Frauenußball-WM

USA gegen Niederlande, Großmacht gegen Neuling

Jubel der US-Fußballerinnen beim Sieg über England im Halbfinale der WM 2019

Jubel der US-Fußballerinnen beim Sieg über England im Halbfinale der WM 2019

Foto: Reuters

Lyon  Vor dem WM-Finale der Fußballerinnen lässt Titelverteidiger USA die Muskeln spielen. Doch Europameister Niederlande sagt: Alles ist möglich

Es ist ein etwas mühseliger Fußweg rauf auf den Hügel Fourvière, von dem sich ein prächtiger Ausblick auf Lyon bietet. Aber eine Zahnradbahn zur Notre-Dame de Fourvière macht es recht einfach, zum Mannschaftshotel der amerikanischen Fußballerinnen zu kommen. Unweit der Sehenswürdigkeit liegt das neue Quartier, in dem sich die USA auf das Finale der Frauen-WM gegen die Niederlande (Sonntag 17 Uhr/ ARD) vorbereitet. Während der Europameister am Freitagmorgen im Vorort Oullins trainierte, aber keine Statements für die Öffentlichkeit ablieferte, veranstaltete der Weltmeister fast gleichzeitig für die Medien ein Gespräch mit vier Spielerinnen im Innenhof einer Residenz, deren Foyer eher an eine Kirche denn ein Hotel erinnert. Aber residieren hier nicht auch die Fußball-Göttinnen der Neuzeit?

Niederländerinnen mit großen Augen

Allein die unterschiedlichen Inszenierungen vermittelten einen Vorgeschmack auf die Rollenverteilung: Die Amerikanerinnen blicken im wahrsten Sinne von oben herab auf den Rest der Frauenfußball-Welt und luden zur Audienz mitten in der Metropole, während die Europäerinnen sich in den Ausläufern der Großstadt versteckten. Daraus ist auch auf das Selbstverständnis für den Showdown im ausverkauften Stade de Lyon zu schließen.

Hier die mit Selbstbewusstsein vollgepumpten US-Spielerinnen, die nach dem vierten WM-Titel nach 1991, 1999 und 2015 streben. „Wir sind hier, um den Pokal nach Hause zu bringen“, betont US-Trainerin Jill Ellis. Dort die zwar in sechs EM- und sechs WM-Partien siegreichen „Oranje Leeuwinnen“, die indes ihr erstes WM-Endspiel bestreiten und mit großen Augen auf das Event schauen. „In einem Spiel ist alles möglich“, beteuert Bondscoach Sarina Wiegman.

Pathos gehört bei den US-Spielerinnen dazu

Als die US-Spielerinnen Kelly O’Hara, Rose Lavelle, Alex Morgan und Lindsey Horan fein aufgereiht vor einer schattigen Backsteinwand über die letzte Herausforderung sprachen, hörte sich das anders an. „Wir haben viele Jahre hart gearbeitet und wollen die Geschichte zu Ende erzählen. Wir haben die Mentalität und das Vertrauen, um auch dieses letzte Spiel zu gewinnen. Wir sind die Nummer eins der Welt“, sagte Superstar Morgan. Unmöglich, dass sie ohne Pathos spricht. Unzählige Reporter standen mit respektvollem Abstand vor dem selig lächelnden US-Idol, das mit einem Post in den sozialen Medien mehr Reichweite schafft als alle europäischen Topspielerinnen zusammen.

Keine Zweifel am Happy End

Ihre Aufgabe ist es immer, die überragende Strahlkraft des US-Soccers zu verbalisieren. Das klingt dann so: „Wir wollen, dass der Frauenfußball auf der ganzen Welt respektiert wird. Wir wollen, dass mehr Mädchen Sport machen und mehr Frauen Fußball spielen.“ Dass die Frankreich-Story 2019 ein Happy End bekommt, daran ließ sie keine Zweifel, auch wenn sie artig von einer „schwierigen Aufgabe gegen die Niederlande“ sprach. Aber auch gegen Spanien (2:1), Frankreich (2:1) und England (2:1) war es ja nicht einfach.

US-Präsident Trump bleibt Thema bei der WM

Von staatstragenden Statements sah Morgan jedoch ab. Die berechtigte Frage, ob das US-Team denn wirklich nicht ins Weiße Haus gehe und die Einladung von Donald Trump ausschlage, umdribbelte Morgan geschickter als vermutlich am Sonntag die niederländische Innenverteidigung. „Ich kann nur sagen, dass wir sehr eng beieinander sind. Wir werden das zusammen nach dem Finale entscheiden.“

Wobei sich Megan Rapinoe ja schon geäußert hat, dass sie nicht gehen werde. Rapinoe, am Freitag 34 Jahre alt geworden, kommt am Samstag zur Pressekonferenz. Dort wird sie erklären, ob ihre Muskelverletzung, wegen der sie gegen England noch aussetzte, ein Mitwirken erlaubt. Und sicher wird auch der größte Star, das Gesicht der Mannschaft, erklären, warum sein Team wieder Weltmeister wird.

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