Oberhausen. Der SWA-Spielertrainer erzielte beim sensationellen 4:3-Pokalsieg gegen Wuppertal ein Tor, das jetzt zum „Kacktor des Jahres“ gewählt wurde.

Raphael Steinmetz ist müde an diesem Rosenmontag. Samstag war er mit vielen aus dem Team von Bezirksligist Schwarz-Weiß Alstaden in Köln Karneval feiern, Sonntag in Oberhausen. So ähnlich erging es ihm im September 2023 im Pokalspiel gegen den Regionalligisten Wuppertaler SV, dass die Schwarz-Weißen legendär 4:3 nach Verlängerung gewannen und mit einer Party bis in den Morgen feierten. Steinmetz wurde wegen seines kuriosen Tores zum 4:2 schon in „Zeiglers Wunderbare Welt des Fußballs“ mit dem Klodeckel für das „Kacktor des Monats“ ausgezeichnet. Jetzt wurde sein Treffer zum „Kacktor des Jahres“ gewählt.

Mit annähernd 43 Prozent der Wählerstimmen lag Steinmetz’ Treffer 17 Prozent vor dem zweiten. „Ich bin extrem stolz, dass wir hier in Alstaden solch eine Fan-Basis haben. 2018 waren wir noch ein kleiner Verein in der Kreisliga, jetzt sind wir deutschlandweit bekannt.“

Dass sich sein Tor etwa gegen überaus kuriose Treffer durchsetzte, die bei Teams wie dem HSV oder VfB Stuttgart fielen, freut ihn sehr. „Man durfte mehrfach wählen, das haben wir getan. Aber dass wir uns gegen so starke Marketingabteilungen wie Stuttgart oder Hamburg durchgesetzt haben, zeigt, was wir hier für einen Stellenwert haben.“

Übergabe des „Goldenen Klodeckels“ steht noch aus

Der leicht angesäuerte Moderator Arnd Zeigler benannte jetzt in seiner Sendung zwar ein anderes Tor als Favorit, aber das habe eben nicht die Mehrheit bekommen. Seine Redaktion überlege, nun den Wahlmodus zu ändern. Was Steinmetz und SW Alstaden herzlich egal sein kann, der „Goldene Klodeckel“ ist sicher. „Die haben sich bei mir aber noch nicht für die Übergabe gemeldet.“

Zur Erinnerung: Im Duell gegen den WSV hatte Alstadens Abwehrspieler Fabio Saporito den Ball in der 114. Spielminute vom eigenen Sechzehner fast bis zur Wuppertaler Strafraumgrenze geknallt. Steinmetz stand mindestens fünf Meter im Abseits und hob die Hand – für WSV-Keeper Paul Grave anscheinend Zeichen genug, um den Ball für den Freistoß Richtung Mittellinie zu rollen. Doch der Schiedsrichter hatte gar keinen Freistoß gepfiffen, sondern die Szene einfach mit Vorteil laufen lassen. Steinmetz schnappte sich die Kugel und traf aus 35 Metern ins rechte Eck.

„Ich war völlig platt und hätte eigentlich schon rausgemusst“, so Steinmetz, der daran erinnert, wie ihn sein ehemaliger Trainer Mike Terranova bei seinem Ex-Verein RWO in solchen Schlitzohrigkeiten bestärkte: „Der Terra hat mir schon immer gesagt: Mit den Beinen bist du nicht der Schnellste auf dem Platz, aber im Kopf. Vielleicht war ich der Einzige auf der Anlage, der das als neue Spielsituation erkannt hatte. Ich habe in dem Moment auch gar nicht groß nachgedacht. Ich hatte auch noch kein Gelb, von daher konnte ich das riskieren.“

Das war eiegntlich ein Geniestreich und kein Kacktor

Eigentlich war es ein Geniestreich und kein „Kacktor“. „Ja, eigentlich hat der Torwart natürlich großen Anteil an der Szene. Aber für mich ist es trotzdem eine tolle Erinnerung an diesen überragenden Abend“, so der Alstadener Spielertrainer über die Szene, die deutschlandweit für Aufsehen sorgte und mit über 36.000 Stimmen das „Kacktor des Monats“ bescherte. Steinmetz: „Ich hatte in dem Moment gar nicht damit gerechnet. Aber wenn man schon so eingeladen wird, muss man das Geschenk auch annehmen“, erinnert sich Steinmetz gerne an seinen Geniestreich zurück.

Schiedsrichter Davide Zeisberg (vorne) bespricht mit seinem Assistenten Joshua Vines die Situation beim 4:2 und entscheidet Tor: Raphael Steinmetz (l) hört gern mit.
Schiedsrichter Davide Zeisberg (vorne) bespricht mit seinem Assistenten Joshua Vines die Situation beim 4:2 und entscheidet Tor: Raphael Steinmetz (l) hört gern mit. © FUNKE Foto Services | Frank Oppitz

Als Favorit für das „Kacktor des Jahres“ galt ein anderer Treffer, nämlich das kuriose Eigentor von HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes beim 2:2 im Hamburger Stadtderby gegen den FC St. Pauli. Im Spielaufbau bekam der 31-Jährige den Ball von Teamkollege Guilherme Ramos, wollte ihn dann nach vorne schlagen, weil er unter Druck geriet. Die Kugel kam aber unglücklich auf dem Rasen auf und begann zu holpern. Statt den Ball weit in die Hälfte von St. Pauli zu dreschen, sprang er ans Schienbein des Torhüters und von dort mit voller Wucht ins eigene Tor.

Aber wie schon in der Partie gegen den Wuppertaler SV, wo die Kuhle-Kicker ebenfalls dem Favoriten ein Schnippchen schlugen, ist der Sieg erneut an SW Alstaden gegangen. Steinmetz im Vorfeld: „Wir würden uns sehr über den goldenen Klodeckel freuen. Ob das beim HSV auch so der Fall sein würde, da habe ich eher so meine Zweifel.“

SW Alstaden nach dem 4:3 wie es singt und lacht.
SW Alstaden nach dem 4:3 wie es singt und lacht. © Oberhausen | Frank Oppitz

Genau so kam es, im Gegensatz zu den Hamburgern sind die Alstadener nämlich stolz auf das Tor, den Sieg und diesen Abend für die Ewigkeit. Steinmetz: „Ich weiß nicht, ob es dass noch mal geben wird, dass 800 Alstadener zusammen bei einem Fußballspiel die Nacht zum Tag machen.“ (an/stacho/P.V.)