Fußball-Landesliga

Nach Trainerrauswurf geht in Scherpenberg auch der Kapitän

Abdassamad Sallay muss in Scherpenberg gehen.

Abdassamad Sallay muss in Scherpenberg gehen.

Foto: foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Moers.  Ins Straucheln gekommener Landesligist aus Moers trennt sich vor der Partie gegen Lackhausen vom Coach. Der Spielführer zeigt sich solidarisch.

Die sportliche Talfahrt beim Fußball-Landesligisten SV Scherpenberg (12. Platz, 21:25 Tore, 18 Punkte) hat personelle Konsequenzen: Am Donnerstagabend wurde Trainer Abdassamad Sallay durch den sportlichen Leiter Kay Bartkowiak von seinen Aufgaben entbunden. Zuletzt hatte der SVS aus neun Spielen nur einen Sieg geholt, war aber gleich achtmal als Verlierer vom Platz gegangen und in der Tabelle bis auf Platz zwölf abgestürzt. Dabei war das Team nach fünf Siegen zu Saisonbeginn noch sensationeller Spitzenreiter gewesen. Nach Sallays „Rauswurf“ zeigten sich Co-Trainer Christian Schütz und Kapitän Bora Karadag solidarisch, indem sie ihren sofortigen Abschied aus dem „Wäldchen“ verkündeten.

„Es gab seit der Vorbereitung eine Grüppchenbildung“, erklärt Abdassamad Sallay die Entwicklung. „Schon als wir erfolgreich waren, gab es unzufriedene Spieler ohne Einsatzzeiten, die negative Stimmung gemacht haben. Junge Talente wurden auch im Training mental fertig gemacht, es gab Respektlosigkeiten, auch gegenüber unserem Trainerteam.“ Dennoch sah der Ex-Coach die Saisonziele nicht gefährdet: „Wir sind angetreten, um mit gesenktem Etat einen Umbruch und eine Verjüngung des Teams umzusetzen sowie die Klasse zu halten.“ Angesichts von sechs Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz lag der SVS also noch „auf Kurs“.

Sallay klagt über mangelnde Rückendeckung

Dennoch gab es am Donnerstagabend eine Aussprache innerhalb des Teams, zu der auch Bartkowiak erschien. „Da ging es zwei Stunden lang hitzig hin und her“, berichtet Sallay. Letztendlich habe der sportliche Leiter ihm dann mitgeteilt, dass er gehen müsste. „Er meinte, dass er ja nicht stattdessen vier Spieler rauswerfen könnte“, sagt Sallay, der sich über mangelnde Rückendeckung beklagt: „Es wurde zu viel hinten rum erzählt, Kay hat auf diese charakterlose Stimmungsmache gehört und aufgrund dieses Geredes entschieden. Das ist schade, zumal wir schon länger wenig Kontakt mit ihm hatten. Auf unsere Anrufe hat er mehrfach nicht reagiert.“

Das kann Bartkowiak bestätigen: „Er hat Recht, aus beruflichen Gründen habe ich wenig Zeit und habe mich deshalb wenig um den SV Scherpenberg kümmern können“, beginnt der sportliche Leiter seine Erklärung. Zu Beginn der Saison habe er wenig aus dem Verein gehört, wozu auch die fünf Startsiege beitrugen: „Da war die Welt noch in Ordnung, und alle hatten sich lieb. Als dann aber die Negativserie begann, bin ich mit zunehmendem Misserfolg immer häufiger angesprochen worden, auch weil das Miteinander im Team nicht mehr stimmte.“

Bartkowiak vermisst gegen Fischeln den Willen

Die sportliche Ausbeute ließ Bartkowiak, der das Team bis Ende 2017 gecoacht hat, immer mehr zweifeln. Zudem besuchte er Ende Oktober das Heimspiel gegen den Tabellenletzten VfR Fischeln, das mit 0:2 verloren ging. „Da habe ich keine Moral gesehen, die Mannschaft wirkte willenlos. Dabei muss hier im Scherpenberger Wäldchen zumindest immer gekämpft werden, aber das habe ich an diesem Tag vermisst.“ Vor der folgenden 1:3-Niederlage in Sonsbeck habe es deshalb schon ein Gespräch mit Abdassamad Sallay gegeben, mit dem Ergebnis, diese Begegnung noch abzuwarten, bevor eine Entscheidung fällt. Darauf folgte das vom Ex-Coach erwähnte Krisengespräch am Donnerstag in der Kabine.

„Das war wie immer bei solchen Gelegenheiten. Zwei Drittel der Anwesenden sagen gar nichts, dann gibt es eine kleine Fraktion, die für den Trainer spricht, und eine, die dagegen ist“, fasst Bartkowiak das Geschehen aus seiner Sicht zusammen. „Wir kamen dabei auf keinen grünen Zweig, deshalb kam es zu der Entscheidung gegen den Trainer, um etwas Neues zu versuchen.“ Dabei ist er dem geschassten Sallay dankbar: „Er hat viel für den Verein geopfert, auch schon in der Vorsaison im Gespann mit Timo Barbeln. Insgesamt hat er super Arbeit geleistet und viele junge, gute Spieler hierher geholt“, lobt Bartkowiak. Dennoch kommt er zu dem Schluss: „Ich glaube, dass dieser Trainer trotzdem nicht zum SV Scherpenberg und seinem Umfeld gepasst hat.“

Günes mit in der Verantwortung

Nun läuft die Suche nach einem neuen Coach, dessen Namen die Verantwortlichen im Lauf der kommenden Woche verkünden möchten. Am Sonntag ab 15.15 Uhr, im Heimspiel gegen den PSV Wesel-Lackhausen (3. Platz, 33:24 Tore, 24 Punkte) werden Kay Bartkowiak und Deniz Günes die Verantwortung an der Seitenlinie übernehmen. „Wir werden den Jungs gut zureden und hoffen, dass es jetzt besser wird. Der Trainerwechsel soll für die nötige Befreiung sorgen. Jedenfalls mussten wir reagieren, denn wir wollen nicht noch weiter in den Tabellenkeller abrutschen oder wie im Vorjahr ewig gegen den Abstieg kämpfen.“

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