Triathlon

Mareen Hufe und das Schwimmtraining auf der Terrasse

Mit dem Fahrrad auf Rollen trainieren: Für Mareen Hufe demnächst wohl ein gewohntes Bild, sollte es Ausgangssperren geben.

Mit dem Fahrrad auf Rollen trainieren: Für Mareen Hufe demnächst wohl ein gewohntes Bild, sollte es Ausgangssperren geben.

Foto: UM

Wesel.  Die Profi-Triathletin Mareen Hufe hat eine Ausgangssperre schon hinter sich. Auf Fuerteventura trainierte sie auf der Terrasse, sogar Schwimmen.

Als Mareen Hufe vom Flughafen Köln ins heimische Wesel chauffiert wird, blickt sie verwundert aus dem Fenster. Die Profi-Triathletin hat diese Bilder länger nicht gesehen. „Das war ganz komisch, Fahrradfahrer auf der Straße zu erleben“, erzählt die 41-Jährige. Sie ist eine Ausgangssperre gewohnt. Eigentlich hatte die Weselerin einen siebenwöchigen Aufenthalt mit Training und arbeiten im Home-Office auf der spanischen Insel Fuerteventura mit anschließendem Wettbewerb geplant. Doch das Coronavirus macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Seit dem vergangenen Sonntag hat die spanische Regierung quasi „Hausarrest“ angeordnet, also bricht Mareen Hufe ihren Aufenthalt rund eine Woche früher ab, kehrt in die Hansestadt zurück. Wie alle Sportler weiß auch sie nicht, was dieses Jahr überhaupt noch möglich ist.

Zusammen mit Trainerin Ute Mückel hat sich Mareen Hufe am 6. Februar auf die kanarische Insel begeben. Die Grundlagen für die kommende Saison sollen gelegt werden. Nicht wie in einer Art Trainingslager, sondern mit den ganz normalen beruflichen Verpflichtungen und den Übungseinheiten. Letztere verlaufen richtig gut. „Alles war verletzungsfrei, ich habe mich richtig auf die neue Saison gefreut“, sagt die mehrmalige Starterin beim Ironman auf Hawaii. Seit Dezember legt Mareen Hufe verstärkt wert auf das Krafttraining. „Mit zunehmenden Alter ist das wichtig, um Verletzungsprophylaxe zu betreiben und auch die Muskeln zu erhalten“, verdeutlicht sie.

Auf einer 700-Meter-Runde 30 Kilometer gelaufen

Zu Beginn des Fuerteventura-Aufenthalts befindet sich die Coronavirus-Krise auch noch in weiter Ferne. Doch sie kommt von Tag zu Tag immer näher. Spätestens am vergangenen Samstag entwickeln sich die Zeichen immer mehr in Richtung Ausgangssperre. „Da hat sich das schon abgezeichnet, dass mein Lauf über gut eineinhalb Stunden wohl der letzte draußen sein würde“, so Mareen Hufe. Ganz soll sich die Prognose nicht bewahrheiten, aber dazu später.

ie Behörden schränken die Bewegungsmöglichkeiten wie erwartet ein. Zunächst habe es danach ausgesehen, so Hufe, dass dies für die kanarischen Inseln erst ab Montag gelte. Schnell wird die Profi-Triathletin eines Besseren belehrt. Im Raddress erscheint sie zum Frühstück. Währenddessen tauchen Polizisten auf, die die Hotel- und Appartementanlage abriegeln. Zusammen mit Sebastian Kienle, Hawaii-Sieger von 2014 und seit Dezember ebenfalls auf Fuerteventura zu Gast, überlegt sich Mareen Hufe – immer den empfohlenen Abstand zum Triathlon-Kollegen wahrend – Alternativmöglichkeiten.

Noch einmal geht es für Mareen Hufe auf eine Laufstrecke. Die Wege, die innerhalb des Hotel- und Appartement-Komplexes an den jeweiligen Gebäuden entlangführen, summieren sich zu einer Runde von rund 700 Meter. Die Ausdauerspezialistin absolviert diese 43 Mal, bringt es so auf 30 Kilometer. Das ist es dann aber, ab dem Montag dürfen sich die Gäste nur noch auf dem Zimmer oder im Appartement aufhalten. Aus dieser Quarantäne machen die beiden Triathlon-Profis das Beste. Dabei hilft, dass „ich in der glücklichen Lage war, eine große Terrassen zu besitzen“, so Hufe. Ein Schwimmtrainer und Rollen für das Rad werden vom Hotel bereitgestellt. Trocken-Schwimmen auf der Terrasse – mal etwas ganz anderes.

Doch wirklichen Gefallen an der „gedrückten, aber nicht panischen Stimmung“ findet Mareen Hufe natürlich nicht. Sie buchte um. „Das war unproblematisch“, erzählt sie. Am späten Donnerstagnachmittag landet sie in Köln. Die Wettkampf-Termine bis Ende Mai, darunter auch den Ironman Brasilien, hat sie abgesagt. Und wie geht es mit dem Training weiter? „Am Freitag bin ich noch eine Runde um den Auesee gelaufen. Ansonsten lasse ich es auf mich zukommen. Meine Trainerin und ich planen von Tag zu Tag.“ Rollen für das Rad stehen im Wohnzimmer, ansonsten gibt es ein paar Hanteln. Ein Laufband will sich Mareen Hufe nicht anschaffen, in Zeiten „wegbrechender Einnahmen“ einfach zu kostspielig. Als Profi ist die 41-Jährige Einzelunternehmerin, ein „großer Anteil der Einnahmen ist leistungsbezogen“. Ohne Wettkamp, keine Leistung.

So ist Hufe heilfroh, dass sie „zweigleisig fährt“. Eben durch die halbe Stelle bei Byk. Zudem hat die Profi-Vereinigung im Triathlon ihre Prämien von zwei auf 2,5 Millionen US-Dollar erhöht und als Direkthilfe ausgezahlt. Als Maßstab gilt nicht wie üblich das Ranking am Ende des aktuellen Sportjahres, sondern noch einmal das vom Ende des vergangenen Jahres.

Bei allen derzeitigen Unwägbarkeiten sieht Mareen Hufe in dieser Krise auch eine gewisse Chance. Während ihres Laufs am Freitagmorgen habe sie viel nachgedacht. „Ich habe einen Vater mit Sohn laufen gesehen, die waren noch am Anfang der Strecke, aber schnauften schon reichlich“, erzählt sie. Doch eben neue Sachen auszuprobieren, neue Chancen zu erkennen – dies könne ein positiver Nebeneffekt der Krise sein. Auch bei Ausgehverbote, dann eben „sich online gemeinsam weiterbilden. Ich bin auf jeden Fall ein positiv denkender Mensch.“

Und jemand, der auch helfen will. Durch das fehlende Schwimmtraining habe sie auch etwas mehr Zeit. „Beim DRK habe ich mich gemeldet, um für ältere Menschen einzukaufen“, erzählt Hufe. In diesen Zeiten steht der Sport noch weniger an erster Stelle, das sieht auch eine Profi-Triathletin so.

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