Gewalt gegen Schiedsrichter

Kornmann: „Wo keine Strafen sind, macht jeder, was er will“

Ehrungen für langjährige Schiedsrichter-Tätigkeit und zum Schiedsrichter des  Jahres stehen auf dem Programm in Krombach. Die Kreis-Vereinigung blickt auf das zu Ende gehende Fußball-Jahr 2019 zurück.

Ehrungen für langjährige Schiedsrichter-Tätigkeit und zum Schiedsrichter des Jahres stehen auf dem Programm in Krombach. Die Kreis-Vereinigung blickt auf das zu Ende gehende Fußball-Jahr 2019 zurück.

Foto: sone

Krombach.  Im Rahmen der Jahresabschlussfeier der Fußball-Schiedsrichter zieht KSA-Mitglied und Lehrwart Andreas Kornmann ein Jahresfazit.

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Lange war nur von außerhalb von gewalttätigen Übergriffen auf Schiedsrichter zu hören. Am Wochenende ist es aber auch im Fußballkreis Siegen-Wittgenstein passiert: Das Spiel in der Kreisliga B1 zwischen dem SSV Sohlbach-Buchen und der Reserve des Siegener SC wurde nach einem tätlichen Angriff auf den Schiedsrichter in der Nachspielzeit abgebrochen.

Wir unterhielten uns über die Situation im heimischen Fußball mit Andreas Kornmann, Mitglied des Kreisschiedsrichter-Ausschusses, am Rande der Jahresabschluss-Schulung der Unparteiischen im Fußballkreis Siegen-Wittgenstein.


Im Fußballkreis Siegen-Wittgenstein hat es lange Zeit nicht mehr solche Angriffe auf Schiedsrichter gegeben, von denen in letzter Zeit immer wieder außerhalb unseres Beritts zu hören war...
Andreas Kornmann: Das ist richtig. Hier war es lange Zeit einigermaßen ruhig. Spielabbrüche, wenn Mannschaften untereinander in Streit geraten, gibt es aber ab und zu schon.


Was ist bei dem Spiel am Wochenende passiert?
Soweit wir wir das mitbekommen haben, ist der Schiedsrichter bedroht und angegriffen worden. Nicht so heftig geschlagen worden, wie man das aus anderen Kreisen und anderen Landesverbänden hören und lesen musste, dass er ernsthaft verletzt wurde. Aber er ist körperlich attackiert worden.


Das war das erste Mal, dass so etwas seit langer Zeit wieder passiert ist?
Nein, wir hatten vor einigen Wochen einen Vorfall, wo ein Schiedsrichter nach dem Spiel, beim Gang in die Kabine, attackiert worden ist. Nicht von Spielern, sondern von Zuschauern.


Kann man aus diesen Vorfällen einen Trend in der Gesellschaft festmachen, oder sind das Einzelfälle?
Wir haben in der letzten Zeit häufiger davon lesen müssen. Schiedsrichter sind in den Streik getreten. In Berlin, in Köln, im Saarland. Der Vorfall im Südwesten hat ein hartes Urteil nach sich gezogen: Zwei Jahre Sperre für den Spieler, 7500 Euro Strafe für den Verein und einige Jahre Ausschluss aus dem Verbandspokal.

Aus meiner Sicht ist es richtig, insbesondere die Spieler hart zu bestrafen. Wo keine Strafen sind, macht jeder, was er will. Es ist im Moment wieder eine Phase, wo solche Fälle um sich greifen.


Gibt es eine Art Absprache, dass bei solchen Fällen hart durchgegriffen wird?
Zunächst ist es ja so, dass die Sportgerichtsbarkeit unabhängig ist. Die Sportgerichte haben einen Strafen-Katalog, dem nach oben keine Grenzen gesetzt sind. Wir haben aber schon ein paar Anregungen gegeben. Wir müssen unsere Schiedsrichter vertreten und größtmöglichen Schutz fordern.


Wo sehen Sie die Vereine gefordert?
Das ist schwierig. Da sind auch Ehrenamtliche tätig und es bleibt immer alles an einigen wenigen hängen. Der Fußballkreis hat am Anfang der Saison gelbe Westen ausgegeben, womit man als Ordner erkenntlich ist. Ab der Rückrunde wird es wohl so sein, dass der Kreis darauf achten wird, dass die Westen tatsächlich auch getragen werden. Und unsere Schiedsrichter sollen das in den Spielbericht eintragen, wenn die Westen nicht genutzt werden. Wenn es keinen interessiert und wenn keiner drauf achtet, dann schläft das schnell wieder ein.


Sie selbst sind nach wie vor als Schiedsrichter unterwegs. Wohin geht es für Sie am Wochenende?
Am Sonntag bin ich Schiedsrichter-Beobachter in der Oberliga beim Spiel zwischen Kaan-Marienborn und Gütersloh. Und wenn ich selbst pfeife, dann am liebsten in der Kreisliga B2. Dort begegnet man einem noch mit Respekt.

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