Fußball

Fußball-Schiedsrichter: „Es fehlt auch der Respekt“

Fußball-Schiedsrichter Kai Borgmann aus Büderich in Aktion.

Fußball-Schiedsrichter Kai Borgmann aus Büderich in Aktion.

Foto: Armin Fischer

Borth/Büderich.  In einem Interview spricht der Fußball-Schiecsrichter Kai Borgmann über seine Erfahrungen im Kreis Moers gerade auch im Juniorenbereich.

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Die Ereignisse während des Relegationsspiels des Büdericher SV in Asterlagen haben die Schiedsrichter im Fußball-Kreis aufgewühlt. Nicht nur, weil einer ihrer Kollegen über das Spielfeld gejagt worden war, sondern weil allgemein der Respekt gegenüber ihrer Gilde nachgelassen habe. Kai Borgmann, 17-jähriger Referee und Jugendsprecher beim Büdericher SV, berichtet von Beschimpfungen, Bedrohungen und verbalen Attacken schon bei Spielen im Nachwuchsbereich.

Herr Borgmann, der Asterlagener Fußballer, der Ihren Kollegen Samet Alpaydin geschlagen hat, wurde für fünfeinhalb Jahre gesperrt. Reicht die Strafe?

Kai Borgmann: Nein. Für viele meiner Kollegen und mich ist es nicht nachvollziehbar, warum nicht die Höchststrafe, also acht Jahre, gegen ihn ausgesprochen wurde. Auch das Urteil nach dem Vorkommnissen in Budberg, als ein Scherpenberger einen Schiedsrichter geschlagen hatte, fiel mit zweieinhalb Jahren zu milde aus. Er war ja schon vorher negativ aufgefallen und bestraft worden.

Sind Sie auch schon auf dem Platz angegangen worden?

Leider ja. Zweimal habe ich nach zwei Jugendspielen Sonderberichte schreiben müssen. Ich wurde Wichser, Arschloch und Spasti genannt. Ein Zuschauer verletzte mich an der Hacke. Ein Vater war so aufgebracht, dass er zurückgehalten werden musste, damit er mich nicht körperlich angeht. Viel Hektik kam während der beiden Spiele von außen rein. Man sollte vielleicht darüber nachdenken, ob man im Jugendbereich nicht mal Eltern als Zuschauer ausschließt. Nach dem zweiten Vorfall im September 2018 habe ich drei Monate pausiert, um alles zu verarbeiten.

Haben Sie überlegt, aufzuhören?

Nicht wirklich. Nach den drei Monaten bin ich zurückgekehrt, weil mir am Wochenende etwas fehlte. Und ich bin gerne Schiedsrichter. Ich habe mich als B-Jugend-Fußballer entschieden, Schiri zu werden, nachdem ich eine Rote Karte wegen angeblicher Beleidigung erhalten hatte. In dem Spiel hatte ein Betreuer des Gegners gepfiffen. Meine Entscheidung habe ich nicht bereut, auch wenn ich mir im Moment sehr viele Gedanken mache über die Gewalt auf den Plätzen.

Werden Sie Konsequenzen ziehen?

Es gibt Schiris im Fußball-Kreis Moers, die keine Spiele mehr mit Beteiligung des TuS Asterlagen und SV Scherpenberg pfeifen. Ich überlege noch, ob ich mich ihnen anschließen soll. Ich spreche über das Thema auch mit meinen Eltern, die mich zu den Spielen fahren und sehen, was vor Ort los ist. Ich möchte zwar nicht, dass diese Vereine die Opferrolle einnehmen. Es geht aber auch um meine eigene Sicherheit. Für Fragen oder Hilfe stehe ich immer noch im Kontakt mit meinem ehemaligen Paten, Tommy Thielen, der mich meine ersten drei Spiele begleitet hatte. Allgemein wird es rauer auf den Plätzen.

Wo liegt das Grundproblem?

Es fehlt auch der Respekt vor dem Schiedsrichter. Wir erwarten mehr Verständnis. Wir können in den unteren Kreisligen ohne Gespann nicht alles sehen. Auch wir bereiten uns auf die Spiele vor und beschäftigen uns ausführlich nach dem Schlusspfiff mit strittigen Szenen. Ich appelliere daher an Spieler, Trainer und Eltern, wieder mehr das Fairplay in den Mittelpunkt zu rücken.

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