Handball

FSJler bringt Schwung in zwei Mülheimer Handballvereine

Matti Klausing leitet unter anderem das Training der E-Jugend. Er ist aber auch für organisatorische Dinge verantwortlich.

Matti Klausing leitet unter anderem das Training der E-Jugend. Er ist aber auch für organisatorische Dinge verantwortlich.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim.  So richtig wusste Matti Klausing nach dem Abitur nicht, wie es weitergeht. Er entschied sich für ein FSJ in zwei Mülheimer Handballvereinen.

Mehr Kinder für den Handballsport zu begeistern, vor dieser Aufgabe stehen eigentlich alle Mülheimer Handballvereine gleichermaßen. Der VfR Saarn und die DJK Styrum 06 gehen dabei nun seit einiger Zeit gemeinsam einen neuen Weg.

Sie beschäftigen seit September mit Matti Klausing einen FSJler, der sich während seines freiwilligen sozialen Jahrs ausschließlich um die Jugendarbeit der beiden Vereine kümmert.

Lehramt und Sportmanagement findet der Mülheimer spannend

Der 19-Jährige wollte sich nach seinem Abitur nicht gleich in eine Ausbildung oder ein Studium stürzen. Von der einjährigen „Auszeit“ verspricht er sich auch Orientierung für seinen weiteren beruflichen Weg. Lehramt könnte er sich vorstellen, Sportmanagement findet er aber auch spannend. Deshalb wollte er bei seinem freiwilligen Dienst auch „irgendwas mit Sport und Kindern machen“, sagt Klausing.

Seine Mutter Uschi ist beim Landessportbund für eben diese Freiwilligendienste zuständig. Sein Vater, der selbst auch aktiv Handball in Bochum und Hattingen gespielt hat, ist als Jugendfachkraft beim Westdeutschen Handballverband (WHV) tätig und leitet in dieser Funktion unter anderem AGs an Grundschulen.

Klausing ist dem Mülheimer Handball seit der Kindheit verbunden

Da führte eins zum anderen. Es fehlten nur noch die passenden Rahmenbedingungen. Wie die Kooperation zwischen Styrum und Saarn zustande gekommen ist, ist eigentlich recht einfach zu beantworten. Denn Matti Klausing hat zu beiden Vereinen eine langjährige Verbindung. Seit fünf Jahren Trägt er das Trikot des VfR Saarn und spielt dort derzeit in der zweiten Mannschaft (Bezirksliga). Wenn man ihn nach seiner Position fragt, sagt er „überall“.

Angefangen hat er mit fünf Jahren bei Styrum 06 als Kreisläufer, später dann im rechten Rückraum. Als im Tor Not am Mann war, schulte er kurzerhand um und stellte sich zwischen die Pfosten. Bei den „06ern“ blieb Matti bis sich seine Jugendmannschaft auflöste. „Als es in Mülheim gar keine Mannschaft mehr für mich gab, habe ich schon überlegt, ganz mit dem Handball aufzuhören“, erinnert sich Klausing zurück. Vielleicht auch ein Grund, wieso er bei den beiden Vereinen helfen möchte, etwas neuaufzubauen.

Die beiden Mülheimer Vereine können sich die Kosten teilen

Die Idee der Zusammenarbeit fand in beiden Vereinen schnell Anklang. Denn es gab ja noch keinerlei Erfahrung mit diesem Konzept, so dass im Vorfeld nicht klar war, ob es in einem Verein genügend Aufgaben gibt, um einen FSJler im Alleingang zu beschäftigen. Zudem konnten sich Saarn und Styrum so natürlich auch die anfallenden Kosten teilen. Wobei sich diese durch entsprechende Zuschüsse eh in Grenzen halten.

Die Vorteile hingegen liegen jedenfalls klar auf der Hand. „Ich kann mich um viele Dinge im Vormittagsbereich kümmern“, erklärt Klausing. Denn für die Vereine wird es immer schwieriger, ehrenamtliche Kräfte zu finden, die zu dieser Tageszeit Kapazitäten haben.

