Fußball

Trainer rechnen wegen des Coronavirus mit Abbruch der Saison

Auf ein gemeinsames Training werden (v.l.) Nikolaj Zugcic, Kevin Mule-Ewald und Maik Habitz vom Oberligisten SV Schermbeck wohl länger verzichten müssen. Sie erhalten jede Woche einen neuen Plan von Coach Thomas Falkowski.

Auf ein gemeinsames Training werden (v.l.) Nikolaj Zugcic, Kevin Mule-Ewald und Maik Habitz vom Oberligisten SV Schermbeck wohl länger verzichten müssen. Sie erhalten jede Woche einen neuen Plan von Coach Thomas Falkowski.

Foto: Lars Fröhlich/FFS

Am Niederrhein.  Einige Trainer stellen einen detaillierten Plan auf, andere geben frei. Einigkeit herrscht von der Oberliga bis zur A-Liga an anderer Stelle.

Die Sportanlagen liegen verwaist da, gemeinsame Trainingsaktivitäten sind auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Bis zum 19. April haben die Fußballverbände am Niederrhein und in Westfalen den Spielbetrieb aufgrund der Coronavirus-Pandemie erst einmal eingestellt. Für den Fall der Fälle, dass es also doch noch einmal mit der aktuellen Saison weitergeht, haben viele Trainer ihren Kickern Pläne zu Homeoffice-Einheiten mit auf den Weg gegeben, manche haben auch komplett darauf verzichtet. Die NRZ gibt einen Überblick, wie es von der Oberliga bis zur Kreisliga A gehandhabt wird. Je höher die Klasse, desto detaillierter auch die Anweisungen? Doch da gibt es schon Ausreißer.

Fast eine komplette Übereinstimmung herrscht bei den Übungsleitern in der Einschätzung, wie die Verbände in Sachen Saison-Fortführung oder -Abbruch entscheiden sollten. Die vage Hoffnung auf Fußballspiele noch in dieser Spielzeit besteht zwar bei fast allen, aber die realistische Einschätzung sieht dann doch ganz anders aus.

Jede Woche ein Plan beim SV Schermbeck

Den Oberliga-Kickern des SV Schermbeck hat Trainer Thomas Falkowski „ein individuelles Laufprogramm“ an die Hand gegeben. Per WhatsApp hält der 37-Jährige Kontakt zu seinen Schützlingen. „Letztlich ist natürlich jeder auf sich allein gestellt, jede Woche wird das Laufprogramm auch neu aufgelegt“, verdeutlicht der Coach. So will er zumindest eine Grund-Fitness sicherstellen, sollte die Saison in irgendeiner Art und Weise zum Abschluss gebracht werden. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Spielzeit fortgeführt wird“, räumt Falkowski ein. „Schließlich ist die Gesundheit viel wichtiger, da kommt Fußball weit hinten dran.“

PSV Lackhausen gibt bis 1. April komplett frei

Auf Fitness-Vorgaben hat Björn Assfelder hingegen komplett verzichtet. „Ich habe meinen Spielern mit auf den Weg gegeben, dass sie gesund bleiben sollen. Sie haben zwei Wochen komplett frei“, erzählt der Coach des Landesligisten PSV Lackhausen. Ab dem 1. April will er sich mit dem Thema Homeoffice-Training dann noch mal beschäftigen. „Vielleicht hat ja jemand aus der Mannschaft eine schöne Idee, wie man sich in diesen Zeiten sinnvoll beschäftigen kann.“ Einen organisierten Spielbetrieb in dieser Saison hält Assfelder für illusorisch. „Die Entwicklung mit dem Coronavirus geht in eine dramatische Richtung. Ich denke, dass wir zumindest in dieser Saison keinen Fußball mehr spielen werden.“

Eigenverantwortung für Akteure von BW Dingden

Von Trainingsplänen hat auch sein Landesliga-Kollege Dirk Juch komplett Abstand genommen. „Das Wichtigste ist, dass wir uns gesund wiedersehen. Bei der Fitness steht da jeder selbst in der Verantwortung“, erläutert der Übungsleiter von BW Dingden. Einige Videos der Kicker sind beim 53-Jährigen schon eingegangen. Sie zeigen die Blau-Weißen beim Joggen oder Klopapierrollen-Jonglieren. Eine perfekte Vorbereitung sieht natürlich anders aus, ist nach Einschätzung von Dirk Juch aber auch nicht mehr nötig: „Mein Gefühl sagt mir, dass der Ball in dieser Spielzeit nicht mehr rollt.“

