Handball

Tusem allein zu Haus - trotzdem sollen erste Punkte her

Essen.  Die Essener Handballer bestreiten Sonntag ihr erstes Bundesliga-Heimspiel. Gegen den HBW Balingen-Weilstetten müssen sie punkten – ohne Fans.

Dennis Szczesny kann sich noch sehr gut erinnern an einige der Einträge, die er einst in die Freundschaftsbücher seiner Grundschulkameraden schrieb. Er erinnert sich nicht mehr an die Lieblingsfarbe oder das Lieblingsessen. Aber noch ganz genau an die Worte, die er in die Rubrik „Wünsche“ kritzelte: „Ich möchte Bundesliga-Handballspieler bei Tusem Essen werden.“

Dennis Szczesny ist heute 26 Jahre alt, 1,96 Meter groß, gefühlt genauso breit, und nun einer, der seine Träume aus Grundschulzeiten verwirklicht hat. Der Rückraumspieler aus Dinslaken ist angekommen in der „stärksten Liga der Welt“, wie sich die Handball-Bundesliga selbst bewirbt. Im Trikot jenes Turn- und Sportvereins Essen-Margarethenhöhe. Am Sonntag folgt das dritte Spiel in der noch jungen Saison, der Tusem empfängt den HBW Balingen-Weilstetten (16 Uhr/Sky). Es ist das erste Heimspiel des Aufsteigers, die ursprüngliche Premiere gegen Frisch Auf Göppingen am 1. Oktober musste verlegt werden, weil die Beleuchtung in der Essener Sporthalle Am Hallo nicht den Anforderungen des übertragenden Senders Sky genügte. Nun aber ist alles bereitet, der Tusem spielt nach sieben Jahren Zweitklassigkeit wieder ein Bundesligaspiel in Essen.

„Da steht Johannes Bitter im Tor!“

Das erste Heimspiel – es ist gleich ein wegweisendes. War das erste Ligaspiel beim TVB Stuttgart (23:31) noch von Nervosität durchzogen, gestaltete sich der folgende Auftritt bei den Rhein-Neckar Löwen (27:33) am vergangenen Sonntag schon souveräner, 40 Minuten lang konnten die Essener die Partie ausgeglichen gestalten. „Gegen Stuttgart war man sogar noch etwas angespannter, weil man weiß: Da steht Johannes Bitter im Tor!“, erinnert sich Szczesny lachend. Der Torwart der Nationalmannschaft und Weltmeister von 2007 brachte die Essener dann auch durch seine Paraden zur Verzweiflung, gegen Nationalmannschafts-Kapitän Uwe Gensheimer und Weltklasse-Spielmacher Andy Schmid von den Löwen sah es wenige Tage darauf in Mannheim schon anders aus. Und nun gegen Balingen? „Da wollen wir den ersten Sieg. Wir müssen punkten, um die Klasse zu halten“, sagt Szczesny. Denn die Tübinger gehören unter den 20 Bundesligateams zu jener Kategorie, gegen die der Tusem gewinnen muss, um sich auch in der kommenden Saison weiter Bundesligist nennen zu dürfen. Bei vier Absteigern ist das eine immense Herausforderung.

Eine weitere Herausforderung in dieser Corona-Krisen-Saison: das Auflaufen vor wenigen Zuschauern. „Das ist schon merkwürdig. Wir spielen in Mannheim vor vereinzelten Fans. In einer Halle, in der sonst im Schnitt über 8000 Zuschauer dabei sind. Bei der Ankunft fühlte es sich an wie vor einem Trainingsspiel, erst nach und nach kam beim Aufwärmen dann das Gefühl: Das ist Bundesliga“, sagt Szczesny.

Dem Tusem fehlen die Einnahmen

Am Sonntag aber werden nicht einmal mehr vereinzelte Fans dabei sein, Essen ist wie fast das gesamte Ruhr- ein Corona-Risikogebiet, die Mannschaften, ein paar Journalisten und Fernsehmitarbeiter bleiben unter sich. „Das ist schon ein Wermutstropfen, die Freude auf das erste Heimspiel vor Zuschauern war groß“, sagt Tusem-Geschäftsführer Niels Ellwanger.

„Wir brauchen die Fans“, meint auch Dennis Szczesny. „Gerade in engen Phasen bei Heimspielen haben unsere Fans den Gegner immer wieder beeindruckt. Die Stimmung wird fehlen.“ Und damit auch wichtige Einnahmen. „Durch die TV-Ausstrahlung erbringen wir unsere Leistungen den Sponsoren gegenüber, aber die Einnahmen des Spieltags durch die Fans und deren Verpflegung entfällt“, sagt Ellwanger, der bis Jahresende weiter ohne Zuschauereinnahmen kalkuliert. „Bis dahin halten wir durch. Sollte sich die Situation auch im neuen Jahr nicht verbessern, müssen wir Sparmaßnahmen bedenken.

Ziel mit dem Tusem: Klassenerhalt

Niels Ellwanger richtet einen wirtschaftlichen Blick Richtung Zukunft, Dennis Szczesny einen sportlichen. Seit vielen Jahren hat er kein Freundschaftsbuch mehr in den Händen gehalten, doch er wüsste schon, was er hineinschreiben würde. Sein neues Ziel: „Mit dem Tusem die Klasse zu halten.“

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