BADMINTON

Diskussionen um neue Aufschlagregel bei den German Open

Die Österreicherin Katarina Itric richtet den Fokus auf den Ball. Sie kontrolliert, ob unter der geforderten Höhe von 1,15 Metern aufgeschlagen wird.

Foto: Dana Schmies

Die Österreicherin Katarina Itric richtet den Fokus auf den Ball. Sie kontrolliert, ob unter der geforderten Höhe von 1,15 Metern aufgeschlagen wird.

In Mülheim darf erstmals nur unter 1,15 Meter serviert werden. Das sorgt bei vielen Spielern für Irritationen – besonders im Doppel.

Tobias Oertel schaut durch eine kleine Plexiglasscheibe. Durch das wenige Quadratzentimeter große Glas verfolgt er ein Badmintonspiel. Klingt komisch? Ist aber so. Denn Oertel ist Aufschlagrichter bei den German Open, sein künstliches Fenster ist mit einer Linie versehen und mit Hilfe dieser Vorrichtung kontrolliert er, ob der Aufschlag der Spieler wirklich unter der geforderten Höhe von 1,15 Meter ausgeführt wird.

Diese neue Regel wird beim internationalen Turnier in Mülheim zum ersten Mal angewendet und hat sich in den ersten Tagen zum wahrscheinlich am meisten diskutierten Thema entwickelt. Zur Erläuterung: Bislang richtete sich die Aufschlaghöhe nach der Taillenhöhe des Spielers und war damit äußerst willkürlich. Gerade sehr große Spieler waren vermeintlich im Vorteil. Der Weltverband verspricht sich nun mehr Klarheit. „Es gibt seit Jahren Beschwerden“, begründet Ewald Cejnek diesen Schritt. Der Österreicher ist bei den German Open so etwas wie der Oberschiedsrichter.

Fehler verringerten sich schon im Verlauf der Spiele

Mit der Regeländerung hat der Weltverband allerdings auch für jede Menge Verunsicherung gesorgt. Es werden viel mehr Aufschläge abgepfiffen als bisher. „Man denkt mehr darüber nach“, bestätigt etwa die deutsche Nationalspielerin Isabel Herttrich. „Das ist aber auch reine Gewöhnungssache. Schon während der Spiele und erst recht nach den ersten Tagen sind die Fehler weniger geworden“, hat Ewald Cejnek beobachtet.

Einige Nationen – darunter auch die Deutschen – hätten die neue Regel zuvor im Training explizit geübt. Dazu zählten auch die Dänen, die mit Mads Pieler Kolding einen Riesen in ihren Reihen haben. Bei seinen 2,05 Metern hat er nun einen deutlichen Nachteil gegenüber seinen kleineren Kollegen. „Man muss sich irgendwie daran gewöhnen“, sieht es der 30-Jährige pragmatisch. „Wir müssen es einfach akzeptieren“, sagt auch Josche Zurwonne. Einfach wegreden möchte der Akteur von Union Lüdinghausen das Problem aber nicht. Er sagt: „Es ist schon eine elementare Situation, denn mit dem Aufschlag beginnt das ganze Spiel.“ Ob die Neuerung letztlich ein Vor- oder ein Nachteil sei, da möchte sich der 28-Jährige am liebsten jetzt noch nicht festlegen.

Hannah Pohl setzt auf den Gewöhnungsfaktor

Hannah Pohl versuchte die aktuelle Brisanz des Themas ein Stück weit herunter zu schrauben. „Je mehr Turniere kommen, desto mehr wird es in den Hintergrund rücken“, ist sich die 23-Jährige aus Bonn-Beuel sicher. Das sieht auch Referee Ewald Cejnek so. Ein Risiko sieht er allerdings darin, dass die neue Regel bei kleineren Turnieren oder in der Bundesliga, die keinen Aufschlagschiedsrichter zur Verfügung haben, gar nicht umsetzbar ist. Er glaubt: „Damit schaffen wir uns zwei verschiedene Sportarten und das finde ich gefährlich.“

Mit Humor nimmt es der ehemalige German-Open-Turnierdirektor Boris Reichel: „Wer das Turnier gewinnt, wird sich am Ende sicher nicht über die neue Regel beschweren.“

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