In Attendorn

Street-Tennis begeistert 350 Kinder

Jakob Duschek (rechts) und sein Freund Maximilian Voss sind gute Freunde und spielen zusammen in der E1-Jugend des SV Heggen. Im Hansastadion nehmen die beiden Elfjährigen zum ersten Mal einen Tennisschläger in die Hand.

Jakob Duschek (rechts) und sein Freund Maximilian Voss sind gute Freunde und spielen zusammen in der E1-Jugend des SV Heggen. Im Hansastadion nehmen die beiden Elfjährigen zum ersten Mal einen Tennisschläger in die Hand.

Foto: martin droste

Attendorn.  Jakob Duschek und Maximilian Voss sind leidenschaftliche Fußballer. Zusammen spielen die beiden Elfjährigen in der E1-Jugend des SV Heggen.

Mit Tennis hatten Jakob und Maximilian bislang noch nie etwas am Hut. Bei der Street-Tennis-Tour des Westfälischen Tennisverbandes, die im Hansastadion Station machte, nahmen die jungen Heggener zum ersten Mal einen Tennisschläger in die Hand und sind vielleicht auf den Geschmack gekommen.

„Das hat Spaß gemacht“, lachte Jakob und meinte damit nicht nur seinen 13:12-Erfolg gegen Kumpel Maximilian, mit dem er sich den Klassensieg der 5a des Rivius-Gymnasiums sicherte.

Erste Begegnung mit dem weißen Sport

Marlin Hellner stammt aus einer sportbegeisterten Familie. Der achtjährige Grundschüler aus Ennest kickt Fußball, fährt beim TV Attendorn Rad und hat auch schon einen Kindertriathlon absolviert. „Tennis habe ich noch nie gespielt“, verriet der Achtjährige nach seinem Finalsieg gegen Max Kasanzew. Das bedeutete den Klassensieg der Grundschule Ennest.

Für fast alle der rund 350 Schülerinnen und Schüler aus Attendorn war die Street-Tennis-Tour im Hansastadion die erste Begegnung mit dem so genannten weißen Sport. „Von unseren 29 Kindern hat vorher noch keines Tennis gespielt“, sagte Sportlehrer Uli Selter von der Grundschule Ennest. Sein Kollege Günter Schulte von der St. Ursula-Realschule hatte immerhin 93 Mädchen und Jungen am Start. „Davon sind höchstens eine Handvoll in einem Tennisverein“, berichtete der Heldener, der in wenigen Tagen in den wohl verdienten Ruhestand geht.

Die beiden Attendorner Sportlehrer, die sich vielen Jahren in der Vereinsarbeit engagieren, waren von der Organisation und der Spielidee des Street-Tennis-Turniers begeistert. „Das wird hier sehr kindgerecht aufgearbeitet. Alle Kinder, die beim Turnier ausscheiden, gehen auf die Spielstationen. Niemand hat Langeweile. Wer raus ist, absolviert einen Parcours“, lobte der Langlauf- und Triathlon-erfahrene Selter die sportliche Großveranstaltung. „Das ist eine tolle Geschichte, alle sind beschäftigt“, pflichtete ihm Ex-Fußballer Schulte bei.

„Das soll natürlich eine Werbung für den Tennissport sein“, stellte Torsten Vogel vom Westfälischen Tennisverband klar. Der Verband sieht sich als „Logistikpartner“ der Vereine und Schulen und sorgt für die technische Ausrüstung. Dazu gehörten in Attendorn die Netze für die insgesamt 14 kleinen Spielfelder, in denen die Mädchen und Jungen nach vereinfachten Tennisregeln um den Sieg spielten. Gezählt wurde wie beim Tischtennis: 1:0, 2:0 usw. Zudem erhielt jeder Klassenlehrer zwei Junior-Tennisschläger und drei Bälle, die am Ende wieder abgegeben werden müssen.

Wiedersehen im Jubiläumsjahr 2022

Von dieser Werbeaktion sollen die Vereine vor Ort profitieren. So präsentierten sich im Hansastadion der TC Blau-Weiß Attendern, der TC Milstenau und der TC Grün-Weiß Dünschede. Während beim an der Burg Schnellenberg beheimateten TC Blau-Weiß Nachwuchsteams fehlen – am Start sind dafür sieben Erwachsenenmannschaften – sieht es in Dünschede besser aus. So hat der TC Grün-Weiß immerhin 32 Jugendliche unter seinen 176 Mitgliedern. Davon sind acht bei Mannschaftsspielen im Einsatz: von der U8 bis zur U15. Aber für Joachim Schröder stand im Hansastadion die Nachwuchsgewinnung nicht an erster Stelle. „Uns ist wichtig, dass sich die Kinder überhaupt für Sport begeistern“, erläuterte der Jugendwart.

Dass dies gar nicht so einfach ist, weiß „Mico“ Huperz aus langjähriger Erfahrung. „Kinder haben viele andere Interessen. Und Tennis ist eine anspruchsvolle Sportart.“ Aber das ist für den erfahrenen Trainer nicht der Hauptgrund, warum viele Sportvereine – nicht nur im Tennis – mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben. Der lange Schulunterricht bis in die Nachmittagsstunde „hat uns nicht gutgetan“, betonte der Mann vom TC Blau-Weiß Attendorn.

Mit seiner Tennis Academy und dem TC Milstenau hat Trainer Günther Heck zwei Eisen im Feuer. Die Tennisschule betreut mehrere Vereine mit zusammen 180 Kindern. Auch Heck macht sich Sorgen um die „Sportnation“ Deutschland, aber nicht in erster Linie wegen des Ganztagsunterrichts. „Die Eltern sehen den Sport immer mehr nur als Entspannung“, lautet die Erfahrung des bekannten Tennislehrers.

Die Street-Tennis-Tour hat schon einmal Station in Attendorn gemacht, 2004 wurde noch in der Innenstadt gespielt. Dort wird man sich im Jahr des Stadtjubiläums 2022 wiedersehen, freut sich Norbert Blum. „Das steht schon auf dem Programm“, berichtete der 1. Vorsitzende des TC Blau-Weiß Attendorn.

Spielzeit: Vier Minuten

„Street-Tennis ist ein schnell erlernbares, variables Spiel, das auf Schulhöfen, auf der Straße oder auf Parkplätzen gespielt werden kann“, beschreibt der Westfälische Tennisverband die Spielform. Die Spielzeit beträgt vier Minuten, dann stehen die Sieger/innen fest.

Am Start im Hansastadion waren die dritten Klassen der Grundschule Ennest, der Sonnenschule und der Attandara-Grundschule sowie die fünften Jahrgänge der St. Ursula-Realschule und des Rivius-Gymnasiums. Zuerst wurden jeweils die Klassenbesten in den jeweiligen Altersklassen ermittelt. Dann ging es im Halbfinale und Finale um den Gesamtsieg. Die vier Besten jeder Klasse erhielten von der Volksbank Bigge-Lenne gestiftete Pokale. Die Sparkasse ALK stellte für alle Teilnehmer T-Shirts zur Verfügung.

Für die im Turnier ausgeschiedenen Mädchen und Jungen bauten die Tennisvereine TC Blau-Weiß Attendorn, TC Grün-Weiß Dünschede und TC Milstenau sechs Parcours mit verschiedenen Geschicklichkeitsspielen auf. Die siebte Station konnte anschließend auf den Tennisanlagen der drei beteiligten Vereine absolviert werden.

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