Fußball-Landesliga

Fichte Lintfort siegt mit Risiko-Taktik im Landesliga-Derby

Derby-Torschützen unter sich: Scherpenbergs Emre Terzi (links) und Fichtes Stefan Kapuscinski

Derby-Torschützen unter sich: Scherpenbergs Emre Terzi (links) und Fichtes Stefan Kapuscinski

Foto: Christian Creon / FFS

Moers.  Mit einer aus der Not geborenen Risiko-Taktik in der Defensive hat Fichte Lintfort in der Fußball-Landesliga beim SV Scherpenberg 2:1 gewonnen.

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Würde es auch in der Fußball-Landesliga die Möglichkeit eines Videobeweises geben, die Tabelle sähe vermutlich günstiger aus, wenn man den Blickwinkel des SV Scherpenberg einnimmt. Vier Tage nach der frustrierenden 2:3-Heimpleite nebst Phantomtor gegen den VfL Rhede setzte es eine in der entscheidenden Szene ähnlich umstrittene 1:2 (1:0)-Derbyniederlage gegen Fichte Lintfort. Doppeltorschütze Stefan Kapuscinski hatte seinen Siegtreffer in der 86. Minute aus klarer Abseitsposition heraus erzielt.

All jene unter den gut 300 Zuschauern, die es mit den Gastgebern hielten, schimpften sich die Lunge aus dem Leib. Bei einem Zusammenprall mit einem Mitspieler nach missglückter Rettungstat war SVS-Torsteher Dominik Weigl weit vor dem Strafraum liegen geblieben. Fichte nutzte den Ballgewinn zum goldenen Schuss ins verlassene Tor.

Roter Jubel, blauer Frust

Doch Schütze Kapuscinski stand beim Vorwärtszuspiel im Abseits. Referee Cedric Pelka aus Essen hielt es jedoch nicht für nötig, bei seinem Assistenten an der Seitenlinie nachzufragen. Der hätte die Abseitsstellung eigentlich gesehen haben müssen. Roter Jubel, blauer Frust.

Es war das ungewöhnliche Ende eines kampfbetonten Derbys, das zur Pause alles andere als nach einem Überraschungserfolg der Gäste ausgesehen hatte. Emre Terzis Führungstreffer nach einem scharf aufgezogenen Freistoß von Kapitän Bora Karadag ging in Ordnung. Doch ausgerechnet Karadag, Scherpenbergs Bester, musste nach fünf Minuten des zweiten Durchgangs wegen einer Oberschenkelzerrung vom Platz. Folge: Plötzlich diktierte Fichte, Scherpenberg übte sich meist nur noch in Befreiungsschlägen.

„Der Bruch im Spiel bei uns war deutlich“, stellte Trainer Abdassamad Sallay zerknirscht fest. Nach der Pause galliger und aggressiver, nutzte Fichte die Schwächung des Tabellenführers aus. Nachdem der eingewechselte Julian Thiel drei Großchancen vergeben hatte, sorgte Stefan Kapuscinski 20 Minuten vor dem Ende für den überfälligen Ausgleich. Dann folgte noch das diskutable Siegtor. „Zum zweiten Mal in kurzer Zeit hat der Schiedsrichter ein Spiel komplett beeinflusst“, kritisierte Trainer Sallay.

Sein Lintforter Kollege Sven Schützek indes strahlte: „Die Jungs haben nach der Pause ihr Herz in die Hand genommen und sind belohnt worden.“ Und dies unter schwierigen Bedingungen. Kurzfristig war der in der Regionalliga erfahrene Innenverteidiger Alexander Lenders wegen Rückenbeschwerden ausgefallen. Schützek stellte, durchaus riskant, den erst 19-jährigen Marvin Ring neben Sascha Tenbruck ins Abwehrzentrum. Dazu verschaffte er Shinji Oba als linker Außenverteidiger ein unerwartetes Fichte-Debüt.

Neuer Japaner für die Abwehr

Der 29-jährige in Duisburg wohnende Japaner vom Bezirksligisten SG Kaarst war erst kürzlich verpflichtet worden. „Er hat seine Chance aus der Not heraus genutzt“, lobte Schützek. Dazu musste der Trainer nach nur zwei Trainingseinheiten auch noch den wiedergenesenen Baris Özcelik auf der rechten Defensivseite bringen. Auch der machte seine Sache gegen den schnellen Gabriel Derikx gut. Schützek: „Zieht man alles in Betracht, haben wir am Ende verdient gewonnen.“

Für Fichte geht es am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) mit einem Heimspiel gegen den SC Kapellen-Erft weiter. Der SV Scherpenberg muss zum Topspiel bei der Spielvereinigung Sterkrade-Nord in Oberhausen antreten. Nach zwei Heimniederlagen dürften dort die Trauben vor allem dann hoch hängen, sollte Spielmacher Bora Karadag aufgrund seiner Oberschenkelzerrung nicht mitmachen können.

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