Tour de France

Peter Sagan bleibt bei seiner Rekordjagd geduldig

Caleb Ewan (l.) vom Team Lotto Soudal, Peter Sagan (m.) vom Team Bora-Hansgrohe und Dylan Groenewegen (r.) vom Team Jumbo-Visma im Endspurt auf der 5. Etappe der Tour de France.

Caleb Ewan (l.) vom Team Lotto Soudal, Peter Sagan (m.) vom Team Bora-Hansgrohe und Dylan Groenewegen (r.) vom Team Jumbo-Visma im Endspurt auf der 5. Etappe der Tour de France.

Foto: dpa

Chalon-sur Saone  Peter Sagan fährt auf der Tour de France weiter im Grünen Trikot und will es beim Finale in Paris zum siebten Mal über die Ziellinie bringen.

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Es war ein Sprint deluxe auf dem breiten Boulevard des Quai Gambetta in Chalon-sur Saone gleich neben dem breiten Strom der Saone. Das Peloton nutzte die volle Breite des Boulevards. Die Sprintzüge von Deceuninck Quick Step, Jumbo – Visma, Lotto Soudal und Bora hansgrohe suchten sich ihre Gleise, um ihre schnellen Männer noch beschleunigt in das Finale zu bringen. „Ich hielt mich am Rad von Groenewegen. Dann kam rechts von mir Deceuninck und wir alle starteten unseren Sprint. Es war superschnell. Und Groenewegen und Caleb Ewan waren einfach schneller als ich“, beschrieb Sagan, der das Grüne Trikot behält, das Finale. Der Italiener Giulio Ciccone fährt weiter im Gelben Trikot.

Sagans Team ist zufrieden mit dem Tour-Verlauf

Von Enttäuschung war bei Sagan keine Spur, auch nicht im Betreuerstab. „Wir wissen, dass bei den reinen Sprints hier immer zwei, drei Mann schneller sind als Peter. Es müsste zu 110% für uns laufen oder die anderen einen Fehler machen, damit er solche Sprints gewinnt. Heute haben sie keinen Fehler gemacht. Peter war vorn dabei, er holte Punkte für das Trikot. Es ist alles bestens gelaufen“, bilanzierte Bora Sportlicher Leiter Enrico Poitschke.

Peter Sagan beweist Geduld

Fröhliche Gelassenheit herrscht derzeit im grünweißen Bus von Bora hansgrohe. Ein Grund dafür ist Geduld - die Geduld des Peter Sagan und auch die Geduld des gesamten Betreuerstabs mit ihm. Im Frühjahr schien alles noch anders. Da steckten die Nachrufe auf Sagan bereits auf den Festplatten so mancher Radsportjournalisten. Keinen einzigen Sieg bei den Klassikermonumenten gab es für den Ex-Weltmeister. Er schien kraftlos. Manche Medien attestierten ihm Lustlosigkeit. Nur er selbst wusste, was wirklich mit ihm los war. „Ich war krank. Ich habe damals viel Gewicht in nur wenigen Tagen verloren. Mein Körper litt einfach darunter“, blickte Sagan jetzt bei der Tour de France auf die vergangenen Monate zurück. Dass er ein Musterprofi war, sich trotz aller Probleme von Rennen zu Rennen schleppte, verschärfte die Situation nur noch. „Nach all diesen harten Rennen erholte sich mein Körper einfach nicht wie gewohnt, er musste sich ja auch noch von der Erkrankung erholen“, berichtete der Slowake.

Wenig hilfreich war auch, dass im Jahr zuvor seine Ehe mit Katarina Smolkova geschieden wurde, wenige Monate nur nach der Geburt des gemeinsamen Sohns Marlon. Die Ruhe, der Schutz der Familie, die Radprofis auch brauchen, gerade dann, wenn es schlecht läuft, sie war dahin.

Peter Sagan wirkt gereift

Zur Ankerfigur in seinem Leben wurde wieder Vater Lubomir. „Er kommt viel zu den Rennen. Ich glaube, ich verbringe mehr Zeit mit ihm als mit allen anderen“, scherzte Sagan. Mit einem Lachen nahm er auch wahr, wie sein Vater sich gefreut hatte nach seinem Sieg auf der 5. Etappe. Ein Video, das vom Tourorganisator ASO gepostet wurde, zeigte einen vor Glück förmlich explodierenden Lubomir Sagan. Gefragt, ob er seinen Sohn eines Tages auch so bejubeln werde, wurde Sagan wieder ernst. „Ich will meinem Sohn nicht vorgeben, was er machen soll“, sagte er.

Der einstige Witzbold des Pelotons wirkt gereift. Scherze macht er zwar noch immer. Aber vor allem zeichnet ihn eine neue Gelassenheit aus. „Es gibt gute Jahre und schlechte Jahre“, sagte er in den Tagen vor seinem Etappensieg bei der Tour. Dem Jahr 2019 hatte er bis dahin das Attribut ‚schlecht’ verliehen. Inzwischen ändert sich die Bewertung. Sagan gewann eine Touretappe. „Man muss auch warten können“, meinte er nach dem Sieg philosophisch.

Rekordjagd auf das Grüne Trikot

Er schlüpfte auch wieder in das Grüne Trikot. 111 Tage trägt er es jetzt schon – genauso lange wie der große Eddy Merckx das Gelbe trug. Auf eine Stufe mit dem Belgier will sich Sagan nicht stellen. „Das ist ein ganz anderes Trikot, eine ganz andere Leistung“, meinte er bescheiden. Zurückhaltend ist er deswegen noch lange nicht geworden. Das Grüne Trikot will er in Paris zum siebten Mal abholen. Das wäre ein absoluter Rekord – und ein Ziel, das ihn auch das schlechte Frühjahr ertragen ließ.

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