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Schluss mit Ferrari: Für Sebastian Vettel war es an der Zeit

Tschüss, das war's: Sebastian Vettel wird Ferrari nach dieser Saison verlassen

Tschüss, das war's: Sebastian Vettel wird Ferrari nach dieser Saison verlassen

Foto: Getty

Essen  Zur Formel 1 gehört auch immer eine große Dosis Pathos. Den Wunsch nach einem zweiten deutschen Ferrari-Märchen konnte Vettel nicht erfüllen.

Das offizielle Statement zur Trennung am Jahresende kam diesmal ohne große Dramatik aus. „Meine Beziehung zur Scuderia Ferrari endet Ende 2020", ließ Sebastian Vettel mitteilen. "Das Team und ich haben gemerkt, dass es nicht mehr den gemeinsamen Wunsch gab, über das Ende dieser Saison zusammenzubleiben." Geld habe keine Rolle gespielt, betont der viermalige Formel-1-Weltmeister. "So denke ich nicht, wenn es darum geht, bestimmte Entscheidungen zu treffen, und das wird auch niemals so sein.“

Aber Erfolglosigkeit in den Maßstäben von Ferrari. 101 Grand Prix fuhr der 32-jährige Heppenheimer in fünf Jahren für die Scuderia. Titel? Fehlanzeige. Lediglich 14 Siege stehen in der Bilanz. Und ein geplatzter Traum von einem zweiten deutschen Motorsport-Märchen.

Zur Formel 1 gehört immer eine gehörige Dosis Pathos. Die Geschwindigkeit, die Auseinandersetzung mit dem Tod, der Sieg gegen die Natur - das ist Stoff, aus dem Filme und Bücher produziert werden. Und Ferrari war der Rohstoff, aus dem all das gemacht werden kann.

Mythos Michael Schumacher

Michael Schumacher hat daraus einen modernen Mythos erschaffen. Der heute 51-Jährige raste von Sieg zu Sieg, von Titel zu Titel, stellte Rekorde auf und machte die Formel 1 in Deutschland zum Quotenbringer. Das Ende ist an Tragik nicht zu überbieten. Michael Schumacher ist heute nicht mehr greifbar, kann von seinen Erfolgen nicht mehr berichten. Nur die Erinnerungen leben weiter.

Sebastian Vettel wagte 2015 dennoch den Schritt zu Ferrari . Nach vier WM-Titeln mit Red Bull fühlte sich Vettel bereit, dorthin zu gehen, wo aus Formel-1-Fahrern Legenden werden. Red Bull steht trotz aller sportlichen Erfolge immer noch für ein Dosengetränk. Ferrari steht für Motorsportgeschichte, für große Erfolge, für Michael Schumacher.

Enormer Druck in der vergangenen Saison

Welch Druck muss auf dem Heppenheimer in der vergangenen Saison gelastet haben? Mit dem jungen Charles Leclerc bekam er teamintern Konkurrenz. In den Rennen reihten sich die Fehler, während Lewis Hamilton im Mercedes unaufhörlich seinem sechsten WM-Titel entgegenraste. Die Saison geriet zur Nervenschlacht, zur Qual. Die Fans wurden ungeduldig, genauso wie sein Arbeitgeber. Und schließlich: Der Mythos, die Leidenschaft, die Liebe drohte zu erkalten. Statt Märchen, statt Erlösung sollte auch diese Saison allenfalls einen Cliffhanger bringen.

Den gibt es jetzt in der Form, dass Vettel wieder im Ferrari Platz nehmen wird, sollte die Saison tatsächlich Mitte Juli in Österreich fortgesetzt werden. Wie wird die Zusammenarbeit mit Ferrari, vor allem die mit dem talentierten Franzosen Leclerc ablaufen? Und was wird Vettel danach machen? Gerüchte gibt es um einen Wechsel zu McLaren. Michael Schumacher startete einst einen Comeback-Versuch bei Mercedes. Drei Jahre war Schumacher bei den Silberpfeilen, einen achten Titel holte er nicht.

Für die Fans steht fest, dass es lange kein rotes Motorsport-Märchen mehr geben wird. Vielleicht muss man den Mythos Mythos sein lassen. Für Sebastian Vettel jedenfalls war es an der Zeit, die Beziehung zu beenden.

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