Ironman-WM

„Brutal viel Kohle“: Trzensiok fährt nicht mehr nach Hawaii

Martin Trzensiok lief zum Abschluss einen sehr flotten Marathon.

Martin Trzensiok lief zum Abschluss einen sehr flotten Marathon.

Foto: foto: NRZ

Wesel.  Für den Triathleten des Weseler TV war die zweite Teilnahme bei der Ironman-WM auch die letzte. Nach 9:49:03 Stunden beendet er die Langdistanz.

Viel Zeit verging nicht, bis Martin Trzensiok seine Beine wieder benutzen konnte, ohne die üblichen Schmerzen zu verspüren. Nach einem Ironman fällt es dem einen oder anderen ja bekanntlich schwer ein paar Schritte zu gehen oder Treppen zu steigen. Trzensiok, 45 Jahre alt und zum zweiten Mal bei der Weltmeisterschaft über die Triathlon-Langdistanz dabei, fühlte sich offenbar schnell wieder gut. „Meine Beine mögen die Hitze auf Big Island anscheinend“, sagte er. So konnte er unbeschwert den Familienurlaub auf Hawaii genießen. Und gleichzeitig Abschied von der für Triathleten legendären Insel nehmen. Denn noch einmal, so der Dinslakener, der in der Liga für den Weseler TV startet, werde er nicht nach Hawaii zurückkehren. Zum einen, weil er den Mythos der Insel bereits zweimal erleben durfte. Zum anderen, weil eine Reise zum Höhepunkt der Ironman-WM ein kostspieliges Vergnügen ist. Oder, wie Martin Trzensiok es ausdrückt: „Es ist brutal viel Kohle.“

Gegenwind drückt aufs Gemüt

Und schließlich verstehen er und seine Familie sich als Triathlon-Reisende. Sprich: Dort, wo er an den Start geht, schlägt er mit Ehefrau Daniella und seinen beiden Kindern das Urlaubs-Domizil auf. Gleich nach dem für die Ausdauer-Dreikämpfer härtesten Tag des Jahres konnte er also die Seele baumeln lassen. Entspannung nach fast zehn Stunden, in denen die Insel ihm und den mehr als 2300 Teilnehmern zeigte, dass sie zugleich Traum und Alptraum, dass sie Himmel und Hölle sein kann. „Der Wind auf den letzten 50 Kilometern…“, erinnert sich Trzensiok, und er muss eigentlich nicht viel mehr sagen. Die Luft, die ihm auf dem Rückweg der Radstrecke ins Örtchen Kailua-Kona entgegenwehte, drückte aufs Gemüt. Dabei hatte der Dinslakener sich auf seiner Zeitfahrmaschine noch zurückgehalten. „Ansonsten hätten meine Beine gebrannt, und ich hätte den Marathon nicht mehr laufen können.“

Vor allem ganz sicher nicht in dieser Geschwindigkeit. In 3:15 Stunden spulte Trzensiok die 42,195 Kilometer ab - das ist ein Schnitt von knapp 13 Stundenkilometern. Das Tempo konnte er halten, weil er auf dem letzten Abschnitt unverhofft Hilfe erhalten hatte: „Ein Italiener mit der Figur eines typischen Marathon-Läufers war direkt vor mir. Ich bin dicht an ihm dran geblieben und habe mich mitziehen lassen“, erinnert er sich. Im Ziel bedankte er sich bei seinem Pace-Maker, ohne den er diese Top-Zeit wohl nicht hätte schaffen können. Nach 9:49:03 Stunden war sein Rennen vorbei. In ihm: Ein Glücksgefühl, wie man es sich kaum vorzustellen vermag.An der Finish-Line war dann auch vergessen, wie sein Tag auf Big Island begonnen hatte. „Das Schwimmen vergeige ich immer“, sagt er lachend - wissend, dass die ersten zwei der insgesamt 3,86 Kilometer durch den Pazifik eine Höllenqual für ihn waren. „Ich war froh, als der Teil endlich vorbei war.“

Nach Klagenfurt im Juli

Zwei Tage gönnte er sich nach insgesamt fast zehn harten Stunden Erholung auf Big Island, dann startete für Familie Trzensiok das Insel-Hopping im Ferien-Paradies. Ein letztes Mal. Das bedeutet aber nicht, dass der Dinslakener seinem liebsten Hobby den Rücken kehrt. Die nächste Langdistanz ist bereits im Kalender - und natürlich auch in den Reiseplänen der Familie - vermerkt. Am 5. Juli wird Martin Trzensiok in Klagenfurt an den Start gehen.

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