Leichtathletik

Läufer hoffen bei der Coronavirus-Krise auf den Faktor Zeit

Die Verantwortlichen von GW Flüren wollen ihren bereits abgesagten Halbmarathon nicht zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.

Die Verantwortlichen von GW Flüren wollen ihren bereits abgesagten Halbmarathon nicht zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.

Foto: Markus Weissenfels/FFS

Am Niederrhein.  GW Flüren hat seinen Halbmarathon am 3. Mai abgesagt. Wir fragen nach, wie es mit den anderen Laufveranstaltungen bis Anfang Juli aussieht.

Jogging erfreut sich in Zeiten der Coronavirus-Pandemie mit den einhergehenden Einschränkungen immer größerer Beliebtheit. Allerdings dürfen die Runden maximal in Zweier-Gruppen gedreht werden. Viele Athleten, die sich auf diese Weise fit halten, möchten sich auch mal wieder mit anderen messen – im großen Pulk eines Citylaufs auf die Strecke gehen. Doch damit sieht es mindestens bis zum Sommer wenig vielversprechend aus. Die NRZ beleuchtet die Situation bei den hiesigen Wettkämpfen in den nächsten gut drei Monaten. Einige setzen auf den Faktor Zeit, rechnen allerdings selbst nicht damit, dass die Veranstaltung zum ursprünglichen Termin noch durchzuführen ist.

Bereits die Reißleine hat GW Flüren gezogen und den für den 1. Mai geplanten 44. Halbmarathon abgesagt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Veranstaltung sahen sich die Grün-Weißen zu diesem Schritt gezwungen. „Das heißt aber nicht, dass wir den Wettbewerb jetzt beenden“, sagt Vorsitzender Wolfgang Hansen, der auch viele Jahre Leiter der Leichtathletik-Abteilung war. 2018 hatten die Flürener den Nikolaus-Crosslauf auch aufgrund fehlender Helfer abgesagt – und dies für immer. „Aber jetzt haben wir genügend Helfer, die Tischtennis-Abteilung hilft uns“, so Hansen.

„Ich sehe für alle sportlichen Aktivitäten in diesem Jahr schwarz“

Da bis zur Absage nur 30 Anmeldungen eingegangen waren, erwiesen sich die Rücküberweisungen auch nicht als so problematisch. „Ich gehe in finanzieller Hinsicht nicht von großen Einbußen aus, natürlich fehlt ein bisschen Geld“, sagt Leichtathletik-Abteilungsleiter Wolfgang Heyden. Für ihn ist die Ansteckungsgefahr bei Großveranstaltungen einfach viel zu groß. „Ich sehe für alle sportlichen Aktivitäten in diesem Jahr schwarz“, befürchtet der Flürener Grün-Weiße.

Die Anmeldemöglichkeiten (bisher 34 Starter) für den 37. Schermbecker Volks- und Straßenlauf am 3. Mai haben die Organisatoren des SV Schermbeck vor einer Woche ausgesetzt. Eine endgültige Absage erfolgte bisher noch nicht. In dieser Woche wollen sich die Verantwortlichen telefonisch beraten, ob eine Durchführung realisierbar ist. „Meine persönliche Meinung: Der Lauf wird nicht stattfinden“, sagt Carsten Klein-Bösing, Pressewart der Leichtathletik-Abteilung. Gedanklich durchgespielt haben die Schermbecker einen Alternativtermin. In den Halbmarathon am 13. September könnten sie die Läufe über zehn und fünf-Kilometer einbinden sowie die Bambini über 350 Meter starten lassen.

Allerdings finden an diesem Tag auch die Kommunalwahlen in NRW statt. „Es könnte deshalb schwierig werden, eine Genehmigung durch die Gemeinde zu bekommen“, so Klein-Bösing. Die komplette Absage des Volks- und Straßenlaufs in diesem Jahr wäre finanziell wohl kein Beinbruch. „Das dürfte kein großes Loch in unser Budget reißen“, meint der Pressewart und fügt hinzu: „Sport ist nicht überlebenswichtig.“

Lauffreunde HADI Wesel rechnen mit rund 500 Euro Verlust

Der 13. Moonlightlauf und der 2. Esel-Walk der Lauffreunde HADI Wesel am 22. und 23. Mai stehen ebenfalls auf der Kippe. Für den Moonlightlauf waren schon 126 und den Esel-Walk vier Anmeldungen eingegangen, ehe diese Möglichkeit unterbunden wurde. Für den 14. April hatte der Verein eine Vorstandssitzung vorgesehen, die nun zu einer Telefon-Konferenz mit einer endgültigen Entscheidung wird. „Ich glaube nicht, dass wir die Veranstaltungen durchführen werden“, sagt HADI-Vorsitzender Dieter Kloß.

Er hält auch nichts davon, einen neuen Termin später im Jahr zu finden. „Alles in den Herbst zu verschieben, das bringt doch auch nichts“, so Kloß. Bei einer Absage deutet also viel darauf hin, dass es erst 2021 wieder entlang der beleuchteten Strecke am Auesee geht. Mit rund 500 bis 600 Euro Kosten, auf die der Verein letztlich sitzen bleibt, rechnet der Vorsitzende. „Daran wird der Verein nicht kaputt gehen, wir haben noch Reserven.“

Erst sechs Staffeln haben ihre Startzusagen zum 24. Dreiwiesellauf des Weseler TV am 7. Juni gegeben. „Unsere Vorbereitungen laufen ein wenig mit angezogener Handbremse“, beschreibt Dieter Jantz den Stand der Planungen. „Spätestens Mitte Mai“, so der Leichtathletik-Abteilungsleiter, wollen sich die Verantwortlichen abschließend mit Austragung oder Absage beschäftigen. Bei Anfragen zum Dreiwiesellauf und einer Anmeldung verzichtet Dieter Jantz auf die sonst übliche Direkt-Überweisung. Die Gebühr kann auch am Veranstaltungstag entrichtet werden.

TuS Drevenack will nach dem 20. April entscheiden

Mit einer grundsätzlichen Absage kann sich der Abteilungsleiter nicht so recht anfreunden, er zieht eher eine Verschiebung vor. Schließlich soll 2021 mit dem 25. Lauf ein Jubiläum gefeiert werden. „Zudem rechnet die Leichtathletik-Abteilung natürlich schon mit den Einnahmen aus dem Dreiwiesellauf“, so Jantz.

Die Anmeldemöglichkeiten zum 17. Drevenacker Abendlauf am 3. Juli hat die TuS noch nicht gestoppt – 128 Interessenten haben sich registriert. „In den letzten 14 Tagen war dies aber niemand mehr. Wenn eine größerer Gruppe kommt, werden wir aber auch aussetzen“, kündigt Manfred Franz von der für den Abendlauf zuständigen TLT-Abteilung an. Ab dem 20. April soll es eine „zeitnahe Entscheidung geben“ (Franz), ob der Lauf überhaupt am 3. Juli stattfinden kann.

Im Vorstand wurden auch schon Gedankenspiele angestellt, eventuell auf den 4. September zu verlegen. „Das wäre wohl der einzig mögliche Ausweichtermin“, meint Manfred Franz. Einer Komplettagsage in 2020 wollen die Drevenacker möglichst entgehen. Auch aus finanziellen Gründen. „Ein Jahr ohne Abendlauf würde ein ziemliches Loch reißen, das würde sich schon bemerkbar machen. In den vergangenen Jahre haben wir immer einen höheren vierstelligen Betrag erwirtschaftet“, so Manfred Franz.

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