Anekdoten und Kritisches

Manni Breuckmann begeistert in Eichhagen

Manni Breuckmann (mit Mikro) in Eichhagen.

Manni Breuckmann (mit Mikro) in Eichhagen.

Foto: Volkher Pullmann

Eichhagen.  Manfred Breuckmann, gut vier Jahrzehnte Radio-Reporter beim WDR, begeistert in Eichhagen mit Anekdoten, scheut aber auch nicht kritische Worte.

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13. Juli 2014. WM-Finale im Stadion Maracana von Rio. „Es ist die 113. Spielminute. Läuft es auf ein Elfmeter-Schießen hinaus? Auf Links wird Schürrle angespielt, der leitet zu Götze weiter, der den Ball kurz abtropfen lässt und schießt: Tor! Tor für Deutschland.“ Nicht Zehntausende, aber rund achtzig Kehlen brüllen ebenfalls Tor. In Eichhagen. Nicht 2014, sondern 2019.

Nur wenige Minuten später ist Deutschland Weltmeister. 1:0 gegen Argentinien.

„Deutschland ist Weltmeister. Diese freudige Nachricht durfte ich leider auf keiner meiner fünf oder sechs WM-Reportagen meinen Hörern über den Äther mitteilen“, bedauert Manfred „Manni“ Breuckmann, dass er diesen Makel in seiner rund vier Jahrzehnte dauernden Karriere als Reporter beim WDR nicht tilgen konnte.

Gewohnt schlagfertig

Thomas Kramer vom Vorstand des Bürgervereins hatte zum Eichhagener Herbst in die Aula des CJD geladen – und die Gäste brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen. In gewohnt schlagfertiger Manier, rhetorisch bestens ausgestattet, zog der mittlerweile 68-Jährige seine weiblichen und männlichen Zuhörer jeden Alters in seinen Bann. Er nahm sie mit auf eine Zeitreise nicht nur der Bundesliga, sondern erzählte auch in unterhaltsamer Form aus einem beruflichen Alltag. Anekdote reihte sich an Anekdote. Aber auch Nachdenkliches, sehr viel kritische Worte kamen über „Mannis“ Lippen.

Der bekennende Schalke-Fan blickte auf die Anfänge seiner Laufbahn zurück. „Hätte der Daumen von Kurt Brumme, damals Sportchef beim WDR, nach unten gezeigt, wäre ich vielleicht irgendwo als Verwaltungsrichter gelandet.“ Aber der Daumen zeigte nach oben. Es war wohl die Fähigkeit, dynamisch und anschaulich zu schildern, seine gute Auffassungsgabe und das alles auch mal gespickt mit einem Schuss Ironie. „Wenngleich“, wie er zugibt, „Ironie in Deutschland nicht gut ankommt“.

Tiger am Mikrofon

Die erste Reportage 1972. „Da hast du die Angst vor dem großen Loch. Eine Million hören zu. Davon muss man sich befreien.“ Der verhinderte Jurist bezeichnet sich eher als zurückhaltend, aber „am Mikrofon werde ich zum Tiger. Ich habe meinen Traum gelebt.“ Und dieser Traum setzt sich fort in seinem rastlosen Dasein. „Ich habe jedes Jahr etwa dreißig solcher Abend wie heute, meist, aber nicht, nur in NRW.“

In seiner Startphase war das gute alte Dampfradio noch wichtiger als das Fernsehen. Warum er nicht zum Fernsehen gegangen sei? „Vielleicht lag es an meinem Aussehen.“ An Selbstironie mangelt es ihm nicht. Und er gibt eine Begebenheit an seinem Wochenende im Sauerland zum Besten. „Wir waren heute Morgen in Attendorn, als mich ein Passant anspricht. „Ja, ich bin es wirklich“, entgegnet Breuckmann. „Ich bin so froh, dass ich Sie sehe, danke. Und tschüss, Herr Hansch.“ „Dann ist die Moral für den Tag im Arsch.“ Oder: „Eine 25-Jährige bittet mich um ein Autogramm. Gerne.“ Ihr Dank: „Meine Mutter findet Sie so gut.“ Das passiert in 98 Prozent aller Fälle

Die Lieblingswoche im Mai 1997

Viele Emotionen prägten die Laufbahn des vielseitigen Jura-Aussteigers. „Meine Lieblingswoche. Innerhalb von acht Tagen werden 1997 mit Schalke und Dortmund zwei Mannschaften aus dem Revier Cupsieger. „Im Mailänder Dom hab ich eine Kerze angezündet, sonst wäre das Elfmeter-Schießen nicht für Schalke ausgegangen. So was kommt nie wieder vor.“

2001. Konferenzschaltung. „Die S04-Fans wähnten sich schon als Deutscher Meister, aber ich wusste ja, dass das Spiel der Bayern in Hamburg noch nicht zu Ende war. Ein Zahnarzt aus Kaiserslautern (Dr. Merk, Anm.d.Red.) entschied auf indirekten Freistoß nach Rückgabe zum Torwart. Unfassbares Ende.“ Schalke ist nur „ Meister der Herzen“. Breuckmann: “Ein beschissener Begriff. Ich hatte monatelang daran zu knabbern. Aber ich hatte mich dann später mit dem Zahnarzt versöhnt.“

Wichtig ist Breuckmann, dass er auch wirtschaftliche und politische Themen aufgreift; so früher im Morgenmagazin des WDR. Er setzt sich aber vor allem auch mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Fußballs auseinander. „Das verfolge ich seit Kindertagen.“

Feuerwerk der Rhetorik

Fazit: „Ich möchte die Zustände der Premier League im deutschen Fußball nicht haben.“ Beifall aus dem Auditorium. Im Nu waren knapp drei Stunden vorbei, in der Pause garniert mit Currywurst. Es war ein Feuerwerk der Rhetorik, der Eloquenz und des Entertainments, aber auch der Kritik, dargeboten von einem sympathischen und einem der versiertesten Vertreter aus der Zunft der Sportreporter.

Für Moderator Thomas Kramer war es ein gelungener Abend. Der Eichhagener Herbst fördert den Gemeinschaftssinn des Ortes. Das Themen-Angebot für die Ortsbewohner kam auch im 13. Jahr wieder gut an. Einzig die Resonanz ließ ein wenig zu wünschen übrig. Dazu Thomas Kramer: „Bayern und Dortmund spielten zeitgleich, zudem gab es in anderen Orten einige Konkurrenzveranstaltungen.“ Ach ja: sehr zum Leidwesen einiger Fans, auch des Gastredners, wurden die Zwischenstände aus München übermittelt.

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