Regionalliga West

RWO-Spieler Tanju Öztürk: „Man lernt im Fußball nie aus“

Nach dem Spielausfall bei der U 23 des BVB setzten die Rot-Weißen kurzerhand ein Testspiel im Stadion an. Auch hier machte Tanju Öztürk (vorne, gegen Nedim Pepic) eine gute Figur und entwickelte das Spiel aus der Sechserposition heraus.

Nach dem Spielausfall bei der U 23 des BVB setzten die Rot-Weißen kurzerhand ein Testspiel im Stadion an. Auch hier machte Tanju Öztürk (vorne, gegen Nedim Pepic) eine gute Figur und entwickelte das Spiel aus der Sechserposition heraus.

Foto: Oliver Mengedoht / Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Der Sechser Tanju Öztürk kommt bei RWO immer besser in Schwung. Das Team profitiert von Erfahrung und Umsicht des 31-Jährigen.

Zwar rollt wie in den ersten drei Fußball-Profiligen auch in der Regionalliga West nach wie vor das runde Leder. Doch wegen der Corona-Pandemie gehören Spielabsagen zur Tagesordnung. Zuletzt betroffen war auch Rot-Weiß Oberhausen , als kurzfristig das Duell gegen die Zweitvertretung von Borussia Dortmund ausfallen musste. „Wir müssen die Situation akzeptieren wie sie ist. Dabei hoffen wir vor jedem Spieltag natürlich, dass wir auch spielen“, sagt Tanju Öztürk , der nach seiner langwierigen Verletzung zu Saisonbeginn mittlerweile einen festen Platz in der Mannschaft von Trainer Mike Terranova eingenommen hat.

Nicht zuletzt beim 6:1 vor gut zwei Wochen beim Bonner SC, wo der 31-Jährige auch sein erstes Pflichtspiel-Tor für die Kleeblätter erzielte, stach Öztürk auf seiner bevorzugten Position als Sechser mit Regie-Verantwortung hervor. Zuvor hatte der gebürtige Kölner zumeist in der Innenverteidigung agiert. „Ich kann beides spielen, wobei ich es liebe, auf der Sechs zu spielen. Auch weil ich dort in Sachen Spielaufbau noch mehr Verantwortung übernehmen kann.“

Sieg gegen Bonn richtig einordnen

Dabei will der Routinier den bisher höchsten Saisonsieg richtig eingeordnet wissen. „Das Ergebnis ist für meinen Geschmack schon einen Tick zu hoch ausgefallen“, spricht Öztürk vor allem die Effektivität an, die die Rot-Weißen in dieser Partie auszeichnete. „Wir haben die Tore zu den genau richtigen Zeitpunkten gemacht. Wer die Tore so kassiert, wie Bonn an diesem Tag, hat keine Chance mehr zurückzukommen.“ Das Resultat habe zwar gezeigt, zu was RWO in der Lage sei, „doch ist dies auch eine komplett andere Mannschaft , als die, die noch zu Saisonbeginn auf dem Platz stand.“

Vor allem wegen der großen Verletzungsmisere konnte Trainer Dimitrios Pappas „nie mit seiner Wunschelf spielen, wobei er letztlich das Beste draus gemacht hat“, wie Öztürk bekräftigt. Dennoch kam es an der Seitenlinie zum Wechsel. Mike Terranova übernahm wieder das Zepter, der laut Öztürk auch „mit einer anderen taktischen Idee an die Sache rangeht.“ Grundsätzlich sieht der Rheinländer sein Team auf einem guten Weg, auch wenn Spielpausen wie zuletzt dem Rhythmus alles andere als förderlich sind.

2010 beim MSV im Profikader

„Das, was du auf dem Trainingsplatz einstudierst, will du natürlich auch im Ligaalltag umsetzen“, sieht der Defensivallrounder die Spielpraxis als unablässig an. „Training ist alles schön und gut. Aber ich habe Spieler in meiner Laufbahn kennengelernt, die im Training die besten waren, aber am Samstag nichts auf die Kette bekommen haben.“

‚Entscheidend is‘ auf’m Platz‘ lautet also das Adi-Preißler-Gedächtnismotto von Öztürk, der 2010 beim MSV Duisburg den Sprung in den Profikader schaffte. Für die Zebras absolvierte der Defensivspezialist 29 Zweitliga- und 32 Drittligapartien. 44 weitere Spiele in Liga drei absolvierte Öztürk für den KFC Uerdingen und Hansa Rostock .

Erfahrung ist nicht alles

An Erfahrung mangelt es Öztürk also nicht, auch wenn er anmerkt. „Erfahrung ist nicht alles. Ich liebe es Fußball zu gucken und zu beobachten, wie andere Spieler auf meiner Position ihre Rolle interpretieren. Man lernt schließlich nie aus.“ Dank seiner Spielintelligenz und Ruhe am Ball scheint die Nummer 25 der Kleeblätter die Führungsqualitäten zu verkörpern, für die ihn Oberhausens Sportlicher Leiter Patrick Bauder vor der Saison verpflichtet hat. Dazu gehört auch eine realistische Selbsteinschätzung. „Ich bin auf jeden Fall nicht mehr der Schnellste. Das war ich aber noch nie. Aber dafür bin ich sehr handlungsschnell und clever. Ich weiß, was ich kann und wann ich es einsetzen muss.“

Dazu gehört auch vorausdenkend zu spielen. „Manche denken an den nächsten Schritt, ich denke aber bereits über den dritten Schritt nach. Wenn ich den Ball rechts außen spiele, überlege ich, was hat mein Mitspieler für Möglichkeiten, den nächsten Ball zu spielen. So lebe ich Fußball.“ Ein Spielverständnis, was auch am Samstag (14 Uhr) beim Heimspiel gegen Rot Weiss Ahlen zum Erfolg führen soll.

Öztürk nimmt Ahlen mit Andreas Zimmermann ernst

Dabei nimmt Öztürk das Tabellenschlusslicht, dass vor kurzem Trainer Björn Mehnert durch den Ex-RWO- Coach Andreas Zimmermann ausgetauscht hat, nicht auf die leichte Schulter. „Ein Trainerwechsel kann dich noch mal pushen, weil sich jeder Spieler neu empfehlen kann. Deshalb erwarte ich von Ahlen eine Aggressivität, der wir uns entgegenstellen müssen.“

Schließlich will sich RWO weiter aus der unteren Tabellenregion Richtung sicheres Mittelfeld hoch arbeiten. Öztürk: „Dafür müssen wir jedes Spiel mit der gleichen Einstellung angehen, egal, ob wir gegen Ahlen oder den BVB II antreten. Wir wollen uns unten weiter absetzen und zu Hause eine Macht werden.“

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