Volleyball

Luisa van Clewe ist auf dem Weg zu einer ganz Großen

Das ist schon ein Höhen-Unterschied: Luisa van Clewe im Dress des BSV Ostbevern gegen ihren ehemaligen Verein BW Dingden mit Lena Priebs (links) und Maike Schmitz. Zum Saisonauftakt Mitte September hatten die Blau-Weißen das Team aus Ostbevern mit 3:2 bezwungen.

Das ist schon ein Höhen-Unterschied: Luisa van Clewe im Dress des BSV Ostbevern gegen ihren ehemaligen Verein BW Dingden mit Lena Priebs (links) und Maike Schmitz. Zum Saisonauftakt Mitte September hatten die Blau-Weißen das Team aus Ostbevern mit 3:2 bezwungen.

Foto: Markus Weissenfels/FFS

Hamminkeln.  Luisa van Clewe befindet sich in Quarantäne wegen Corona in Ostbevern – nur ein kurzer Stopp der gebürtigen Dingdenerin auf der Erfolgsleiter.

Augenblicklich ist sie auf Eis gelegt. Wie vielen Sport-Assen ergeht es in diesen Tagen auch Luisa van Clewe. Die 17-jährige Vollblut-Volleyballerin darf keine Außenkontakte wahrnehmen. Nicht, weil der Lockdown auch von ihr einen Verzicht auf Sport einfordern würde, sondern weil sie sich in häuslicher Quarantäne befindet. Beim Zweitligisten BSV Ostbevern, der eigentlich spielen darf und für den die gebürtige Dingdenerin seit diesem Sommer aufläuft, gab es im Umfeld gleich mehrere Corona-Infektionen. Auch wenn Luisa van Clewes Tests sämtlichst negativ ausgefallen sind, muss die hochtalentierte Spielerin noch einige Tage daheim bleiben. Für Luisa van Clewe so etwas wie die Höchststrafe. „Das ist schon ein bisschen arg langweilig”, sagt sie. „Ich bin froh, wenn ich wieder zurück in die Halle darf.”

Immerhin gestatten ihr die Coronafälle in ihrem Klub und die damit verbundene Sportpause endlich mal wieder einen längeren Besuch bei ihren Eltern in Dingden. Denn nachdem sie zunächst den Sprung in den Kader des Westdeutschen Volleyball-Verbandes (WVV) geschafft hatte, wechselte sie vor zwei Jahren ins Sportinternat an den Bundesstützpunkt in Münster – da war sie gerade mal 15 Jahre alt – und darf seit diesem Sommer mittels des Zweitspielrechts für den Zweitligisten im nicht allzu weit entfernten Ostbevern baggern, pritschen und schmettern. Die großgewachsene Volleyballerin macht derzeit – so nennt man das wohl – eine erzwungene Pause für die nächsten Schritte auf der Karriereleiter.

„Das war ein Sprung ins kalte Wasser“

Ihr nicht mehr ganz so neues Daheim, das ist demnach schon lange nicht mehr ihr Elternhaus, sondern ein geräumiges Ein-Zimmer-Apartment nebst Gemeinschaftsraum und großer Küche in der Stadt, wo auch der mehrfache deutsche Meister USC Münster beheimatet ist. Dort, wo sie mit rund 30 weiteren Jungen und Mädchen aus unterschiedlichsten Sportarten eine Förderung – sportlich wie schulisch – der besonderen Art genießt, darf sie im Moment nicht sein. Aber das nur einige wenige Tage. „Das Leben dort im Internat hat mir geholfen, schnell selbstständig zu werden”, sagt die junge Sportlerin, die den vorzeitigen Abnabelungsprozess bislang problemlos hinbekommt. „Ich musste mich von Beginn an besser organisieren und einfachste Dinge wie kochen oder Wäsche waschen eben selbst erledigen. Das war ein Sprung ins kalte Wasser.”

Mittlerweile seltener Gast bei BW Dingden

Die Trennung von Familie und Freunden fiel nicht nur wegen dieser elementaren Erfahrungen am Anfang schwer, ist aber mittlerweile längst verdaut. Im ersten Jahr spielte sie noch für ihren alten Verein BW Dingden, wie Ostbevern Zweitligist, heute führt ihr Weg nur noch selten in die Heimat. Es ist ganz einfach zu stressig angesichts ihres Wochenprogramms, das vor allem an den Wochenenden Spiele sowohl mit dem BSV als auch mit der Auswahl des VC Olympia Münster, die in der 3. Liga spielt, vorsieht. Wenn die Dinge normal laufen, und nicht wie in der Corona-Krise alles auf den Kopf gestellt wird. „Ganze zwei Spiele meiner ehemaligen Mannschaft habe ich in der abgelaufenen Saison sehen können”, sagt sie, die nicht verhehlt, hin und wieder auch schon mal Heimweh zu verspüren. „Insofern nutze ich die wenige Zeit intensiv, wenn ich in der Heimat bin.”

