Erste Hilfe

DRK-Arzt erklärt Beatmungs-Passus im Sport-Hygienekonzept

Die Ersthilfe-Kenntnisse können in Basiskursen beim Roten Kreuz aufgefrischt werden. Im Foto ist zu sehen, wie eine Mund-zu-Mund-Beatmung vorbereitet wird.

Die Ersthilfe-Kenntnisse können in Basiskursen beim Roten Kreuz aufgefrischt werden. Im Foto ist zu sehen, wie eine Mund-zu-Mund-Beatmung vorbereitet wird.

Foto: afp

Wittgenstein/Berlin.  „Auf die Beatmung kann ggf. verzichtet werden“, heißt es in den Konzepten vieler Vereine. Es handelt sich aber um kein Verbot. Die Hintergründe.

Der Passus zählt in den aktuell notwendigen Hygienekonzepten der Sportvereine zum Standard und beinhaltet eigentlich nichts Neues, ruft aber nicht selten Irritation hervor. „Im Falle eines Unfalls oder einer Verletzung müssen sowohl Ersthelfer als auch der Verunfallte einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Im Falle einer Wiederbelebung wird der Mund der wiederzubelebenden Person mit einem Tuch bedeckt, die Herzdruck-Massage durchgeführt und ggf. auf die Beatmung verzichtet“ – diese Vorgabe haben etliche Vereine an ihren Sportplätzen oder Turnhallen angeschlagen. Sie folgen damit einer Empfehlung des Landessportbunds.

Dazu, sich zu gefährden, kann niemand gezwungen werden

Wie bitte? Der Schutz vor Corona ist wichtiger als die lebensrettende Beatmung, die das Gros der Bevölkerung aus den Erste-Hilfe-Basisseminaren, etwa vor der Führerscheinprüfung, kennt?

So wird der Passus teilweise aufgefasst, so ist er aber nicht gemeint. Der Landessportbund hat seine Empfehlung nach Rücksprache mit dem Deutschen Roten Kreuz herausgegeben, das unabhängig von Corona im Erste-Hilfe-Kurs lehrt, dass die Ersthelfer die Atemspende nicht durchführen müssen, wenn sie nicht wollen oder können – wegen der sogenannten Ekelbarriere. „Wir können nicht eine verbindliche Empfehlung herausgeben, in der eine mögliche Gefahr für den Helfer besteht“, sagt DRK-Bundesarzt Prof. Dr. Peter Sefrin im Gespräch mit unserer Zeitung: „Es ist aber nicht gesagt, dass die Atemspende verboten ist. Jeder kann sie selbstverständlich durchführen.“ Wer im Zuge einer Ersthilfe eine Mund-zu-Mund-Beatmung durchführt, verstößt also gegen keine Verordnung.

Peter Sefrin (80, Würzburg) stellt auch klar, dass die Überlebenschancen einer hilfsbedürftigen Person, die einen Herzstillstand erlitten hat, mit Durchführung einer Beatmung größer ist. „Für die Reanimation brauchen wir Sauerstoff. Es gibt zunächst einen Rest, der sich in der Lunge befindet. Das heißt, man kann eine gewisse Zeit mit der Sauerstoff-Reserve überbrücken, die sich im Körper befindet. Bei einer längeren Reanimation ist eine Beatmung notwendig.“

Stellungnahme im Wortlaut

Im Folgenden eine ausführliche Stellungnahme des DRK im Wortlaut: „Häufigste Ursache für einen Atem- und Kreislaufstillstand, bei dem eine Wiederbelebung notwendig ist, ist der Herzinfarkt. Dabei steht das Herz still, die Lunge und auch das Blut sind in diesem Fall oft noch ausreichend mit Sauerstoff gesättigt. Dieser Sauerstoff kann aber ohne pumpendes Herz nicht ins Gehirn gelangen. Die Herzdruckmassage ist also notwendig, um den Sauerstoff ins Gehirn zu transportieren. Mit der Herzdruckmassage wird nicht nur das Gehirn, sondern auch die Herzmuskulatur versorgt, damit das Herz seine Funktion wieder aufnehmen kann. Sie muss bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes kontinuierlich durchgeführt werden.

Die Empfehlung mit dem Tuch über dem Mund der Patienten bei zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus resultiert aus der Möglichkeit, dass bei der Herzdruckmassage Luft, die sich in der Trachea (Totraumvolumen) befindet, bewegt wird und an den im Mund-Rachenraum befindlichen Coronaviren vorbei nach außen gelangen kann – das könnte theoretisch eine Infektionsquelle sein.

Bei der Ersten Hilfe steht die Sicherheit der Helfenden immer im Vordergrund, weshalb Erste-Hilfe-Ausbilder nicht eine Maßnahme empfehlen können, die die Helfenden evtl. schädigt. Das ist auch gesetzlich festgehalten: Laut Paragraf 323 c des Strafgesetzbuches muss Hilfe in der Not geleistet werden, wenn dies zumutbar und ohne erhebliche eigene Gefahr möglich ist. So wird auch bei einem Verkehrsunfall gefordert, dass zuerst der Unfallort abgesichert werden muss – um primär die helfende Person und erst danach die Verletzten zu schützen.

Einen Notruf abzusetzen und die Unfallstelle abzusichern ist weitestgehend für alle zumutbar und kann auch schon eine lebensrettende Erste-Hilfe-Maßnahme sein, ein Unterlassen wäre strafbar.

Unabhängig von Corona wird unter den oben genannten Bedingungen im Erste-Hilfe-Kurs immer gesagt, dass die Ersthelfer die Atemspende nicht durchführen müssen, wenn sie nicht wollen oder können – wegen der sogenannten Ekelbarriere. Es ist also nichts vollkommen Neues, wobei die Chancen für die betroffene Person bei Durchführung einer Atemspende größer sind.“

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