Ironman Hawaii

Ironman Hawaii 2019: Timo Schaffeld schwer enttäuscht

Timo Schaffeld, hier bei  einem Duathlon im Frühjahr, musste diesmal beim Marathon auf Hawaii schwer leiden und kämpfte sich enttäuscht ins Ziel.

Timo Schaffeld, hier bei einem Duathlon im Frühjahr, musste diesmal beim Marathon auf Hawaii schwer leiden und kämpfte sich enttäuscht ins Ziel.

Foto: Nina Schaffeld

Oberhausen/Hawaii.  Einbruch beim Ironman auf Hawaii: Der Weltmeister AK 18/24 Timo Schaffeld wurde in einer Zeit von 9:48,00 Stunden letztlich „nur“ Elfter.

Später Sonntagabend in Deutschland, schon Montagmorgen auf Hawaii. Endlich geht Triathlet Timo Schaffeld ans Telefon, ringt sich nach seiner herben Enttäuschung durch, mit der Sportredaktion zu sprechen. Die Stimme ist immer noch belegt: „Ich bin komplett geplatzt.“ Und damit war auch der Traum hin, seinen Weltmeistertitel der Altersklasse 18/24 beim Ironman auf der Insel zu wiederholen.

Ein Jahr hat er darauf hingearbeitet, eine optimale Vorbereitung hingelegt und schien die Neun-Stunden-Marke im Griff zu haben. Und dann das: Elfter der U18/24 in 9:48,00 Stunden. Für die meisten anderen wäre das immer noch eine gute Zeit, doch für Schaffeld, der im Oktober 2018 sensationell in Altersklassen-Rekordzeit von 8:51,50 Stunden den Weltmeistertitel der AK 18/24 eroberte, ist das eine bittere Enttäuschung.

Schaffeld: „Ich bin total unzufrieden“

Es hilft ihm auch nicht viel, dass Weltklasse-Profis wie etwa der zweimalige Weltmeister Patrick Lange bei seinem vierten Hawaii-Start jetzt erstmals in ein ganz tiefes Loch fielen. Auf dem Rad wurde dem Triathlon-Profi schwarz vor Augen, in der Nacht zuvor hatte er Fieber. Lange musste aussteigen. Dies nach einer professionellen und punktgenauen Vorbereitung, von der ein Student wie Timo Schaffeld nur träumen kann.

So gesehen: Alle Achtung, dass der Oberhausener durchhielt! Denn er war einfach platt. „Die Werte waren alle in Ordnung, die Vorbereitung stimmte auf den Punkt. Ich bin total unzufrieden.“

Dabei ließ sich sein langes Rennen gut an. Die Schwimmstrecke (3,8 Kilometer), diesmal durch kabbelige See, bewältigte er in 59,16 Minuten. Im Vorjahr waren es 57,49 unter insgesamt etwas leichteren Bedingungen. Schaffeld: „Die Verhältnisse waren aber insgesamt in Ordnung. Es hätte für eine Zeit wie im Vorjahr reichen können.“ Dass er die drin hat, bestätigte er bei seinem Ironman im Juli in Hamburg, wo er in 8:57,04 Stunden Deutscher Meister der AK 18/24 wurde. Er hatte auch auf Hawaii das Potenzial, in seiner Altersklasse ganz vorn zu landen.

„Ich glaube, dort bin ich einfach zu hart gefahren“

Doch zum Verhängnis wurde ihm dann wohl die 180 Kilometer lange Radstrecke: „Ich glaube, dort bin ich einfach zu hart gefahren.“ Auf Hawaii wird wegen der schwierigen Windverhältnisse in Gruppen und im Windschatten gefahren. Wer sich stark fühlt, gibt Gas und versucht, eine Gruppe nach vorn zu springen. Und dann vielleicht noch eine weiter.

Im Vorjahr trug ihn die Euphorie von Gruppe zu Gruppe nach vorn, diesmal wollte er noch mehr. Im Vertrauen auf sich und seine diesmal viel rundere Vorbereitung riskierte er viele Alleingänge, um weiter nach vorn zu kommen und überzog dabei. Mit 4:42,40 Stunden war seine Endzeit auf dem Rad durchaus vergleichbar mit der des Vorjahres (4:32,30), doch: „Diesmal habe ich zu viele Körner gelassen“, erkannte er beim abschließenden und entscheidenden Marathon.

Dort erlitt er einen Einbruch. „Ich hatte Krämpfe, musste zwischendurch sogar spazieren gehen und bin trotzdem total abgeschmiert.“ Er gab zwar nicht auf, doch 4:01,25 sind nun mal keine Zeit für die 42,195 Kilometer, mit der man als Leistungssportler auch nur irgendwas gewinnen kann. Zum Vergleich: Der dänische AK 18/24-Sieger Gustav Palm-Henriksen lief 3:26,02, Schaffeld im Vorjahr selbst 3:17,20. Nach Schwimmen und Rad hatte Schaffeld jetzt gerade einmal fünf Minuten Rückstand auf den Dänen, nach dem Laufen waren es 40. Palm-Henriksen gewann in 9:08,13. Eine Zeit, die auch für Schaffeld locker drin sitzt.

Eine Woche Urlaub, um das Geschehen zu verarbeiten

Platz elf wäre für viele ein Traum, für den Oberhausener ist es schlicht eine große Enttäuschung: „Die Erfahrung mag ja gut und letztlich lehrreich für mich sein, aber momentan ist das schwer zu verarbeiten.“

Schaffeld, seine Familie und Freunde fliegen jetzt noch für eine Woche nach Honolulu, um dort richtig Urlaub zu machen und das Geschehen zu verarbeiten. Wobei davon auszugehen ist, dass Schaffeld seine Zeitfahrmaschine garantiert nicht in der Ecke stehen lassen wird.

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