Eines ist klar: Die junge Mittelblockerin gehört in ihrer Sportart in NRW, und vielleicht sogar bundesweit, zu den größten Talenten auf dieser Position. Das gilt sowohl für ihr sportliches Potenzial, als auch für ihre Körpergröße. 1,93 misst die 17-jährige Luisa van Clewe und übertrifft damit sogar ihre Vorgängerin Wiebke Silge. „Das ist auf meiner Position schon mal sehr hilfreich”, sagt sie. Und möglicherweise kommen da noch ein, zwei Zentimeter dazu. Das ist mehr als ein großes Versprechen für die Zukunft.

Einladung zur U-19-Nationalmannschaft

In Ostbevern, wo auch ihre Eltern hin und wieder auftauchen, um sie spielen zu sehen, haben sie das längst mitbekommen. Und auch auf der nächsthöheren Ebene. Im August nämlich war das Talent erstmals zur U-19-Nationalmannschaft eingeladen. Im Fokus stand sie schon seit Längerem, doch im Vorfeld der Jugend-Europameisterschaften flatterte plötzlich die Einladung zum Lehrgang ins Haus. „Das war echt cool”, sagt Luisa van Clewe rückblickend. „Ich habe mich rasch in die Gruppe einfinden können.” Doch dann platzten die Hoffnungen auf das erste Pflichtspiel im Dress der deutschen Mannschaft, weil dieses vermaledeite Virus auch die Austragung der EM verhinderte.

So blieb es bei einem Testmatch mit der deutschen U 19 gegen das Bundesliga-Team aus Schwerin, wo sie immerhin gegen Marie Schölzel spielen durfte. Das ist ihre Lieblingsspielerin auf ihrer Position, an der sie sich orientiert. „Ich schaue immer ganz genau hin, wenn sie spielt”, sagt Luisa van Clewe. „Vor allem, was Dinge angeht, mit denen ich Probleme habe. Dann schaue ich mir ab, wie sie das macht.”

„Ich möchte irgendwann in der 1. Liga spielen“

Aber alles, was van Clewe heute kann, hat sie einst in Dingden gelernt. Ihre Mutter spielte einst selbst in der WVV-Auswahl, der Papa „hobbymäßig”, sagt die Tochter, deren jüngere Schwester Annie nun bei BWD in ihre Fußstapfen treten möchte. „Irgendwann haben bei Luisa die Gene voll durchgeschlagen”, so Arne Ohlms, Jugendtrainer bei BW Dingden und einer der wichtigsten Förderer der jungen Athletin. Aber Volleyball und Luisa – das war keine Liebe auf den ersten Blick. Gemeinsam mit ihrer Freundin Julia ließ sie sich einst vom Dingdener Nachwuchstrainer Michael Kindermann bei einem seiner alljährlichen Schulbesuche überreden, doch mal vorbeizuschauen. „Wir haben das gemacht, aber anfangs fand ich das richtig doof”, sagt sie. Als Nachwuchsspielerin wurde sie bei den Partien der Zweitligamannschaft als Ballmädchen eingesetzt. „Das war erst richtig langweilig, als ich von dem Sport nichts verstand”, erzählt sie. Heute hat sie einen ganz anderen Blick auf die Dinge.

Keine Frage: Luisa van Clewe lernt noch. Aber sie lernt auf hohem Niveau, und sie lernt rasch. Und die hohe Belastung aus Schule, Training und Spielen macht ihr nicht viel aus. Allerdings ist das Coronavirus mit der augenblicklichen Zwangspause schon so ein bisschen ein Motivationskiller. Immerhin: Die Schulnoten sind gut, im kommenden Jahr will sie ihr Abitur bauen. Und danach? „Mal schauen, wohin die Reise geht”, sagt die 17-Jährige, die zwei große Ziele verfolgt. „Ich möchte sehr gern Psychologie studieren”, sagt sie. „Und ich möchte irgendwann in der 1. Liga spielen.” Verein weitgehend egal. Und sollte das weit weg von daheim sein, auch kein Problem. „Klar ist Dingden meine Heimat, aber ganz sicher werde ich nach dem Abitur nicht zurückkehren.” Klingt danach, als könne sie das Ende der Quarantäne kaum abwarten, um die Welt zu erobern.

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