SG Finnentrop/Bamenohl

„Ob die alle wollen, dass der Trainer zum Roboter wird?“

Anstelle von Ralf Behle (rechts) coachte Mike Schrage die SG Finnentrop/Bamenohl in Hordel.

Anstelle von Ralf Behle (rechts) coachte Mike Schrage die SG Finnentrop/Bamenohl in Hordel.

Foto: Michael Meckel

Bochum.  Ralf Behle, Coach der SG Finnentrop/Bamenohl, sieht ein mangelndes Miteinander im Fußball.

„Wo ist Behle?“ Der Satz des Fernseh-Reporters ZDF-Reporter Bruno Moravetz bei der Übertragung des olympischen Ski-Langlaufrennens 1980 ist TV-Legende und bezog sich auf den Wintersportler Jochen Behle.

Wo ist Ralf Behle? Diese Frage nach dem Nachnamens-Vetter ist da schon leichter zu beantworten: Auf der Trainerbank des Fußball-Westfalenligisten SG Finnentrop/Bamenohl.

Nicht aber am vergangenen Sonntag beim 2:0-Sieg der Finnentrop/Bamenohler in Hordel. Da war die Frage nach dem „Wo“ durchaus berechtigt. Denn Ralf Behle war beim Westfalenpokalspiel am Mittwoch zuvor gegen Meinerzhagen in den „Genuss“ der neu eingeführten Roten Karte gegen Trainer gekommen und musste die Bank verlassen.

Und wo hat er sich während des Spiels in Bochum-Hordel denn nun aufgehalten? Ralf Behle: „Ganz oben auf der Tribüne. Ich habe mich komplett da rausgezogen.“

Eine Stunde vor dem Spiel und während der Halbzeit darf ein Trainer nicht bei der Mannschaft sein, so sieht es die Regel im Fall einer Sperre vor. Die Besprechung hat man daher schon in Bamenohl abgehalten. Vor der Abfahrt.

Doch: „Dabei hätte ich am Sonntag coachen können,“ verriet Ralf Behle. Denn eine offizielle Sperre ist gegen ihn nicht verhängt worden. Diese Auskunft hatte die spielleitende Stelle der SG gegeben. Aber halt nur mündlich. Deshalb ging der Trainer auf Nummer sicher und blieb der Coaching-Zone fern, um nicht irgendetwas falsch zu machen. Stattdessen übernahm Mike Schrage das Amt. Als spielender Trainer, wenn man so will.

„Kein Schuldeingeständnis“

Sein Fernbleiben aus der Coaching Zone solle aber „kein Schuld-Eingeständnis“ sein, stellte Ralf Behle unmissverständlich klar. Denn wirklich Strafwürdiges hat sich Ralf Behle gegen Meinerzhagen nicht geleistet. „Das ist lächerlich“ hatte er ins Feld gerufen, als der Handelfmeter, der zum 0:2 geführt hatte, verhängt wurde. Behle: „Es wurde aber eingetragen: ,Ihr seid lächerlich’. Das ist schon ein echter Unterschied. Aber dagegen wehre ich mich.“

Behles Erregung ist nachvollziehbar. Es waren drei Entscheidungen, die schwerwiegend waren und die der Schiedsrichter allesamt gegen die SG traf: Der Handelfmeter, Rot gegen Tuncdemir statt gegen Torwart Shaqiri und das ignorierte Abseits-Fahnenzeichen vor dem 1:3. Sogar Meinerzhagens Trainer Demir Mutlu hatte den Referee auf den „falschen“ Rotsünder hingewiesen und bekam vom Schiedsrichter zur Antwort: Das ist meine Entscheidung. Ralf Behle: „Das ist doch kein Miteinander.“

„Bei der Roten Karte habe ich gar nichts gesagt,“ berichtete Ralf Behle, „und wenn ich mich bei dem Elfmeter, der in meinen Augen keiner war, dann mal aufrege… Ich weiß nicht, ob die alle wollen, dass der Trainer zum Roboter wird, der keine Emotionen mehr zeigen darf? Dann können wir aufhören, dann wird der Fußball kaputt gemacht.“

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