Handball / Verbandsliga

HSG Vennikel/Rumeln-Kaldenhausen grüßt als Tabellenführer

Das wollen die Fans immer sehen: Kampfbetonte und mit Emotionen gespickte Lokalderbys. Hier eine Spielszene aus der Vorsaison, als Kapellens Spielmacher Steffen Pitzen von den beiden HSG-Verteidigern Daniel Hummel (links) und Philipp Kox hart angegangen wurde. Am Ende jubelte der TV Kapellen.

Das wollen die Fans immer sehen: Kampfbetonte und mit Emotionen gespickte Lokalderbys. Hier eine Spielszene aus der Vorsaison, als Kapellens Spielmacher Steffen Pitzen von den beiden HSG-Verteidigern Daniel Hummel (links) und Philipp Kox hart angegangen wurde. Am Ende jubelte der TV Kapellen.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi / FUNKE Foto Services

Am Niederrhein.  Rivalitäten, Emotionen und Herzblut: Die Handball-Verbandsliga steht in dieser Spielzeit mit seinen Derbys mehr denn je im Fokus des Interesses.

Rivalitäten, Emotionen und eine Menge Herzblut: Die Handball-Verbandsliga steht in dieser Spielzeit mehr denn je im Fokus des Interesses. Der Hauptgrund liegt dabei ganz klar auf der Hand: Nach dem Oberliga-Abstieg des SV Neukirchen kämpfen aktuell mit der HSG Vennikel/Rumeln-Kaldenhausen und dem TV Kapellen gleich drei hiesige Vereine um die Gunst der Fans. Keine Frage: Jede Mannschaft hat ihre eigenen, unterschiedlichen Ansprüche und Ziele, möchte sich stets bestmöglich präsentieren. Aber dem Kontrahenten eines auszuwischen, einen besseren Tabellenplatz einzunehmen, befeuert die Derby-Situation, sorgt für zusätzlichen Dampf im Kessel und natürlich für Gesprächsstoff.

Die HSG Vennikel/Rumeln-Kaldenhausen sonnt sich zur Zeit an der Tabellenspitze und genießt die schöne Momentaufnahme in der Herbstpause in vollen Zügen. Der TV Kapellen hinkt seinen eigenen Ansprüchen hinterher, bläst derweil Trübsal. Im Lager des punktlosen Tabellenschlusslichtes SV Neukirchen herrscht gar die übelste Katerstimmung.

HSG Vennikel/Rumeln-Kaldenhausen

Ruhe und Zufriedenheit umgibt die HSG Vennikel/Rumeln-Kaldenhausen (1. Platz/10:0 Punkte). Der Verein hat den Grundstein des Erfolges bereits im Vorfeld der Meisterschaft gelegt. Die HSG-Verantwortlichen haben gerade bei der Kaderzusammenstellung ein glückliches Händchen bewiesen. Die Mannschaft wurde qualitativ deutlich aufgewertet, mit nunmehr klaren Hierarchien. Ob die erfahrenen Neuzugänge Mirko Szymanowicz, Anthony Pistolesi, Fabian Zarnekow oder Sebastian Brysch – jeder einzelne Spieler bereichert das Team. Doch über allem steht Trainer Helmut Menzel, der die Strippen zieht, mit einer klaren Strategie. „Ich kann die Erfolge gut einordnen“, betont Helmut Menzel. „Die Momentaufnahme ist schön und die Jungs dürfen sie auch genießen. Aber meine Aufgabe ist es den Fuß auf der Bremse zu halten. Es gibt keinen Grund, um in Jubelstürme auszubrechen.“ VeRuKa, wie sich die HSG selbst abkürzt, definiert sich in erster Linie über eine intakte, gut zupackende Defensivabteilung. Die Zuordnungen und die Aggressivität gehen nahtlos ineinander über. Diese Herangehensweise hinterlässt bei den gegnerischen Angriffsreihen regelmäßig Eindruck.

