Fußball

Das Wort von Nedzad Dragovic hat beim 1. FC Kleve Gewicht

Kleves Nedzad Dragovic (r.) gehört trotz seines gesetzteren Alters noch immer zu den besten Verteidigern der Oberliga Niederrhein.

Kleves Nedzad Dragovic (r.) gehört trotz seines gesetzteren Alters noch immer zu den besten Verteidigern der Oberliga Niederrhein.

Foto: Klaus-Dieter Stade

Kleve.  Beim Oberligisten gehört Nedzad Dragovic weiterhin zu den Stützen. Am Sonntag erwarten die Schwanenstädter Gäste aus Hilden am Bresserberg.

Eine Fußballmannschaft benötigt nicht nur Führung durch den Trainer. Sie benötigt auch eine innere Führung, einen Lautsprecher. Beim Oberligisten 1. FC Kleve füllt diese Rolle Spielführer Fabio Forster aus. Wortgewandt, gestenreich, omnipräsent – Fabio Forster agiert auf dem Rasen als Co-Trainer von Umut Akpinar.

Der zweite Stützpfeiler ist zwar zurückhaltender, dafür aber nicht weniger wichtig. Er heißt Nedzad Dragovic, ist 35 Jahre alt und seit zweieinhalb Jahren unangefochtener Stammspieler in der Innenverteidigung der Rot-Blauen. „Ich fühle mich unglaublich wohl beim 1. FC Kleve. Es passt einfach alles: das Umfeld, der Trainer, die Mannschaft“, sagt Dragovic, der von seinen Kollegen ob seines Alters und seiner Ausgeglichenheit liebevoll „Opa“ gerufen wird.

Stets fokussiert

Innerhalb der Mannschaft die Wortkargheit des gebürtigen Bosniers legendär. Belanglose Schwätzchen und albernes Geplänkel liegen ihm nicht, im Training ist er auf sich und sein Wirken fokussiert. Auf dem Platz aber zeigt er ein anderes Gesicht. Nicht immer, aber immer dann, wenn der Defensivverbund wackelt. Energisch dirigiert er dann seine Kollegen in der Viererkette, ruft seine Vorderleute zu mehr Einsatzbereitschaft auf, geht lautstark mit sich selbst ins Gericht.

„Aufgrund meiner Erfahrung bin ich natürlich ein Führungsspieler. Aber wir haben sowieso eine gute Hierarchie in der Mannschaft, wir ergänzen uns gut“, sagt Dragovic. So seien Mike Terfloth und der bereits seit einigen Monaten verletzte Andre Trienenjost ebenfalls Anführer des Aufgebots. „Auch Niklas Klein-Wiele wächst immer mehr in die Rolle des Führungsspielers hinein“, sagt der 35-Jährige weiter.

Die laufende Spielzeit begann jedoch auch für Nedzad Dragovic besorgniserregend. Aus den ersten sechs Begegnungen holte die Mannschaft von Trainer Umut Akpinar nur zwei Punkte. „Der Start war sehr holprig. Wir haben uns einfach zu viele individuelle Fehler geleistet, das galt auch für mich selbst“, sagt Dragovic. Die ersten dunklen Wolken der Krise zogen am Bresserberg auf.

Auch Dragovic geriet in den Fokus der Kritik. Er sei zu langsam geworden, hieß es. Die sportlich Verantwortlichen bewahrten allerdings Ruhe und führten den 1. FC Kleve zurück auf Kurs Klassenerhalt. Mittlerweile stehen die Rot-Blauen mit komfortablen elf Punkten Vorsprung vor einem Abstiegsplatz auf Tabellenplatz 13.

Hoher Aufwand

Nedzad Dragovic treibt unterdessen die Frage um, wann er einen Schlussstrich unter seine bemerkenswerte Karriere im westdeutschen Amateurfußball zieht (siehe Infokasten). „Natürlich macht man sich Gedanken. Wenn ich morgens aufstehe, muss ich erst einmal alles ölen. Aber ich habe in Kleve für ein weiteres Jahr zugesagt. Ich denke, dass es dann gut gewesen sein wird“, sagt Dragovic. Schließlich sei der Aufwand für den Oberliga-Fußball ein hoher. D

er verheiratete Vater eines dreijährigen Sohnes und einer drei Monate alten Tochter ist ein Familienmensch, erklärt er. Im Alter von fünf Jahren verschlug es den in Sonsbeck tätigen Maschinenbauingenieur mit seiner Familie gen Deutschland – aus Angst vor den Wirren des Balkan-Krieges, die einer seiner Brüder mit dem Leben bezahlte. Mittlerweile sei das Gros seines Umfelds wieder zurück nach Bosnien gezogen, daher kehre er regelmäßig in die Heimat zurück. „Meine Heimat ist aber jetzt hier“, sagt Dragovic.

In seiner Vita stehen Engagements beim SV Straelen, SV Sonsbeck, VfB Homberg, SV Hönnepel-Niedermörmter und dem 1. FC Kleve. „Ich kann nicht sagen, welche Station die schönste war. Ich bin überall, außer in Sonsbeck, aufgestiegen oder Meister geworden, es lief also bei allen Vereinen nicht allzu schlecht“, sagt Dragovic. Beim 1. FC Kleve hatte er maßgeblichen Anteil am langersehnten Aufstieg in die fünfthöchste deutsche Spielklasse zur Saison 2018/2019.

Bitterer Meistertitel

Doch ein Erfolg liegt Dragovic bis heute schwer im Magen: die Oberliga-Meisterschaft mit der SV Hö.-Nie. Unter Kulttrainer Georg Mewes gelang Dragovic und den Schwarz-Gelben 2014 die Sensation. Doch der Aufstieg in die Regionalliga blieb der Mewes-Elf verwehrt. Finanziell sei die Regionalliga nicht zu stemmen und die Infrastruktur zu dörflich – hieß es damals. „Das fühlt sich bis heute bitter an: Wenn man die ganze Saison lang an einem Ziel arbeitet, das erreicht, und es dann trotzdem nicht klappt“, sagt Dragovic.

Nun wartet auf ihn und den 1. FC Kleve die erste Partie der zweiten Saisonhälfte. Vor heimischem Publikum geht es am Sonntag, 15 Uhr, gegen den VfB Hilden (11.). „Hilden ist, ähnlich wie wir, ein sehr unangenehmer Gegner. Sie haben bisher eine recht ausgeglichene Bilanz. Es ist allerdings auch häufig ,Hopp oder top’ bei ihnen“, sagt Dragovic.

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