Schützenfest-Saison

„Beim Schützenfest Olsberg passiert ganz viel draußen“

Dirk Brambring, 1. Vorsitzender des MV Eintracht Olsberg.

Dirk Brambring, 1. Vorsitzender des MV Eintracht Olsberg.

Foto: Musikverein Eintracht Olsberg/Gloria Brambring

Olsberg.   Von der Uniform bis zur Lichttechnik: Wer „auf die Halle“ geht, ahnt nicht, was ein Musikverein alles leistet, damit auch sein Geschäft steht.

Sein Verein spielt drei Schützenfeste im Jahr, zählt zurzeit 110 aktive Musiker in drei Orchestern, darunter zwei Nachwuchs-Kapellen. Dirk Brambring, Vorsitzender des MV Eintracht Olsberg, erklärt, was das Musik machen ausmacht und wie sich ein Musikverein auf die Schützenfestsaison vorbereitet. Der Verein ist einer der größten und – wie Wertungsspiele zeigen – auch erfolgreichsten Musikvereine im Hochsauerlandkreis. Die Eintracht startet nächste Woche sogar mit dem „Heimspiel“ in die Sommersaison, mit drei Tagen Schützenfest im eigenen Ort.

Herr Brambring, wir sind eine Woche vorm Fest, was muss noch gemacht werden?

Dirk Brambring: Zum Glück sind die wichtigsten Vorbereitungen seit zwei, drei Wochen erledigt, aber jetzt werden noch einmal intensiv die Instrumente geprüft - laufen die Ventile oder muss noch gefettet und geölt werden? Ein Kontrollblick richtet sich noch auf die Uniform, ist alles sauber, sind Hemden und Hosen gebügelt und Schuhe geputzt?

In streng geheimen Gruppen bereiten wir uns bestmöglich auf das Königspaar vor und überlegen uns, wie wir die beiden überraschen können. Uns ist es wichtig, dass wir bei aller Routine in den gewohnten Festabläufen auch punktuelle Highlights setzen können - lasst euch überraschen!

Sind denn alle Stücke geprobt?

Selbstverständlich, die Probenarbeit für die Schützenfeste beginnt schon im Frühjahr in der Konzertsaison – und nicht erst danach, wie viele annehmen! Wir haben schon dann spezielle Probentage für Blas- und Tanzmusik und unsere Partygänger haben bereits intern verraten, was die Sommerhits in diesem Jahr werden. Wenn es hart auf hart kommt, schreiben wir notfalls noch kurzfristig selbst die Noten - das ist einfach toll zu sehen, was unsere Truppe so alles nebenbei leistet! Bei den Wünschen des Königspaares darf ich noch nichts verraten. Aber neben einem individuellen Königstanz wollen wir immer eine ausgefallene, überraschende Königstisch-Aktion machen. Das ist dann nicht nur rein musikalisch gemeint, sondern unsere Mädels setzen sich Fest um Fest ins Zeug und überlegen sich für uns lustige Outfits.

Was gehört noch dazu?

Wir machen im Frühjahr Termine mit den Schützenbruderschaften, bei denen wir Aus- und Rückblick halten. Nicht nur, damit wir ein Feedback bekommen, sondern weil ich auch wissen möchte, wie das Schützenfest insgesamt läuft.

Wir können noch so gute Musik machen, wenn die Zahlen hinterher nicht passen, dürfen wir vielleicht doch das nächste Jahr nicht wiederkommen. Also versuchen wir, mitzuwirken, damit die Zahlen auch stimmen. Wir sprechen mit den Schützen über ganz verschiedene Maßnahmen, damit das Fest Erfolg hat.

In Olsberg passiert zum Beispiel ganz viel draußen. Das ist so einfach hier zu handeln und einfach auch mal eine Truppe aus der Halle zum Biertempel nach draußen zu schicken. Im Hasley spielen wir zum Beispiel mit zwei Besetzungen, vor und hinter der Hütte. Wir tauschen uns mit den Schützen aus, was auf anderen Festen gut funktioniert und prüfen, ob das nicht auch zu ihrem Schützenfest passen würde.