Saisonabschlussfahrt wird schon geplant

So leitet Klausing etwa Handball-AGs in insgesamt vier Grundschulen, zwei in Styrum und zwei in Saarn. Zudem unterstützt er das Jugendtraining beider Vereine. Weil es immer irgendetwas vorzubereiten oder zu planen gibt, stand schnell fest, dass für den FSJLer keine Langeweile aufkommen wird.

Beispiele gibt es genug: Das Styrumer Kinderspielfestes im November oder die Saarner Weihnachtsfeier inklusive Mixturnier mit Eltern. Das nächste große Projekt wird die Saisonabschlussfahrt mit sportlichem Rahmenprogramm für Kinder beider Vereine nach Hinsbeck sein. Matti Klausing gefallen jedenfalls beide Seiten seines Jobs. Der sportliche und der organisatorische Teil.

Saarn und Styrum arbeiten Hand in Hand

Auch von Seiten des VfR Saarn und der DJK Styrum 06 geht der Daumen zum Pilotprojekt „FSJ“ ganz klar nach oben. Die beiden beteiligten Vereine ziehen jedenfalls eine sehr positive Zwischenbilanz.

„Für uns hat sich das Projekt bisher auf jeden Fall gelohnt“, sagt Johannes Linssen, stellvertretender Vorsitzender beim VfR Saarn. „Insbesondere durch die Handball-AGs an den Saarner Grundschulen und Besuchen im Sportunterricht durch Matti Klausing hat es einen spürbaren Zulauf an Kindern mit Interesse am Handball gegeben“, erklärt Linssen.

Die Arbeit des FSJler soll ausgeweitet werden

Deswegen möchte der Verein diesen positiven Effekt gerne auch auf seine anderen Abteilungen ausweiten. „Besonders unsere Leichtathletik-Abteilung würde sich mehr junge Aktive wünschen“, so der Vorsitzende. Details dazu seien aber noch in der Abstimmung.

Auch bei den Styrumern hat sich Klausings Arbeit positiv in den Anmeldezahlen niedergeschlagen. Die Styrumer haben mittlerweile neben der zuvor schon existierenden Ballspielgruppe „Junge Löwen“ nun auch eine Bambini-Handballmannschaft ins Leben gerufen. Diese richtet sich an Mädchen und Jungen zwischen sechs und acht Jahren. Die Kinder trainieren montags ab 16.30 Uhr an der Sporthalle Von-der-Tann-Straße und nehmen auch schon an ersten kleinen Turnieren teil.

Engagement lässt sich nicht nur in Zahlen messen

Allerdings lässt sich Klausings Engagement nicht nur in Zahlen messen. „Er bringt auch viele eigene Ideen ein, was wir sehr schätzen“, so Linssen. Gerade was die Organisation größerer Events angeht, wie beim Styrumer Piraten-Spielfest hat er die Betreuer und Trainer an vielen Stellen entlastet, sagt Sarah Fuchs, die das Projekt „FSJ“ auf Seiten der Styrumer begleitet hat.

Sie findet es generell richtig, als Verein Verantwortung zu übernehmen und jungen Menschen die Chance zu geben, sich weiterzuentwickeln und damit auch ein Stück weit Entscheidungshilfen für den späteren beruflichen Weg zu bieten.

Bürokratische Hürden bei vereinsübergreifender Arbeit

„Außerdem finde ich es auch gut, dass so auch mal zwei Vereine aus zwei vollkommen unterschiedlichen Stadtteilen zusammenkommen, die sonst eher keine Berührungspunkte miteinander haben“, so Fuchs. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Vereinen sei „reibungslos und angenehm“ gewesen, wie beide betonen. .

Nur an die damit verbundene Bürokratie habe man sich erst gewöhnen müssen, denn Fördermittel und Nachweise müssten „an vielen Ecken“ eingereicht werden.

Weitere Infos unter: handball@djk-vfr-saarn.de oder fsj@djk-styrum.de.

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