Deutsche Meisterschaften

Gerissener Knoten beendet Titelträume

Das Trio der SG Wenden, das Platz neun belegt, von links: Fabian Jenne, Jonas Hoffmann und Simon Huckestein.

Das Trio der SG Wenden, das Platz neun belegt, von links: Fabian Jenne, Jonas Hoffmann und Simon Huckestein.

Foto: SG Wenden

Siegburg.  Ein gerissener Doppelknoten am Schuh war das Ende aller Träume für Christl Dörschel von der SG Wenden.

Und doch brachte die W40-Athletin DM-Silber nach Hause. „Eine Medaille ist mein Ziel,“ äußerte sie im Vorfeld der Deutschen Straßenlaufmeisterschaften über 10 Kilometer in Siegburg, „an Gold ist nicht zu denken, die Hahn ist unangefochten vorn.“ Doch was sich dann für eine Dramatik im Feld der 151 Frauen plus zahlreicher Männer der älteren Altersklassen abspielte, bekam eigentlich niemand mit, auch nicht die von Dörschel zitierte Susanne Hahn von der LG Meckenheim. Die zweimalige Olympiateilnehmerin (2008 und 2012) und zigfache nationale Titelträgerin schien für die SG-Läuferin unerreichbar.

„Das war sehr, sehr ärgerlich“, gab die in Marienheide wohnhafte Christl Dörschel, Mutter zweier Kinder, zu Protokoll. „Ich hatte sie immer im Blick, und wir waren bis Kilometer sechs auf gleicher Höhe. Doch dann riss dieser Doppelknoten. Flicken, den Schaden beheben, ging natürlich nicht. Also weiterlaufen, kämpfen. Der Druck auf den Vorfuß wurde vor allem bei den jeweils ein Kilometer langen Anstiegen der vier Runden immer größer. Das Kopfsteinpflaster tat ein Übriges.“

Nur drei Sekunden Differenz

Selbst nach der dritten Runde lagen gerade mal drei Sekunden zwischen den beiden Konkurrentinnen, und da war der Schuh schon eine ganze Weile locker. Am Ende wurde Susanne Hahn einmal mehr Deutsche Meisterin mit 37:14 Minuten vor Christl Dörschel, für die die Uhren bei 37:31 Minuten stehenblieben. Die Dritte, Anna Riske vom Laufclub Blue Liner, lag mit 38:10 Minuten schon deutlich dahinter. „Ich hätte Egon (Bröcher, Trainer der SG Wenden, d. Red.) gerne einen Titel mitgebracht.“

An eine Medaille war bei den Männern der SG nicht zu denken. Alles, was Rang und Namen hat im Langstreckensport der Republik, hatte sich in Siegburg versammelt. 351 Teilnehmer stellten sich dem Starter, dazu kamen 50 Dreiermannschaften der diversen Vereine in die Wertung. Vor diesem Hintergrund müssen Platzierungen und Zeiten beurteilt werden, und da brauchten sich die Bröcher-Schützlinge nicht zu verstecken.

Anspruchsvolle Strecke

Allen voran war es der 23-jährige Jonas Hoffmann, der mit 30:11 Minuten Bestzeit lief und der magischen Marke von 30 Minuten immer näher rückt. Platz 15 im Gesamteinlauf ist eine Topleistung. Fast gleichauf Fabian Jenne (Platz 40 mit 32:14 Minuten) und Simon Huckestein (Platz 41 mit 32:19 Minuten), und doch sahen sie sich eigentlich erst nach dem Zieldurchlauf wieder. „Wir sind zwei völlig verschiedene Rennen gelaufen“, resümierte Huckestein, und das bestätigt auch das Zeit-Protokoll. Die anspruchsvolle Strecke mit vielen Höhenmetern und Kopfsteinpflaster forderte ihren Tribut, und das bekamen vor allem Jonas Hoffmann und Simon Huckestein zu spüren. Hoffmann ging die ersten 5 Kilometer in 14:40 Minuten sehr schnell an, konnte aber die erhofften 30 Minuten nicht knacken. Dieses Ziel hatte natürlich Huckestein nicht angepeilt, aber er gab unumwunden zu: „Ich bin bei etwa sechs, sieben Kilometer ziemlich eingegangen.“

Immerhin: dieses Trio der SG Wenden erreichte in der altersklassenunabhängigen Wertung unter 50 Teams Platz 9, Respekt. „Das ist echt gut, wir hatten nur mit dem Mittelfeld gerechnet“, bilanzierte Huckestein. Auch Nils Schäfer (34:13 Minuten), Markus Mockenhaupt (35:15 Minuten) und Thomas Schönauer (38:08 Minuten) ließen zehn Mannschaften hinter sich. Christian Biele musste aus sehr privaten Gründen kurzfristig seinen Start absagen.

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