Klarer Ablaufplan beim Hamminkelner SV

Michael Tyrann beschreitet einen anderen Weg. „Ich habe einen ganz klaren Ablaufplan vorgegeben, was die Spieler zu tun haben“, sagt der Übungsleiter des Bezirksligisten Hamminkelner SV. Joggen mit und ohne Ball am Fuß sowie Steigerungsläufe gehören zum Programm der HSV-Akteure in der nächsten Zeit. Denn „eine komplette Vorbereitung“ will der 41-Jährige nicht erneut in Angriff nehmen. Allerdings rechnet auch er in dieser Spielzeit nicht mehr mit Begegnungen. „Ich glaube, dass die Saison abgebrochen und annulliert wird.“

Empfehlungen beim SV Ringenberg

Beim A-Ligisten SV Ringenberg hat Dennis Reddmann eine Empfehlung an seine Schützlinge ausgegeben. „Sie sollen nicht unvorbereitet in die nächste Trainingsphase kommen, damit ich nicht komplett bei null wieder anfangen muss“, sagt der SVR-Coach. Zweimal pro Woche Joggen lautet sein Ratschlag. Dabei besitzt Reddmann eine klare Meinung bezüglich der näheren sportlichen Zukunft. „Bis zum 19. April wird nichts besser, die Saison wird abgebrochen.“

Infos über Laufapps bei BW Wertherbruch

Ebenfalls zwei Laufeinheiten pro Woche regt Rene Olejniczak an. „Über die Laufapps auf den Smartphones lasse ich mir die Zeiten schicken“, sagt der Trainer von BW Wertherbruch. Wie alle Übungsleiter sieht er Sport und Fußball „in diesen Zeiten wahrlich nicht als das Wichtigste an“. Auch beim Meisterschaftsbetrieb vertritt er eine klare Meinung: „Das ist eine absolute Ausnahmesituation, die Saison wird nicht zu Ende gespielt.“

So viel wie möglich beim SV Bislich laufen

„Laufeinheiten haben nicht viel mit Fußball zu tun, sind aber besser als gar nichts“, stellt Steffen Herden fest. Deshalb habe er „so viele wie möglich“ seinen Kickern empfohlen. Anfang April will sich der er Coach des SV Bislich wieder mit seinen Spielern in Verbindung setzen. „Aber ich weiß noch gar nicht, was ich den Jungs sagen soll“, so Herden. Eine wesentliche klarere Vorstellung hat der im Sommer aufhörende Coach bezüglich der Saison. „Sie wird nicht beendet. Denn Fußball steht genauso wie die Schützenfeste derzeit hinten an“, so Herden.

Ein wenig Joggen beim SV Brünen

„Die Welt ist stehen geblieben“, beschreibt Aycin Özbek seinen augenblicklichen Eindruck. Seine Akteure des SV Brünen sollen dies aber am besten nicht, ein bisschen Joggen fände der Trainer schon schön. „Ich habe den Jungs aber vor allem gesagt, dass sie gesund bleiben sollen.“ Mit einer grundlegenden Besserung der Coronavirus-Pandemie rechnet Özbek bis Mitte des nächsten Monats nicht. „Deshalb wird die Saison auch nicht zu Ende gespielt.“

Video-Wettbewerb beim HSC Berg

Adolf Grill hat die Phantasie der Spieler des HSC Berg gefordert. „Sie sollen sich mit dem Ball etwas einfallen lassen“, sagt der Coach. Die ihm per Video geschickten verrücktesten Sachen will er am Ende der Coronavirus-Krise prämieren. Noch gab es keine Bewerbungsvideos. Ansonsten ist jeder Kicker aufgefordert, alle zwei Tage zu laufen – mindestens eine halbe Stunde. „Ich glaube schon, dass es noch Spiele in dieser Saison geben wird, aber wahrscheinlich ist das doch eher mein Wunsch“, so Grill.

Ein „bisschen Training“ beim TuS Gahlen

Mit ein „bisschen Krafttraining und Jogging alle zwei, drei Tage“ hofft Thomas Grefen, dass die Kicker des TuS Gahlen halbwegs fit bleiben. „Individuelle Trainingspläne habe ich nicht herausgegeben“, sagt der Trainer. Er rechnet nicht damit, dass „es im Amateurbereich in dieser Saison noch Spiele gibt“.

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