Taekwondo

Endlosparty verursachte Gänsehautgefühl pur

Helena Fromm und Carlos Esteves genossen den Empfang in Oeventrop.

Helena Fromm und Carlos Esteves genossen den Empfang in Oeventrop.

Foto: IKZ

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Iserlohn. Wenn im Sauerland zu außergewöhnlichen Zeiten die Kirchenglocken läuten, wenn dann auch noch der Spielmannszug antritt und musiziert, wenn die Einwohner am Straßenrand stehen, die Festhalle geschmückt ist und trotzdem kein Schützenfest ist, muss sich wirklich etwas ganz Besonderes ereignet haben. Am Mittwoch war war dies in Oeventrop im oberen Ruhrtal der Fall.

Denn der Ort bei Arnsberg hatte sich herausgeputzt für seinen Star: Für Helena Fromm, Bronzemedaillengewinnerin im Taekwondo bei den Olympischen Spielen in London, die erste Deutsche, die in dieser Sportart eine Olympiamedaille gewann. Im Cabrio verlief der Triumphzug durch die Straßen des kleinen Städtchens, das vor allem den Handballern als Spielort der SG Ruhrtal bekannt ist. Und an Fromms Seite ihr Trainer und Mentor Carlos Esteves aus Iserlohn, der die inzwischen 25-Jährige schon seit ihrem achten Lebensjahr betreut. „Das war Gänsehaut pur“, beschreibt der Coach den großen Bahnhof in Fromms Heimat. „So sehen Sieger aus!“, skandierten die Zuschauer immer wieder. „Ein Wahnsinnsgefühl“, schwärmte Esteves, und der krönende Abschluss einer Dauerparty, die praktisch direkt nach dem Gewinn der Bronzemedaille begonnen hatte und mit der spektakulären Rückreise von London auf dem Traumschiff MS Deutschland und einem triumphalen Empfang in Hamburg einen weiteren Höhepunkt erlebt hatte - ein neues Sommermärchen, das sich hinter der Hype anlässlich der Fußball-WM in Deutschland kaum verstecken musste. Dass über acht Millionen Zuschauer den Bronzekampf der Sauerländerin verfolgten, untermauert das große Interesse an anderen Sportarten abseits von Fußball und Formel 1.

„Auf dem Schiff war es einfach genial“, schildert Esteves seine Eindrücke vom Traumschiff, wo es vor allem die mit Gold dekorierten Hockeyherren richtig krachen ließen. „Jeder hat die Zeit an Bord auf seine Art und Weise verbracht“, erzählt der Fromm-Trainer weiter. In Hamburg wurde das Schiff, auf dem auch „normale“ Passagiere reisten, von zahlreichen Booten, die Wasserfontänen in den Himmel schossen, zum Anleger eskortiert.

Am Empfang im Hamburger Rathaus nahm die Delegation aus dem Sauerland aber nicht teil, da die Abreise nach Oeventrop geplant war und die Fans in der Heimat nicht allzu lange auf die Folter gespannt werden sollten. „Wir stehen ja schon im Golden Buch der Stadt Hamburg“, erinnert Esteves an den Empfang anlässlich der German Open in der Hansestadt.

Ein Stau bei Hannover verzögerte dann allerdings doch die Ankunft ein wenig, was aber der Jubel-Trubel-Heiterkeit-Stimmung keinerlei Abbruch tat. Von einer kleinen Delegation waren Fromm und Esteves in Hamburg abgeholt worden, es folgte im Rahmen einer festlichen Zeremonie im Innenhof des Klosters Wedinghausen die Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Arnsberg, dann ging es nach Oeventrop.

Im Konvoi hinter dem Cabrio transportierte ein Kran eine übergroße Bronzemedaille, zahlreiche der rund 2000 Fans trugen das von Fromm entworfene T-Shirt mit dem Aufdruck „Ready to fight“. Immer wieder mussten Autogramme geschrieben und Fotostopps eingelegt werden. „Bis vier Uhr morgens haben wir gefeiert“, berichtet Esteves vom Stehvermögen. Dem Trainer dankte Fromm, die nach dem Aus der englischen Kämpferin von den englischen Fans bei ihren Auftritten nach vorne gepeitscht wurde, ganz besonders und mit einem Augenzwinkern: „Wir waren eine Einheit. Wir haben zusammen gekämpft, auch wenn ich die Arbeit gemacht habe.“ Der Feiermarathon ist für das Bronze-Duo damit aber noch nicht ganz beendet. Denn am Dienstag werden Fromm und Esteves im Iserlohner Rathaus empfangen, um sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen.

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