Brilon natürlich

Bei der Expedition in Brilon die „Wunderwelt Wiese“ erkundet

Brilon natürlich 2019 - "Die Tricks der Pflanzen - Wunderwelt Wiese" mit Ulla Guntermann-Kollex- auf Entdeckungstour am Wegesrand. 

Brilon natürlich 2019 - "Die Tricks der Pflanzen - Wunderwelt Wiese" mit Ulla Guntermann-Kollex- auf Entdeckungstour am Wegesrand. 

Foto: Sonja Funke / Westfalenpost

Brilon.  Was kreucht und fleucht denn da in der Wiese? Bei einer Expedition ins Reich der Wiese lernten die Teilnehmer diesen Lebensraum kennen.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das kleine Feine so nahe liegt, zum Beispiel am Wegesrand? Die Augen schauen anders hin, die Nase ist angeschaltet. Wir begeben uns im Rahmen des Ferienprogramms „Brilon natürlich“ in die „Wunderwelt Wiese“ und erspüren die Tricks der Pflanzen. Und mal ehrlich: Wer weiß schon, was die „kleine Klette“ so alles drauf hat?

Mädesüß gegen Kopfschmerzen

„Ulla, was ist das?“ „Und das?“ Es dauert ein bisschen, bis die Kinder in der Gruppe auftauen, aber dann! Unglaublich, wie sie zuhören, fühlen, mitmachen. Dabei gehen wir doch einfach nur über den Waldweg unweit vom Wasserbehälter in Petersborn und schauen auf den Wegesrand. Was sich hier auf einem Quadratmeter entdecken lässt, ist unglaublich. Was ist das dort am Wegesrand? „Mädesüß“ - es lässt sich super als Bowle einlegen. Aber Achtung: nicht zu lange und nicht in zu großen Mengen, sonst gibt’s Kopfschmerzen. „Es ist ein Vorläufer des Aspirins, enthält Salicylsäure.“ Wer glaubt, dass Ulla schon viel verraten hat, der wird künftig weiter staunen.

Rotöl gegen Verbrennungen

Wir finden Johanniskraut, das echte, „Tüpfel-Johanniskraut“. Sein Blatt, gegen das Licht gehalten, verrät es: durchscheinende Punkte werden sichtbar. „Man sagt auch, hier habe es der Teufel gepikst“, sagt Ulla. Sie legt die Blüten in Olivenöl ein, nach vier bis sechs Wochen ist das Öl rot - Rotöl ist gewonnen, „für kleine Wunden oder Verbrennungen, wenn mir zum Beispiel das Bügeleisen aus der Hand gerutscht ist“, sagt Ulla.

Ulla entdeckt immer etwas, alle zwei Meter, auch zur Verzweiflung ihres Mannes bei Spaziergängen. „Kilometer kann man da nicht machen“, schmunzelt Monika aus Köln, die mit ihrer Familie auf dem Bauernhof in Altenbüren urlaubt.

Nicht zu viel, nicht zu lange

Der Klettenkerbel lockt mit schönen violetten kleinen Blüten. Wir lernen, dass auch Ameisen Bestäuber sind. Wir erriechen gelben Steinklee am süßlichen Geruch und erfahren, dass er dem Waldmeister in der Bowle durchaus Konkurrenz machen kann. „Bitte nicht zu viel und nicht zu lange.“ Da ist wieder Ullas Lieblingssatz. In diesem Fall wirkt Cumarin mit, das auch im Waldmeister, vorkommt. Vorsicht!

Wir sehen Rainfarn, der „Kühlschrank“ unserer Vorfahren. Was in seine Blätter eingewickelt wird, hält sich länger. Wir riechen am Baldrian, Katzenkraut. „Ih!“ Max verzieht das Gesicht. Tja, so schützt sich die Pflanze gegen Fressfeinde! „Mama, bei Fuß! Ich hab’ ne Garbe vom Schaf“, eignen sich Kräuter klasse für Wortspiele, findet Maja. Und Marlon zaubert Hüte aus Pestwurz.

Was man so alles essen kann

„Erstaunlich, was man alles essen kann!“, sagt Carina aus Hoppecke. Ja, sagt Ulla, aber mahnt doch zur Vorsicht: Man kann von Wald und Wiese gut leben, aber auch sterben. Wenn der Bärlauch doch die Herbstzeitlose war - fatal. Ulla rät: „Nur Pflanzen essen, die man wirklich kennt!“ Ja, so ist das mit den Kräutern. Manche riechen komisch, sind aber doch ganz gut verträglich - wie Baldrian. Mit einigen kann man gut basteln, sollte sie aber bloß nicht essen - siehe Pestwurz. Das ist Natur.

Aber was hat denn nun die Klette drauf? Die kleine wie die große und auch das Klettenlabkraut, das auf dem Kopf thront wie eine Krone, sie alle wollen mit ihrem Festkleben nur eins: eine möglichst großzügige und weitflächige Verbreitung. Und wer hilft ihnen dabei am besten? Wir!

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