Tischtennis

Der Kalender der Tischtennis-Stars quillt im Jahr 2017 über

Nachdenklich: Bundestrainer Jörg Roßkopf.

Foto: imago sport

Nachdenklich: Bundestrainer Jörg Roßkopf. Foto: imago sport

Essen.  Tischtennis-Profis kennen das: Sie eilen von Turnier zu Turnier. Am Mittwoch beginnt die EM in Luxemburg. Was ist ein Titel noch wert?

Es ist noch keine vier Monate her, da stand Dimitrij Ovtcharov in der Düsseldorfer Messehalle und sollte über Gefühle sprechen. Bei der Heim-WM wollte Deutschlands derzeit bester Tischtennis-Spieler Weltmeister werden, nun war er im Achtelfinale ausgeschieden. Ovt­charov schwitzte noch etwas, Erschöpfung und Enttäuschung waren ihm anzusehen. Dann sagte er etwas, das in völligem Kontrast zu seinem Äußeren stand: „Ach, so schlimm ist es nicht! Im Tischtennis ist es ja so: Es geht direkt weiter.“

„Der Wahnsinn dieser Zeit“

Tischtennis-Profis kennen das. Sie eilen von Turnier zu Turnier. Doch in diesem Jahr quillt der Terminkalender über. Am Mittwoch beginnt in Luxemburg die Team-Europameisterschaft. Die deutschen Herren wollen nach zwei Finalniederlagen endlich wieder den Titel holen.

Zwischendurch spielten Ovt­charov und der Düsseldorfer Top-Star Timo Boll auf der gut dotierten World Tour und in der neuen attraktiven Asian Pacific League.

Welchen Reiz hat dann noch eine Europameisterschaft? „Das ist der Wahnsinn dieser Zeit“, sagt Bundestrainer Jörg Roßkopf. „Früher fanden EM und WM jeweils alle zwei Jahre statt, heute ist beides jährlich. Da geht der Höhepunkt-Charakter verloren.“

Hinzu komme die neue Konkurrenz von privaten Anbietern. „In diesem Jahr ist es extrem“, sagt er. Für die Spieler seien die neuen Möglichkeiten toll, aber irgendwann müssten sie sich entscheiden.

Roßkopf appelliert an die Verbände

„Sie haben eine Macht, die sie gar nicht richtig ausspielen“, findet Roßkopf und appelliert an die Verbände: „Ich würde mir wünschen, dass der alte Turnus wieder hergestellt wird. Dann könnte ich die Spieler viel besser vorbereiten.“ Anders als bei Olympia, wo Deutschland zuletzt immer als bestes europäisches Team abschnitt, fehlt für WM und EM die Vorbereitungszeit. Die Folge: Deutschland läuft hinterher, die Stars spielen die traditionellen Turniere „nebenbei“.

Geht es so weiter, droht ein Szenario wie jüngst im Tennis: Dort sagten deutsche Stars wie Alexander Zverev für den prestigeträchtigen Davis Cup ab. „Es ist sehr enttäuschend, dass Spieler, wenn es um die Nation geht, nicht mehr teilnehmen“, sagt Roßkopf, „für mich war es immer eine Ehre, für mein Land spielen zu dürfen.“ Aber im vollen Kalender verlieren die Turniere an Wert. Für den Bundestrainer sei es wichtig, über die Tradition einen Reiz zu setzen. Im Golf klappt das. „Da fahren die Spieler voller Stolz zum Ryder Cup – obwohl sie dafür nicht einmal Geld bekommen.“

Zum EM-Auftakt gegen Spanien

Am Ende hängt viel von den Spielern ab. Bleiben sie weg, sinken die Zuschauerzahlen. Die deutschen Profis musste Jörg Roßkopf nicht groß überzeugen – ihr Start in Luxemburg sei selbstverständlich. Für sie ist der Reiz, EM-Sieger zu sein, noch groß genug. Zum Auftakt geht es am Dienstag (13 Uhr) gegen Spanien, Sonntag ist das Finale. Roßkopf: „Der Plan ist, um 17 Uhr das Endspiel zu bestreiten und am Montag als Europameister weiterzufliegen.“ Nach Asien. Zum nächsten Turnier.

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