Wie ist es als Olsberger in Olsberg zu spielen?

Schön! Natürlich war die Skepsis bei uns erst da, wir konnten sie aber schon im ersten Jahr gut entkräften, weil wir durch die große Anzahl an Musikern nahezu in allen Registern eine Doppelbesetzung haben, so dass wir gut tauschen können. Wer will, kann samstags und sonntags feiern und nur montags spielen. Es ist natürlich schön, so viele Menschen zu kennen und mit Freunden trotz des Jobs vor der Theke stehen zu können. Gleichzeitig haben wir dann aber auch umso mehr den Anspruch, eine blitzsaubere Leistung zu liefern. Eben weil man sich so gut kennt.

Und dann kommen - nur fürs Schützenfest - noch ein paar besondere Musiker dazu?

Ja, das stimmt. Wir werden dieses Jahr auch wieder mehr als fünf Ehemalige dabei haben, die im großen Festzug mitspielen und freuen uns auf insgesamt über 70 Musiker im Großen Blasorchester und im Jugendorchester. Als besondere Gäste dabei sind Musiker, die aufgrund von Nachwuchs oder aus beruflichen Gründen schon länger raus sind und ältere Musiker, die schon aufgehört haben, regelmäßig mitzuspielen. Zum Sonntags-Festzug sind sie wieder dabei. Es ist schön zu sehen, dass es viele ehemalige Musiker dann doch wieder in den Fingern juckt, beim eigenen Fest mitzuspielen. Dass sie dann einfach mitkommen, hat schon ein Stück Tradition.

Was steht außerdem an?

Wichtig ist für uns auch eine schöne Schützenmesse, mit besonderen Stücken zum Einzug, Auszug und während der Kommunion. Dafür ist einige Probenarbeit nötig. Und gerade Messen wollen gut vorbereitet sein, bis hin zum kleinen Spickzettel mit den zu spielenden Stücken in der richtigen Reihenfolge. Während des Gottesdienstes muss es dann schnell gehen.

Auf manchen Festen spielen wir zudem ein Konzert am Schützenfest-Sonntag. Neben Highlights der letzten Frühlings- und Weihnachtskonzerte proben wir hierfür jeweils passende Stücke ein, die einen besonderen Bezug zum Fest haben. Hier nehmen wir auch Instrumente mit, die normalerweise weniger auf einem Schützenfest zu finden sind, etwa Bassklarinette, Fagott oder Baritonsaxophon. Weiter muss vor dem Schützenfest die Aufstellung der Musiker stimmen, damit zum Beispiel auch die jüngeren genügend zum Zug kommen. Wer wann und wie viel spielen darf, das richtet sich auch nach der Probenbeteiligung.

Schwarze Hose und weiße Strümpfe – ein No-Go?

Geht gar nicht, aber es blitzt schon das ein oder andere Mal eine lustige dunkle Comic-Socke aus dem Schuh. Neben Uniformwärtin und Vorstand passen auch die Kollegen auf, die beim Heeresmusikkorps gespielt haben. Sie achten auch aufs richtige Marschieren. Wichtig ist uns wegen des Erscheinungsbildes auch, dass alle Männer im Zug ihre Kappen tragen. Das ist, nebenbei gesagt, auch ein guter Sonnenschutz.

Es wird immer mal wieder gerne über das schon mal unbeständige „Olsberger Schützenfestwetter“ gefrotzelt. Wie nass werdet ihr denn dieses Jahr?

Hoffentlich gar nicht! Aber wir haben Regenjacken, das alles gehört auch mit zur Vorbereitung. Parkas werden wir wohl nicht brauchen!

Und was ist eigentlich mit der Mär, dass Musiker so viel Bier vertragen?

Das ist nicht von der Hand zu weisen. Bei durchschnittlich 30 bis 40 Spielstunden an drei Tagen wird tatsächlich aber auch viel ausgepustet. Und in Klammern: Die Schlagzeuger haben ihre eigenen Tricks!

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