American Football

Rheinbergerin ist Deutsche Meisterin im American Football

Schwer zu stoppen: Leonie Heyde (links) setzt sich mit dem Football-Ei durch.

Schwer zu stoppen: Leonie Heyde (links) setzt sich mit dem Football-Ei durch.

Foto: Heyde

Rheinberg/Berlin.  Die Rheinberger Studentin Leonie Heyde ist mit den Berlin Kobra Ladies kürzlich Deutsche Meisterin im American Football geworden.

Stadion Wilmersdorf. Über 1200 Zuschauer jubeln der heimischem Mannschaft zu. Goldschlangen-Konfetti, Sektduschen. Die Berlin Kobra Ladies hatten kurz zuvor die Scorpions Sisters aus Stuttgart mit 26:24 bezwungen und sich damit den Ladies Bowl gesichert, den Deutschen Meister-Titel im American Football der Frauen. Mittendrin jubelte ausgelassen eine eher zierliche 24-Jährige im XS-Trikot mit der Nummer 2. Leonie Heyde aus Rheinberg-Millingen war fester Bestandteil des Berliner Kaders. Der jungen Dame, die gerade mal 56 Kilogramm auf die Waage bringt, war im Endspiel sogar ein Touchdown gelungen.

Von der Bundeshauptstadt an den unteren Niederrhein: Leonie Heyde sitzt am Esstisch im Elternhaus in Millingen. Das Siegerlächeln huscht nochmals über ihr Gesicht, als sie sich die Fotos aus dem Finale anschaut. „Das Spiel war mein bestes in der Saison – mit Abstand.“ Es war im dritten Viertel der Stuttgart-Partie, als Spielmacherin Natalie Schlittermann fleißig Bälle verteilte, Heyde einen der Pässe fing, den Turbo einschaltete und die noch fehlenden 37 Yards sprintend in die Endzone zurücklegte. So baute sie die Führung für die Berlinerinnen auf 20:3 aus. „Ich bin halt ganz schön flink, sagt die Footballerin, die als junges Mädchen beim SV Millingen mit Leichtathletik begann.

Auch der Bruder spielt Football

Ihr Bruder Max hatte entscheidenden Anteil daran, dass Leonie Heyde bei dieser Kontaktsportart landete, bei der blaue Flecken dazugehören. Nach dem Abi ging’s fürs Studium in die Bundeshauptstadt. Nur rumsitzen und lernen war nicht alles. Bewegung musste her. Fußball war nicht ihr Ding. „Es war eigentlich ein doofer Zufall. Weil mein Bruder in Kevelaer Football spielte und ich das Spiel interessant fand, habe ich mir überlegt, es auszuprobieren.“

So ging’s im Winter 2015 zum Probetraining zu den Spandau Bulldogs. Die Frauen-Mannschaft kämpfte in der 2. Liga um Punkte. Heyde fühlte sich gleich gut aufgehoben und blieb beim Leder-Ei.

Dann kam irgendwann ein neuer Cheftrainer, mit dem sie nicht klar kam. Nach zwei Jahren musste eine sportliche Veränderung her. Die Rheinbergerin fühlte sich pudelwohl auf dem Spielfeld und war bereit, höherklassig anzugreifen. Warum also nicht mal bei den Kobra Ladies, dem deutschen Serien-Meister, vorbeischauen? Es folgte ein vierwöchiges Probetraining. Leonie Heyde überzeugte und durfte bleiben.

Doch mit dem ersten Bundesliga-Einsatz sollte es sich hinziehen. Auf einen Schlüsselbein-Bruch, die zweite langwieriges Verletzung ihrer Karriere, folgte eine monatelange Zwangspause.

So richtig durchstarten konnte Heyde erst in der Saison 2019. Und das dann richtig als Wide Receiver, also als Passempfängerin, in der Startaufstellung. Ihre primäre Aufgabe: Auf der Außenposition Pässe fangen und mit dem Ball dann schnell laufen. Das gute Spiel-Verständnis kam ihr zugute.

„Auf dieser Spielposition geht’s nicht ganz so hart zu. Wobei man immer mit Prellungen rechnen muss. Aber die sind nicht der Rede wert. Auch beim Handball muss man taff sein.“ Football gefalle ihr, weil „man mit Technik viel erreichen kann“. Über die Blessuren schaut sie hinweg. „Ich habe durch den Sport viel gelernt – insbesondere Durchhaltevermögen.“ Das konnte sie auch fürs Studium gebrauchen. Den Psychologie-Abschluss hat die Akademikerin nach sechs Jahren in der Tasche.

Möglicher Wechsel nach Köln

Und den Deutschen Meister-Titel im Abschluss-Semester gab’s als Sahnehäubchen noch oben drauf. Heyde muss schmunzeln, als sie sich daran erinnert, wie sie an ihre Trikotnummer gekommen war. „In dieser Größe gab’s nicht viele Trikots. Die 2 hat keine Bedeutung für mich. Sie war halt noch übrig. Es gab nur eine Mitspielerin, die kleiner war als ich.“ Der Kader der Berlin Kobra Ladies umfasste 53 Footballerinnen.

Die Feierlichkeiten sind vorbei, der Berufsalltag hat begonnen. Leonie Heyde arbeitet in Duisburg mit Strafgefangenen zusammen. Ein Umzug nach Düsseldorf ist geplant. Football will sie weiterspielen. „Ich bleibe dabei und möchte mich weiterentwickeln.“ Zeitnah will sich die 24-Jährige in Köln bei den Cologne Falconets vorstellen. Bei der Mannschaft, die sie mit Berlin im Halbfinale geschlagen hatte. Und Heyde hat sich das Ziel gesteckt, alsbald zum Kader der NRW-Auswahl zu gehören. „Ich habe Blut geleckt – erst recht nach dem Titelgewinn.“

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