DFB-Pokal-Halbfinale

Karriere-Highlight des Timm Golley im Geister-Modus

Timm Golley brachte Schwung ins Pokal-Viertelfinale seines 1. FC Saarbrücken gegen Fortuna Düsseldorf. Am Mittwoch hätte der ehemalige PSV-Kicker eigentlich im Halbfinale gegen Bayer 04 Leverkusen auflaufen sollen, wenn die Corona-Krise nicht wäre.

Timm Golley brachte Schwung ins Pokal-Viertelfinale seines 1. FC Saarbrücken gegen Fortuna Düsseldorf. Am Mittwoch hätte der ehemalige PSV-Kicker eigentlich im Halbfinale gegen Bayer 04 Leverkusen auflaufen sollen, wenn die Corona-Krise nicht wäre.

Foto: imago sport / Sportfoto Rudel

Wesel.  Der Dinslakener und ehemalige Kicker des PSV Lackhausen, Timm Golley, wartet mit dem 1. FC Saarbrücken auf den Höhepunkt seiner Karriere.

Fußballer-Weisheiten besitzen grundsätzlich das Potenzial, ein Phrasenschwein mit fünf Euro zu füllen. Beste Kandidaten dafür sind, dass der Pokal „immer wieder besondere Geschichten schreibt“ oder „eigene Gesetze besitzt“. In dieser DFB-Pokal-Saison trifft dies aber mehr denn je zu. Zum einen steht mit dem 1. FC Saarbrücken erstmals ein Regionalligist im Halbfinale, zum anderen werden die noch ausstehenden Partien die wohl ungewöhnlichsten in der Pokal-Historie. Und mittendrin Timm Golley, in der Jugend Fußballer bei SuS 09 Dinslaken und später für zwei Spielzeiten beim Landesligisten PSV Lackhausen. Beim 29-jährigen müsste derzeit normalerweise das Pokalfieber in ungeahnte Höhen schnellen, denn das Halbfinale seines 1. FC Saarbrücken gegen den Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen war für angesetzt. Doch statt sich auf den Karriere-Höhepunkt vorzubereiten, sitzt Golley wegen der Corona-Krise zu Hause in Duisburg-Walsum bei seiner Freundin Julia.

Seit mehr als fünf Wochen besteht mittlerweile die Trainingspause des 1. FC Saarbrücken. Zuvor hatte der Regionalliga-Tabellenführer beim FC Astoria Walldorf mit 0:1 verloren. Allerdings eher wenig überraschend, lieferte sich das Team von Timm Golley doch gerade mal fünf Tage zuvor einen 7:6 (1:1)-Pokalkrimi gegen den Bundesligisten Fortuna Düsseldorf. Der ehemalige PSV-Kicker war nach 80 Minuten eingewechselt worden, setzte einige Akzente, verschoss allerdings auch einen Elfmeter. Zusammen mit dem Gros der 6800 Zuschauer im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion feierte er am Ende aber die große Pokal-Party.

Timm Golley: „Das ist schon der Wahnsinn“

Und nun Bayer 04 Leverkusen, aber wann und wie? Ein neuer Termin steht noch nicht fest. „Wenn die Bundesliga am 9. Mai wieder startet, dann wird das ganz schnell gehen“, vermutet Timm Golley. Da auch die Erstligisten bei einer Wiederaufnahme der Saison allein „Geisterspiele“ absolvieren, wird es den Pokal-Begegnungen kaum anders ergehen. „Ein Halbfinale ohne Fans, das ist schon der Wahnsinn. Irgendwie bekommt das dann einen Freundschaftsspiel-Charakter“, meint der 29-Jährige.

Eventuell Berlin – und dann ohne Zuschauer

Timm Golley hat aber vollstes Verständnis dafür, dass der Fußball auf das reagieren muss, was die Politik vorgibt. Er glaubt, dass ohne Zuschauer die sowieso nur geringe Chance auf einen Finaleinzug des Regionalligisten noch einmal geschmälert wird. „Für uns war dieses Stadion mit unseren Fans ein kleiner Vorteil.“ Auf die stimmungsvolle Kulisse wird der 1. FC Saarbrücken verzichten müssen. „Trotzdem werden wir alles versuchen, die Pokal-Geschichte mit den Sensationen weiterzuschreiben“, verspricht der Dinslakener. Das große Ziel heißt Berlin, allerdings auch mit ein wenig Bauchschmerzen. „Wenn man einmal in seinem Leben das Finale in Berlin erreicht, und dann ohne Zuschauer spielen muss . . .“

Mit individuellen Plänen von Trainer Lukas Kwasniok hat sich der Profi des 1. FC Saarbrücken zuletzt in der Heimat fit gehalten. Jeden Tag einen Lauf sowie Stabilisations- und Kraftübungen standen auf dem Programm. Arbeiten mit dem Ball – Fehlanzeige, da kein Garten zur Verfügung steht. Doch ab dem heutigen Mittwoch kehrt ein kleines bisschen Normalität in das Profi-Dasein des Timm Golley zurück, der sich am Dienstag wieder auf den Weg ins Saarland begeben hat. Mit einer Ausnahmegenehmigung darf der 1. FC als einziger Regionalligist in Kleinstgruppen auf den Trainingsplatz. „Man sitzt da schon auf heißen Kohlen“, räumt der Dinslakener ein. Die Zeit ohne Ball ist nun endlich vorbei.

Timm Golley darf wieder auf den Trainingsplatz

Die Ausnahmegenehmigung erfolgte aufgrund der Pokalerfolge. „Durch den Einzug ins Halbfinale sind wir vom DFB als Profi-Mannschaft eingestuft worden“, erzählt Timm Golley. Allerdings steht der Pokalgegner Bayer Leverkusen bereits seit Anfang April wieder auf dem Platz. In Saarbrücken werden die Einheiten in Vierergruppen absolviert. Natürlich ohne den sonst übliche Körperkontakt. „Ich bin auch mal gespannt, wie ein Training so ohne Zweikämpfe überhaupt funktioniert“, so Timm Golley.

Immerhin ein erster Schritt in diesen schwierigen Zeiten. Mit vielen Spielen in der aktuellen Saison rechnet der Ex-PSV-Kicker nicht mehr – wenn es optimal läuft, maximal zwei. „Meiner Meinung nach muss die Regionalliga-Saison abgebrochen und nach der Hinrunden-Tabelle gewertet werden“, erläutert Golley. Dann wäre das eigentliche Saisonziel des 1. FC Saarbrücken erreicht, Aufstieg in die 3. Liga. Alles andere ist Zubrot – vermutlich in ganz komischer Atmosphäre.

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