Fußball

Fußballregeln: Disziplin der Trainer an der Linie verbessert

Auch Manchester Citys Startrainer Pep Guardiola ist schon mit den neuen Fußballregeln konfrontiert worden.

Auch Manchester Citys Startrainer Pep Guardiola ist schon mit den neuen Fußballregeln konfrontiert worden.

Foto: Martin Rickett / dpa

Kreis Kleve.  Neue Fußballregeln machen auch vor den Trainern nicht halt. Doch die Disziplin an der Seitenlinie scheint besser zu werden – mit Verwarnungen.

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Thomas von Kuczkowski ist Trainer des Fußball-Landesligisten SV Hönnepel-Niedermörmter. Wer den Übungsleiter an der Seitenlinie schon erlebt hat, weiß, wie emotional von Kuczkowski während der 90 Minuten mitgeht. Doch könnte ihm ein überengagierter Einsatz zum Verhängnis werden.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat mit der aktuellen Saison bekanntlich eine neue Regel eingeführt. Die sorgt dafür, dass ab jetzt auch Trainer mit einer Gelben oder einer Roten Karten bedacht werden können. Grund für die Neuerung ist, Teamverantwortliche zu mehr sportlichem Verhalten anzuhalten.

Von Kuczkowski war einer der ersten Trainer im Kleverland, die schon Gelb/Rot sahen. „Es war eine Nichtigkeit und kaum der Rede wert“, sagt von Kuczkowski und erklärt: „Es ging nur um einen Einwurf, der eindeutig für uns war.“ Nach einer in der Vergangenheit handelsüblichen Kritik an der Entscheidung zückte der Unparteiische sofort Gelb. Von der neuen Regel wusste von Kuczkowski. Aber offenbar nicht, wie schnell es jetzt Verwarnungen gibt.

Innenraum-Verweis kostet 100 Euro

Im zweiten Abschnitt hatte er ein Foulspiel anders bewertet und kommentiert. Der Hinweis reichte erneut für Gelb, so dass von Kuczkowski im ersten Spiel mit Gelb/Rot den Innenraum verlassen musste. 100 Euro Strafe sind fällig. In der Vergangenheit wurden Trainer, die mit einem extrem niedrigen Ruhepuls auf der Bank saßen von Fans verschmäht aus der Serie: „Der geht ja überhaupt nicht mit.“

Bald dürfe man seine Mannschaft nicht mehr coachen und etwas aufs Feld rufen, so der Trainer der SV Hönnepel. Der neue Strafenkatalog des DFB ist lang und hart. Schon das Treten gegen eine Trinkflasche wird jetzt geahndet. Wer mehrmals die Coachingzone verlässt, wird ebenso verwarnt. Bei extremeren Vergehen wird Rot gezückt. Damit einher geht eine Sperre für den Innenraum für das nächste Spiel. Das gilt ebenso nach drei Gelbe Karten in einer Saison.

Die Trainer aus den höheren Liegen bewerten diese Änderungen als „als größten Schwachsinn aller Zeiten“, so Friedhelm Funkel von Fortuna Düsseldorf. Julian Nagelsmann von RB Leibzig räumt sogar ein, dass er dann nur 15 Spiele an der Seitenlinie stehe. Denn Rest würde er wohl von der Tribüne aus erleben.

Der Klever Landesliga-Schiedsrichter Elias Papke begrüßt die Regelreform ausdrücklich: „Nun ist es für den Trainer und die Zuschauer transparenter, wann der Schiedsrichter ermahnt und wo Grenzen überschritten werden“, erklärt er.

Mit der Änderung wurde zuletzt auch Umut Akpinar, Trainer des Oberligisten 1. FC Kleve, konfrontiert. Als seine Kicker unter der Woche beim 1. FC Monheim gastierten, fuhr ihn der Assistent an der Seitenlinie an: „Noch so’n Ding und Sie sehen die Gelbe Karte.“ Zuvor hatte der Übungsleiter eine Entscheidung des Unparteiischen lautstark kommentiert, zudem wutentbrannt gegen die Plexiglasscheibe der Trainerbank geschlagen.

Die Ermahnung wirkte. Zwar quittierte er den Ordnungsruf des Linienrichters mit Kopfschütteln, in der Folge agierte er in seiner Coachingzone sehr viel ausgeglichener.

Jan Kilkens, Trainer des Bezirksligisten Viktoria Goch, sagt: „Von all den Regeländerungen in diesem Jahr bin ich bisher nicht begeistert.“ Zwar müsse sich ihm zu Folge jeder auf der Bank „normal verhalten“, insbesondere der Cheftrainer habe eine Vorbildfunktion. „Doch Fußball ist ein Emotionsspiel. Es wird nicht gelingen, die Emotionen aus dem Spiel zu holen. Wir Trainer müssen jetzt noch viel mehr aufpassen, was wir sagen und tun“, sagt Kilkens weiter. Schon in der vergangenen Saison habe er die Hartnäckigkeit von Unparteiischen kennengelernt.

Ein Gang auf die Tribüne

Bei der Begegnung seiner Elf gegen den Ligakonkurrenten TSV Wachtendonk-Wankum wurde er des Feldes verwiesen. Damals trat er mit dem Schiedsrichter in eine hitzige Debatte. „Er schickte mich runter, obwohl ich nur gesagt hatte: ,Hallo, das war Einwurf für uns’. In der Halbzeitpause hat dann auch der Trainer von Wa.-Wa. gesagt, dass diese Entscheidung falsch war. Doch der Schiri antwortete stur: ,Die Entscheidung steht.’“ Die Konsequenz für Kilkens: der Gang auf die Tribüne und eine Geldstrafe in Höhe von 150 Euro.

Sein Kollege Lukas Nakielski, der die Bezirksliga Reserve des 1. FC Kleve betreut, vertritt da einen anderen Standpunkt: „Die Regel kann für ein faireres Miteinander auf und neben dem Feld sorgen. Wir haben da in den vergangenen Jahren eine Verrohung des Miteinanders erlebt. Da wir Trainer nun Karten sehen und für das Verhalten anderer auf der Bank haften, könnte wieder mehr Respekt auf den Fußballplätzen herrschen.“

Wer Rot sieht, muss sicher das nächste Spiel auf der Tribüne verbringen. Da gibt es keinen Interpretationsspielraum. Spielverzögerungen reichen dafür ebenso, wie das mehrmalige absichtliche Verlassen der Coachingzone.

Da setzt die Kritik von Thomas von Kuczkowski wieder ein. „Es gibt Bereiche, in der wir uns bewegen dürfen, die nur ein paar Meter lang sind. In mehreren Stadien sind überhaupt keine Coachingzonen eingezeichnet.“ Eine weitere Neuerung ist für ihn ebenfalls nicht nachvollziehbar. Wenn etwas aufs Feld gerufen wird und der Schiedsrichter nicht genau weiß, von wem die Äußerung kam, wird der ranghöchste Sportliche Leiter verwarnt. Nicht nur für Hönnepels Trainer könnte es somit in jedem Spiel eng werden.

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