Schwimmen und Corona

Wenn ein Volkssport komplett auf dem Trockenen ist

Klaus Stella, hier mit seiner Frau Karin Stella bei den Masters in London, hat sich viele Gedanken übers Schwimmen gemacht.

Klaus Stella, hier mit seiner Frau Karin Stella bei den Masters in London, hat sich viele Gedanken übers Schwimmen gemacht.

Foto: Foto: DJK Delphin

Oberhausen.  Schwimmen hat es in Zeiten der Corona-Krise besonders schwer DJK-Bundestrainer Klaus Stella hat sich viele Gedanken gemacht.

Wassersportarten wie Schwimmen oder Wasserball leiden besonders unter der Corona-Krise. Denn wegen der Kontaktbeschränkung sind alle Bäder geschlossen und werden es womöglich noch lange sein. Schwimmer können ihrem Sport nicht nachgehen. Diese verfahrene Situation schildert Klaus Stella von der DJK Delphin Osterfeld und als DJK-Bundestrainer Schwimmen aus der Sicht eines betroffenen Fachmannes. Folgend seine Gedanken zum Thema:

„Schwimmen - was war das noch? Ein Volkssport, gesund für Kreislauf, Rücken, Gelenke, Jung und Alt. Betrieben im Wasser. Schwierig im Moment: im Meer ist es zu kalt, im Rhein zu gefährlich, in der Emscher (noch) ungesund, im Badesee verboten, im Freibad oder Hallenbad nicht möglich, weil diese seit Monaten geschlossen sind. Training, Wettkämpfe, Nichtschwimmerausbildung fallen aus.

Wartelisten für Kurse

Meiner Enkelin fehlte noch eine Übung bis zum Seepferdchen - wie gut, dass wir den versprochenen neuen Badeanzug noch nicht gekauft haben. Der wäre vor dem ersten Tragen im Wasser zu klein. Es wird wieder Wartelisten geben müssen für Schwimmkurse wenn demnächst – die Lehrschwimmbecken vielleicht nach den Sommerferien? – wieder Bäder geöffnet sind.

Schwimmtraining: das sind allein in Oberhausen mehr als 1000 Aktive, die normalerweise regelmäßig durchs Wasser pflügen. Chlor reinigt, klar, aber nur unter Wasser hält man es nicht lange genug aus.

Trockentraining ist möglich und wird fleißig praktiziert. Die Trainer und viele Aktive sind emsig bemüht, die Motivation aufrecht zu erhalten. Verteilen Übungen, erstellen Videos, halten Kontakt.

Schwieriger ist es mit der Schwimmausbildung. Seine Wasserlage verbessert man nicht auf der Gymnastikmatte oder beim Eisen biegen. Dabei hatten die Übungsleiter noch im Februar gemeinsam mit einigen Kindern an einer Schulungsmaßnahme zu neuesten Erkenntnissen der schwimmerischen Verbesserung auf Einladung der DJK teilgenommen.

An Wettkämpfe ist nicht zu denken

Wettkämpfe: nicht daran zu denken. Wie auch, ohne Training. Internationale Deutsche Meisterschaften finden nicht statt. Den eigenen zweiten Platz im letzten Jahr bei den Masters verteidigen: unmöglich. Selbst die Europameisterschaften der Masters sind abgesagt.

Bei den Jugendlichen: zum Beispiel Kevin Schiedung, unter Beobachtung für die Aufnahme in den Landeskader. Beobachten? Was denn? Qualifiziert wie sein Vereinskamerad Cem für die Fahrt nach Berlin zu den Deutschen Meisterschaften. Mitglied des DJK-Bundeskaders. Letztes Jahr erfolgreich beim internationalen Vergleichskampf in Berlin als Mitglied der DJK-Bundesauswahl, heute ziemlich gefrustet.

Die Hoffnung bleibt

Stolz war man bei der DJK SV 05 Delphin Osterfeld über die Nominierung von fünf Jugendlichen für die WM der katholischen Sportverbände im Juli 2020. Daraus wird nichts. Angesichts der Bilder des Marsches durch Beauvais (Frankreich) 2016 verständlich.

Was bleibt? Die Hoffnung, dass die Infektionslage die Öffnung der Bäder wieder möglich macht. Wobei Freibäder in Oberhausen für den Vereinssport vermutlich kaum in Frage kommen. Mit konsequenten Abstandsregeln wäre hier einiges möglich (Anm. d. Red.: laut NRW-Ministerpräsident Armin Laschet könnten Freibäder unter Auflagen am 20. Mai öffnen).

Freibäder vielleicht am 20. Mai geöffnet

In der Halle sind Abstände schwieriger zu realisieren. Jedenfalls bei Wettkämpfen. Anders dürfte das im Trainingsbetrieb aussehen: Möglicherweise reicht die Gischt- und Chlorwolke wegen der vSchwimmer manchmal Atemwegsprobleme bekommen, um Viren unmittelbar aufs Wasser zu drücken und ihnen dort den Garaus zu machen. Abstände beim Duschen und in den Umkleiden lassen sich mit realisieren. Zumal mit festen Gruppen, die schon immer Rücksicht aufeinander und Verantwortung gelernt haben.

Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass es bald weiter geht.“

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