„Wir alle haben Spaß und die Stimmung ist prima“, ergänzt Helmut Menzel. „Aber die Liga ist ausgeglichen und halbes Engagement reicht einfach nicht. Darin liegt die Gefahr, aber auch die Kunst.“

TV Kapellen

Die Ziele im Verein waren hochgesteckt, der TV Kapellen wollte eigentlich zu den besten Klubs der Liga gehören. Derzeit klafft allerdings eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Der TVK (4:6 Punkte) kommt nicht in Fahrt. Es klemmt an vielen Ecken und Enden, der Knoten will einfach nicht platzen. Die Euphorie im Vorfeld der Meisterschaft war bekanntlich groß, denn die Personalpolitik schien gut austariert. Gerade mit der Verpflichtung von Nils ter Haar wurde nach langem Suchen der Wunschkandidat für den rechten Rückraum gefunden. Aber das Team „funktioniert“ trotz einer ordentlichen Kaderqualität noch nicht. Es fehlt die nötige Konstanz und Stabilität.

„Ja, den Auftakt in die Saison haben wir uns in Kapellen alle ganz anders vorgestellt“, sagt TVK-Spielertrainer Christian Ginters. „Anzeichen gab es aber schon in der Vorbereitung, als mir immer wieder Leistungsträger aus den unterschiedlichsten Gründen fehlten. Wir sind einfach nicht so eingespielt, wie wir es hätten seien müssen. Mir ist bewusst, dass die Situation nicht befriedigend ist, aber es sind meiner Meinung nach Kleinigkeiten, wie Abstimmungsschwierigkeiten, woran wir gerade hart arbeiten.“

Die Blau-Weißen mühen sich, um die nötige Balance zu finden. Steht an einem Spieltag die Defensive sattelfest, so lässt sich die Mannschaft nur eine Woche später die „Bude vollhauen“, offenbart ungewohnte Patzer. Gleiches gilt für die Offensive. Da mangelt des zum Großteil an der Entschlossenheit beim Torabschluss. Kapellen muss schnellstmöglich den Schulterschluss zwischen den beiden Mannschaftsteilen hinbekommen, damit sich die momentane Unzufriedenheit in Wohlgefallen auflösen kann. „Leistungsschwankungen werden von der Liga postwendend bestraft“, weiß Ginters. „Aber ich glaube an unsere Stärken und Qualitäten.“

SV Neukirchen

Ratlosigkeit und Kopfschütteln gehen schon seit längerem einher. Auf den SV Neukirchen (0:10 Punkte) prasselt es zur Zeit knüppeldick ein. Die Talfahrt des Oberliga-Absteigers nimmt weiter rasant an Geschwindigkeit zu – niemand im Verein ist aktuell dazu in der Lage, die Notbremse zu treten. Die Entwicklung der Mannschaft wies schon in der Vorsaison negative Tendenzen auf. Die Ereignisse überschlugen sich aber erst kürzlich.

Der Verein zog bereits nach dem zweiten Spieltag die Reißleine aufgrund erschreckend schwacher Auftritte, trennte sich von Trainer Christian Wetteborn. Sein Nachfolger wurde Thomas Pannen, der die Mannschaft ursprünglich allerdings als Kapitän und Persönlichkeit auf dem Parkett anführen sollte. Thomas Pannen riss im Derby gegen den HSG Vennikel das Kreuzband und wurde nach kurzer Bedenkzeit vom Leistungsträger zum „Chef“ an der Seitenlinie.

Die Blau-Gelben haben in dieser Saison vor allem ein qualitatives Problem. Die Kaderzusammenstellung ist nicht geglückt, nicht zuletzt wegen der schweren Verletzung von Thomas Pannen fehlt insbesondere die Durchschlagskraft aus dem Rückraum. Den Spielern kann man Einstellung und Engagement nicht ansprechen. Gerade in den ersten 30 Minuten ist die Kampfkraft oft noch ausgeprägt. Die Konkurrenz verfügt mehrheitlich über besseres Personal. Neukirchen kann diesbezüglich nicht mithalten, bricht regelmäßig ein und lässt demoralisiert die Köpfe hängen. So gingen auch die Spiele gegen schwächere Teams wie Wesel und Rhede klar verloren.

„Wir müssen die Ruhe bewahren und unser Ziel nun relativieren“, betont Thomas Pannen. „Für uns geht es in der laufenden Meisterschaft einzig nur noch um den Klassenerhalt. Wir haben gute Spieler in unseren Reihen – was uns fehlt, ist die Breite. Es wäre wünschenswert, dass wir bis zur Weihnachtspause noch das ein oder andere Mal punkten würden.“ Neukirchen ist bemüht aktuell seinen Kader auf zu stocken. Der Verein sondiert den Transfermarkt, hält Augen und Ohren offen.

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