Fußball

Oberliga Niederrhein versinkt im Chaos

Hö./Nie.-Trainer Georg Mewes lässt mächtig Dampf ab.

Hö./Nie.-Trainer Georg Mewes lässt mächtig Dampf ab.

Foto: WAZ FotoPool

Am Niederrhein.  Nach den Absagen in Ratingen und Hönnepel-Niedermörmter spielt der Wuppertaler SV, bei dem die Polizei mit etwa 300 gewaltbereiten Anhängern bei Auswärtsspielen rechnet, wohl auch nicht in Rhede und Wesel.

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Ratingen, Hö./Nie. und jetzt auch der VfL Rhede und PSV Lackhausen? Die Liste der Spielabsagen für Auswärtsbegegnungen des WSV wird immer länger und die Oberliga Niederrhein versinkt im Chaos.

Zwar ist die Partie beim VfL, die am 1. September steigen soll, noch nicht offiziell abgesagt, allerdings sehen sich die Rheder Verantwortlichen nicht in der Lage, das von der Polizei geforderte Sicherheitskonzept in irgendeiner Weise erfüllen zu können.

Kein Wunder, schließlich wird jeder Klub, der ein Spiel gegen den WSV austragen muss, von einer Kostenlawine überrollt. Miete für ein Ausweichstadion, Ausgaben für Sicherheitspersonal oder organisatorische Aufwendungen lassen die finanzielle Belastung ganz schnell in den fünfstelligen Bereich explodieren. Für Amateurvereine eine Summe, die sie alleine nicht aufbringen können.

Auch Holger Spychalski hat das Thema abgehakt. „Es wird definitiv kein Spiel in Wesel geben, das ist leider Fakt“, sagt der Fußball-Abteilungsleiter des PSV Lackhausen. Auch beim Oberliga-Aufsteiger laufen die Planungen für den 22. September, wenn eigentlich der Wuppertaler SV in der Hansestadt seine Visitenkarte hätte abgeben sollen, auf Hochtouren.

Gespräche mit der Stadt und der Polizei haben mittlerweile stattgefunden. „Keine Stadt oder Gemeinde will jedoch das Risiko eingehen“, erläutert der 48-Jährige. Auch der Schermbecker Waldsportplatz sei aufgrund der vom Fußballverband Niederrhein (FVN) geforderten Sicherheitsbestimmungen nicht für die Partie geeignet, gibt Spychalski die Unterredung mit Verantwortlichen der Stadt und der Polizei wieder.

Bereits die WSV-Partien in Ratingen und bei der SV Hönnepel-Niedermörmter wurden abgesagt (die NRZ berichtete). Grund dafür ist die Einschätzung der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) der Polizei NRW, die mit rund 300 gewaltbereiten WSV-Fans bei Auswärtsspielen rechnet. „Die werden als gefährlicher eingestuft als Düsseldorfer oder Kölner“, weiß Holger Spychalski.

Wird das Heimspiel-Recht abgekauft?

Allein der Einsatz von 60 ausgebildeten Ordnern werde für ein Heimspiel gegen die Wuppertaler verlangt, so der PSV-Abteilungsleiter. Denn im Stadion liegt die Verantwortung in Sachen Sicherheit beim Klub.

Was passiert nun mit der PSV-Begegnung gegen den WSV? Geeignete Ausweichmöglichkeiten rund um die Hansestadt sind recht dünn gesät. Vor allem kosten sie Geld. „Nicht nur, dass dies ein wahnsinniger Aufwand wäre. In anderen Stadien zu spielen, das ist auch ein Zuschuss-Geschäft“, sagt Holger Spychalski.

Er hat den Stand der Dinge in Wesel dem Oberliga-Staffelleiter Clemens Lüning mitgeteilt. „Er hat uns die Ausweichmöglichkeit des Niederrheinstadions in Oberhausen genannt“, so der Fußball-Abteilungsleiter.

Die Verantwortung für die Begegnung liegt in jedem Fall beim Lackhausener Verein. Die Umsetzung der vorgegebenen Sicherheitsrichtlinien bleiben am PSV hängen. Und der kann dies ebenso wenig stemmen wie viele andere Oberliga-Klubs.

Mittlerweile im Gespräch ist, dass der WSV den jeweiligen Gastgebern die Spiele abkauft. „Davon habe ich auch gehört, das muss man erst einmal sacken lassen“, sagt Holger Spychalski. Dabei räumt er ein, „lieber in diesen sauren Apfel zu beißen, als das Spiel komplett ausfallen zu lassen“. In der vergangenen Saison gab’s dieses Prozedere bereits bei Partien des damaligen Oberligisten KFC Uerdingen. Geflossen sollen dabei bis zu 5000 Euro sein.

„Aber so etwas wäre natürlich absolute Wettbewerbsverzerrung“, meint der Lackhausener Fußball-Obmann zurecht. Dem Regionalliga-Aufstieg des WSV stünde bei fast ausschließlich Heimspielen dann kaum noch etwas im Weg.

WSV-Sportvorstand Achim Weber stellte mittlerweile klar, dass am Abkaufen des Heimrechts nichts dran sei und der bergische Traditionsklub immer noch die Hoffnung hat, dass die kommenden Auswärtsspiele ordnungsgemäß ausgetragen werden können.

Hö./Nie.-Trainer Georg Mewes jedoch ist mächtig sauer auf den Verband: „Wir sind Mitglied des FVN, aber der Verband macht nichts für uns! Für uns ist das nur ein riesengroßer Aufwand“, schimpft Mewes. „Wir müssen die Unkosten tragen und können am Ende 80 Zuschauer begrüßen. Eigentlich sollte dieses Match ein Highlight für uns werden, doch nun haben wir außer einem Kostenapparat gar nichts.“

Einmal Fahrt aufgenommen, legt der Trainer nach: „Beim Verband sitzen nur Nachwuchstalente. Wenn ich an der Seitenlinie mal etwas zum Schiedsrichter sage, werde ich direkt in Handschellen abgeführt. Bei der anschließenden Spruchkammersitzung darf nicht falsch geguckt werden, sonst gibt es sofort eine Geldstrafe. Dabei ist der Verband knochenhart, aber wenn die Leute mal für ihre Klubs kämpfen sollen, passiert nichts. Wofür haben wir den Verband? Nur um Sperren auszusprechen?“

Krisen-Gipfel am 26. August

Auch Hö./Nie-Vorsitzender Alexander Kehrmann steht unter Strom: „Nach jetzigem Stand wird unser Spiel gegen Wuppertal nicht stattfinden.“ Von Anfang an, habe sein Verein einen Tausch des Heimrechts angeboten – kostenlos!

„Doch der WSV möchte nicht 38 Heimspiele nacheinander austragen“, so Kehrmann, der nochmal betont, dass er sich nicht vorstellen kann, mit den Schwarz-Gelben zum Beispiel ins Klever Stadion auszuweichen. „Wir werden das nicht machen, weil es sich nicht rechnen wird. Da lassen wir lieber das Spiel ausfallen, zahlen die Ordnungsstrafe, Wuppertal kriegt die Punkte und gut ist.“

Der Verlierer wäre aber der sportliche Wettkampf, der sich endgültig ad absurdum hätte führen lassen.

Am Montag, 26. August, treffen sich Vertreter alle Oberliga-Clubs in Duisburg um das Problem zu erörtern – große Erwartungen und Hoffnungen an die Zusammenkunft hat Kehrmann jedoch nicht.

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