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Fußball: Trainer Dieter Münnich freut sich mit VfB Homberg

Dieter Münnich blättert in den Homberger Erinnerungen

Dieter Münnich blättert in den Homberger Erinnerungen

Foto: SK / FFS

Am Niederrhein.  Mit Dieter Münnich war der VfB Homberg 1992 in der Fußball-Oberliga dabei. Im Interview spricht der Ex-Trainer auch über Turek und Rehhagel.

Die 77 sieht man Dieter Münnich wahrlich nicht an. Der langjährige Fußball-Cheftrainer geht regelmäßig ins Fitness-Studio. Dienstag, Donnerstag, Freitag, Sonntag – an jenen Tagen, an denen einst auch stets sein Trainingsbetrieb lief. Beim VfB Homberg, bei Hamborn 07, beim Weseler SV, bei Grün-Weiß Flüren, beim VfL Rhede, beim VfB Bottrop, beim Rheydter Spielverein. „Ich habe meine Trainingstage einfach beibehalten“, sagt der Oberhausener verschmitzt. Ehefrau Leni brauchte sich also nach dem Abschied aus dem aktiven Fußballgeschehen nicht umzustellen. Zumal Dieter Münnich sonntags auch noch auf den Fußballplätzen am Niederrhein, im Revier und auch in Westfalen stets als Beobachter zu finden ist.

Herr Münnich, am Samstag startet Aufsteiger VfB Homberg um 14 Uhr in Bergisch Gladbach in die Regionalliga. In den Jahren 1990 bis 1992 war der VfB letztmals in der höchsten Fußball-Amateurklasse aktiv, der Oberliga Nordrhein. Und dies unter Ihrer Regie. Was würden Sie Trainer Stefan Janßen mit auf den Weg geben?

Dieter Münnich: Stefan hat ein ganz tolles Ding hingelegt mit dem Aufstieg. Ich denke, dass er vor allem einen guten Teamspirit reingebracht hat. Das wird enorm wichtig sein. Die Aufgabe in der Regionalliga ist schwer, aber machbar. Wenn die Homberger bei Niederlagen nicht am Rad drehen, sondern kühlen Kopf behalten, dann können sie den Klassenerhalt schaffen.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihre fast vier Homberger Jahre?

Nur sehr gute – wenn man das Ende weglässt.

Da haben Sie 1992 in großer Abstiegsgefahr fünf Spieltage vor Saisonende das Handtuch geworfen.

Stimmt. Damals wurde ohne mein Wissen mit Ex-Bundesliga-Profi Franz Raschid als neuem Trainer verhandelt. Das hat mich schwer gekränkt. Als ich das dann mitbekommen habe, habe ich meine Sachen gepackt. Ich war nie ein Typ für Hintenrum-Nummern.

Ein harter, aber konsequenter Schritt nach fast vier Spielzeiten beim VfB. Dabei sind Sie in Homberg ja ausgiebig gefeiert worden.

Wir hatten fast durchgängig Erfolg. Die Leute haben mich nach dem Aufstieg in die Oberliga Nordrhein über den Platz getragen. Solche Momente vergisst man nicht. Damals habe ich ein Rennrad geschenkt bekommen. Ich bin zu den Heimspielen oft 20 oder 25 Kilometer mit dem Rad gefahren, um vor einem Spiel gedanklich ein wenig runterzukommen. Mir tat das wirklich gut. Und ich habe in meiner Homberger Zeit auch einen Regiestuhl bekommen für die Seitenlinie. Der steht noch in meiner Garage.

Zu den Zuschauern hatten Sie ja immer ein besonderes Verhältnis.

Die zu mir aber auch. Meckerer und Schlauberger, die selber den Ball weiter stoppen als schießen können, gab es schon immer. Ich habe damals als Trainer auch mal einem besonders nervigen Zuschauer seine fünf Mark Eintritt in der Pause zurückgezahlt, damit der sich woanders hinstellt in der zweiten Halbzeit. (lacht)

Damals kamen zu Spielen oft 3000 Zuschauer, heute meist nur 500. Hat dem VfB der Umzug vom Schillerstadion ins PCC-Stadion am Rhein geschadet?

Was die Arbeitsbedingungen anbetrifft: nein. Was die Zuschauerzahl anbetrifft: ja. Letzteres liegt aber auch sehr am Fernseh-Fußball. Der Trend der Zeit lässt sich auch nicht aufhalten. Leider.

Hätte Sie ein Profijahr mit Fernsehpräsenz nicht auch mal gereizt?

Vor der Saison 1982/83 hatte ich eine Anfrage von Rot-Weiss Essen, damals Zweite Liga. Dafür hätte ich meinen Beruf an der Schule für Technische Zeichner allerdings aufgeben müssen. Das habe ich nicht gemacht. Ich war noch nie ein Risikomensch.

Mit RWE verbinden Sie Ihren ersten Einsatz als 17-Jähriger beim damaligen West-Zweitligisten VfB Bottrop im Seniorenteam.

Stimmt. An der Essener Hafenstraße musste ich 1961 gegen Otto Rehhagel ran. 12.000 Zuschauer waren da. Ich hatte als Außenstürmer vielleicht dreimal den Ball. Einmal landete ich nach einem Zweikampf in der Sandgrube. Da beugte sich Otto zu mir herunter und sagte: „Schülerspiele finden bei uns samstags statt.“ Er war als Verteidiger schon ein ziemlich harter Knochen.

Als Trainer sind Sie bei Ratingen 04 mal Nachfolger von Weltmeister-Torhüter Toni Turek geworden.

Da war ich 29 und in der Bezirksliga Spielertrainer. Damals wollten einige in der Mannschaft nicht aufsteigen, obwohl sie das Zeug dazu gehabt hätten. Denen hat die Bezirksliga als Spielklasse ausgereicht. Das ging mir als ehrgeizigem Trainer natürlich schnell gegen den Strich. Ich wollte immer sportlichen Erfolg haben. Dafür habe ich dann auch einiges an Freizeit investiert.

Würden Sie sich heute noch den Fußballtrainer zutrauen?

Durchaus. Ich bin immer noch hartnäckig und zielstrebig, hatte während meiner Zeit auch das große Glück, stets gute Vorstände an meiner Seite zu haben. Aber ich glaube nicht, dass ich heutzutage als Trainer mit der Einstellung mancher jungen Leute klar käme.

Inwiefern?

Wenn eine Mannschaft Erfolg haben will, muss auch die eigene Haltung stimmen, der Teamgeist, der Zusammenhalt, die Bereitschaft, etwas zu investieren. Viele sind heute eher mit ihrem Smartphone denn mit dem Fußball oder den Mitmenschen beschäftigt. Das ist aus meiner Sicht keine gute Entwicklung.

Hat diese Entwicklung auch eine Rolle gespielt, als Sie 2006 mit dem aktiven Fußball aufgehört haben?

Nein, der Rückzug entstand damals eher aus einem Gefühl heraus. Ich hätte nie gedacht, dass es so etwas gibt. Aber ich habe da tatsächlich innerlich gespürt: Irgendwann ist auch mal gut.

Übrigens:

Der Homberger Start vor eigenem Publikum wird am 4. August um 14 Uhr in der MSV-Arena sein. Aus Sicherheitsgründen wird das erste Heimspiel gegen Rot-Weiss Essen an der Wedau ausgetragen.

Im PCC-Stadion ist am 17. August dann der Wuppertaler SV der erste Gegner der Homberger im eigenen Wohnzimmer.

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