:4 durch den Dreier von Spohr (5. Minute) war eine erste Erleichterung zu spüren. Denn von Beginn an trafen die Hagener ihre Würfe, nur ein einziges Mal führte Kirchheim beim 7:8 (6.), ehe Joel Aminu und Lodders aus der Distanz nachlegten. Auch am Brett war Phoenix von Beginn an überlegen, kämpfte intensiv um wirklich jeden Rebound. So ließen Javon Baumann und Adam Pechacek die Gastgeber nach dem 18:17 auf 28:17 (12.) wegziehen. Und Kirchheims Coach Maurizio Parra räumte später ein: „Hagen war heute zwei Klassen besser als wir, für die Reboundbilanz müssen wir uns fast schämen.“ 46:30 hieß dies in Zahlen.

Harris setzt auf Achter-Rotation

Den Unterschied zwischen Hagen und Kirchheim machten vor allem zwei Akteure aus. Neben Spohr war dies Jon Octeus. Im USA-Neuzugang hatte Phoenix bei dessen Heimdebüt einen echten „Floor General“, der 35 Minuten fast fehlerfrei Regie führte, zwölf Assists zu Korberfolgen verteilte und unwiderstehlich zum Korb zog. „Jon hat ein wahnsinnig gutes Spiel gemacht“, lobte Harris später, für den US-Spielmacher blieb Jasper Günther komplett draußen. Der Phoenix-Coach vertraute weitgehend auf eine Achter-Rotation, nur Michael Gilmore gab den Centern ein paar Minuten Entlastung, auch Daniel Zdravevski kam kurz zu seinem ProA-Debüt.

Das funktionierte diesmal hervorragend, Korb um Korb wuchs bei den Hagenern das verschüttete Selbstvertrauen. Beim 39:22 (15.), als Octeus erstmals selbst traf, betrug der Vorsprung schon 17 Punkte, wesentlich kleiner sollte er in der Folge nicht mehr werden. Als Kyle Leufroy und Octeus Dreier gegen die Kirchheims lange gespielte Zonenverteidigung zum 51:32 (19.) trafen, wuchsen in der Pause die Hoffnungen auf das Ende des langen Heim-Spuks.

Baumann macht die Hundert voll

Die leidgeprüften Fans blieben noch vorsichtig, doch Phoenix ließ nicht nach. Zum 54:42 (23.) verkürzte Kirchheim kurz, ehe eine Hagener 14:0-Serie in vier Minuten früh für die Vorentscheidung sorgte. Als Pechacek zum 68:42 traf (27.), begannen auch die Skeptiker an den ersten Heimsieg 2019 zu glauben, die Zuschauer feierten stehend. Und erhoben sich in der Folge immer wieder, denn das sonst so gefürchtete Schlussviertel wurde zum reinen Schaulaufen. Defensiv ließen die Gastgeber nicht locker, gönnten Kirchheim keinen leichten Korb. Und offensiv trafen sie wechselnd aus der Distanz – Spohr etwa verwandelte fünf von sechs Dreiern – oder per krachendem Dunking. Das tat bevorzugt Baumann, im dritten Anlauf schaffte der Center dann auch den Hunderter zum 101:69 in der Schlussminute.

Die Fans feierten da schon lange, „so ein Tag“ erklang es lauthals am Ischeland. „Diese Fans sind erstaunlich“, staunte Octeus nach seinem Heimdebüt, „ich liebe die Gelegenheit, für sie zu spielen.“ Die Phoenix-Fans wünschen sich schon jetzt, dass dies mehr als die zunächst vereinbarten sechs Wochen sein wird. Zumal die Hagener trotz des hohen Siegs ProA-Schlusslicht bleiben. „Das tut uns allen gut und war ein Befreiungsschlag“. sagte Geschäftsführer Patrick Seidel, verwies aber gleichzeitig auf dringend notwendige weitere Siege: „Es war ein toller Anfang, aber eben auch nur ein Anfang.“

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