Hospitanz

Ralf Behle: Meine Zeit bei Bayern München

Ralf Behle, am Sonntag in Hohenlimburg.

Ralf Behle, am Sonntag in Hohenlimburg.

Foto: Lothar Linke

München.  Unzählige Eindrücke sind auf Ralf Behle eingeprasselt in den zwölf Tagen als Hospitant auf dem Nachwuchs-Campus beim FC Bayern München.

Aber eines stellt der Trainer des Fußball-Westfalenligisten SG Finnentrop/Bamenohl noch einmal extra heraus:

„Den absolut respektvollen Umgang miteinander.“ Das habe ihn während der gesamten Zeit beeindruckt. Und das habe sich auch durch die gesamte Hierarchie gezogen, von den Jugendspielern angefangen über die Trainer, bis hinauf zu den prominenten Führungspersönlichkeiten wie Miro Klose und Martin Demichelis oder zum Leiter des Campus, Jochen Sauer. „Da geht keiner an dir vorbei ohne Shakehands und Guten Tag, wenn das Training anfängt und wenn es aufhört,“ berichtete der 43-Jährige Kirchhundemer, „ich hatte sofort das Gefühl, dass ich in dieser Familie - so will ich’s mal ausdrücken - drin bin. Und auch, dass du willkommen bist. Das war wirklich über die gesamten zwei Wochen sehr prägend.“

Eine ganz andere Welt

Aber es war auch, wie Ralf Behle es ausdrückt, „eine ganz andere Welt“ dort in München. Wohl das Beste, was es in Sachen Nachwuchsförderung in Deutschland gibt. Daher ist ein solch angenehmes Klima angesichts einer gewissen Anfangs-Nervosität sicherlich Gold wert, oder? „Ach, Nervosität hatte ich eigentlich weniger. Aber du kannst sich der nicht wirklich entziehen, wenn du einem Miro Klose gegenüber stehst. Zumindest in den ersten Stunden,“ verriet Ralf Behle über sein erstes Zusammentreffen mit dem Weltmeister von 2014 - der aber genau das nicht heraus hängen lässt.

Mindestens genau so wie dieser höchste Titel, den es im Weltfußball gibt, hat Ralf Behle der Werdegang Kloses imponiert. „Man muss ja auch sehen, welchen Weg er gegangen ist. Step für Step. Von der Bezirksliga an. Dass man da beeindruckt ist, wenn man ihm gegenübersteht, davon kann man sich nicht ganz befreien.“

Doch das normalisiert sich rasch. „Miro Klose ist total geerdet, ein ganz feiner Kerl. Offenherzig und freundlich. Du kannst ihn alles fragen, er ist sehr zuvorkommend. Aber das sind sie alle dort. Ob Martin Demichelis, ob Danny Schwarz oder Stefan Buck.“

Ralf Behle war sowohl Zuschauer als auch aktiv mit eingebunden. „Ich konnte schon die eine oder andere Übung machen, gerade wenn es ums Individual-Taktische ging.“ Bei einem Vorbereitungsspiel der U17 durfte Ralf Behle mit in die Kabine, mal, die Ansprache von Miro Klose mithören. „Ruhig und sachlich, wie man ihn kennt.“ Eigentlich ist die Kabine ja das Heiligtum, wo normalerweise keiner ‘reinkommt. Behle: „Auch das war überraschend für mich. Du warst ein Teil des Teams, konntest dir einiges abschauen.“ Während des Spiels durfte er auf der Trainerbank Platz nehmen und sich das Coaching anschauen.

Treffen mit den 80er-Jahre-Stars

Einem Uli Hoeneß oder Karl-Heinz Rummenigge ist Ralf Behle in der Zeit nicht über den Weg gelaufen. „Sami Khedira war da, der war am Campus und hat ein Training beobachtet.“ Beim Besuch der Säbener Straße sei er aber einigen Stars der Achtziger begegnet. Walter Junghans, Hansi Pflügler und Giovane Elber. „Aber es war nicht so, dass die Profis da waren. Die waren alle auf Länderspielreisen.“ Die U23, die im Sommer in die 3. Liga zurückgekehrt ist, war vor Ort. Und zu allem Überfluss war die Wiesn in München gerade zu Ende. „Das wär auch nicht gut gegangen, glaub’ ich,“ lachte Ralf Behle, angesprochen auf das Ereignis, dem sich niemand entziehen kann, der zu der Zeit in München weilt.

Zwölf Tage in einer anderen (Fußball-)Welt. Die so anders ist als die Szene hier. Was nimmt man da mit in seinen, wenn auch hochklassigen, Amateurverein SG Finnentrop/Bamenohl? Behle muss nicht lange überlegen: „Auf jeden Fall den Umgang. Diese Wertschätzung untereinander im kompletten Verein. Und vieles im taktischen Bereich.“

Beeindruckt von Slaven Skeldzic

Hier sah Ralf Behle vor allem den zweiten Tag als riesigen Gewinn an. Das Gespräch mit Slaven Skeldzic, den Co-Trainer von Miro Klose bei der U17. „Der hat eine super-interessante Historie, er war afghanischer Nationaltrainer, hat in China gearbeitet.“ Mit ihm durfte sich Ralf Behle eine gute Stunde lang austauschen. „Er sagte: Komm’ mal rein, du kannst mir alle Fragen stellen,“ schildert Behle das Kennelernen, „das war für mich natürlich Gold wert. Da konnte ich testen: Wo stehe ich eigentlich im Vergleich mit den ganz Großen. Da habe ich ein ganz positives Fazit gekriegt.“

In einer Trainingeinheit hat er dann doch gemerkt, dass er „noch was braucht“, berichtete Ralf Behle. Als Miro Klose Stürmertraining mit drei, vier Jungs gemacht hat. „Da musste ich mich unwahrscheinlich konzentrieren, um diese ganze Sache mitzubekommen und aufzunehmen,“ gab Behle freimütig zu, „denn er machte mit einem Laufweg beschreibt er dir drei Komponenten und macht dir rei Lösungen auf. So weit bin ich nicht. Das war wirklich gut, das war Detailarbeit pur. Überragend.“

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