Rot-Weiß Oberhausen

Vor 55 Jahren: Diskussion um Fußballclubs als Werbeträger

War ein Vierteljahrhundert der uneingeschränkte Chef bei den Kleeblättern: RWO-Präsident Peter Maaßen.

War ein Vierteljahrhundert der uneingeschränkte Chef bei den Kleeblättern: RWO-Präsident Peter Maaßen.

Foto: NRZ/Fiedler

Oberhausen.   Heute normal, 1963 ein großes Thema: Die Stadt Oberhausen und RWO mit Präsident Peter Maaßen diskutierten, ob der Club einen Werbefaktor hat.

Seit es die Fußball-Bundesliga gibt, seit 1963 also, wird in Oberhausen eine Frage eigentlich immer diskutiert. Sie lautete schon im November 1963 bei einer Veranstaltung des Verkehrsvereins so: „Ist ein Vertragsspielerverein ein Werbefaktor für die Stadt Oberhausen?“ Altmodisch kommt einem das Wort „Vertragsspielerverein“ vor, das aus der alten Oberliga-Zeit stammte, vom Deutschen Fußball-Bund aber noch jahrelang angewandt wurde.

„Profiklubs“ wollte man die Vereine nicht nennen, weswegen es dann auch noch die „Lizenzspieler“ gab. Und mehr als 1200 DM durfte man auch nicht verdienen, was alsbald zu jeder Menge Regelüberschreitungen führte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mehr als hundert Zuhörer im Auditorium der Stadthalle

Oberhausen – Rot-Weiß Oberhausen – gehörte nicht zum Kreis der ersten 16 Bundesligaklubs. Das hatte ganz maßgeblich zwei Gründe: Die sportliche Qualifikation war knapp verfehlt worden; RWO-Präsident Peter „Pascha“ Maaßen galt im Vorfeld der Bundesliga-Entscheidung als erbitterter Gegner. Was ihn nicht davon abhielt, ein paar Monate nach dem ersten Anpfiff zur Bundesliga stärkeres Engagement der Stadt für „seinen“ Verein einzufordern.

Vor mehr als hundert Zuhörern im Auditorium der Stadthalle (was es leider nicht mehr gibt) war sich die Runde eigentlich einig. Natürlich kann ein Sportverein ein Werbefaktor sein. Das räumte sogar der SPD-Fraktionsvorsitzende Willy Meinicke ein, der RWO diese Rolle auch für die 40er und 50er Jahre zugestand. Jetzt aber – und das ist ja immer die eigentliche Frage gewesen – fand er, dass die Stadt alle ihre Vereine unterstützen müsse, nicht nur RWO.

Schwieriges RWO-Stadt-Verhältnis

Aber man könne sich ja mal unterhalten, bemerkte er in einem Nebensatz. Dieser war sehr wichtig, denn das Verhältnis RWO-Stadt war kein gutes, vermutlich aus parteipolitischen Gründen. Maaßen war bekennender CDU-Mann und fand dort ständig Fürsprecher seines Verlangens nach städtischem Geld. Damals ging es übrigens um heute geradezu überschaubare 400 000 DM, die der Verein zum Ausgleich eines erwarteten Defizits in der ersten Saison der Regionalliga West nach Vertragsspielerstatut verlangte.

Die „maßgeblichen Herren bei der Stadt“, so Maaßen, hätten angesichts der Summe „nicht gezuckt“, was nicht auf Karl Kolberg, den Vorsitzender der FDP-Fraktion zutraf: Ein Zuschuss in dieser Höhe hätte eine „Schockwirkung“, meinte er und schloss seine Ausführung mit dem schönen Satz „Alles mit Maßen, aber nicht alles für Maaßen.“

Nicht immer ein leichtes Verhältnis zwischen Stadt und RWO

Beschwerdefrei ist das Verhältnis zwischen dem nach wie vor und trotz aller Sinkflüge und Abstiege ranghöchsten Fußballklub der Stadt und der Stadtverwaltung nie geworden. Da war es mit dem Aufstieg 1969 um Zäune ums Spielfeld, dann ums Flutlicht gegangen (alles bezuschusst), und später ging es um Stadionmieten, Einnahmen aus Bandenwerbung und am Ende auch noch um eine Rasenheizung. Für die sorgte schließlich die OGM. . .

Und Werbung machen die Stadtwerber mittlerweile auch immer mal mit dem Kleeblatt. Alles gut, also?

Info: Als 1200 DM noch die Gehaltsobergrenze war

Gegen den Begriff „Profifußball“, dem in Deutschland lange Zeit ein Makel anhaftete, wehrte sich der DFB noch einige Zeit. Bis kurz vor Bundesliga-Einführung wurde ernsthaft noch die Frage erörtert, ob sich sportlicher Wettstreit und Marktwirtschaft miteinander vertrügen.

Finanzielle Grenzziehungen reizen zum Verletzen. Darum war es von Anfang an blauäugig, 1200 DM als Höchstgehalt für einen Spieler und 50 000 DM als Obergrenze für eine Ablöse zu nennen. Schon in den ersten Jahren der Bundesliga gab es Verstöße dagegen.

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