Denkmalschutz

Brilon verliert ein weiteres Stück Stadtgeschichte

Das 1791 erbaute Haus Wigge in der Krumme Straße wurde abgerissen. Das verfallende Bauernhaus ließ sich nach Angaben des Eigentümers wirtschaftlich nicht unter Denkmalschutzbedingungen sanieren. Die Stadt genehmigte den Abbruch, das Denkmalamt in Münster nicht.

Das 1791 erbaute Haus Wigge in der Krumme Straße wurde abgerissen. Das verfallende Bauernhaus ließ sich nach Angaben des Eigentümers wirtschaftlich nicht unter Denkmalschutzbedingungen sanieren. Die Stadt genehmigte den Abbruch, das Denkmalamt in Münster nicht.

Foto: Jürgen Hendrichs

Brilon.  Der Bagger schaffte in Brilon Fakten: Das Haus Wigge in Nähe des Mistemarktes ist abgerissen worden. Darüber erhitzen sich die Gemüter.

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Ein Stück Briloner Stadtgeschichte ist verschwunden. Das als „Haus Wigge“ bekannte Fachwerkhaus Krumme Straße 2 ist abgerissen. „Das kann man nur bedauern,“ sagt Winfried Dickel, Vorsitzender des Briloner Heimatbundes Semper Idem. Er könne aber auch den Besitzer verstehen. Das ist der aus Altenbüren stammende und in München lebende und dort bei dem Pay TV-Sky beruflich tätige Friedel Ridder. Der, führt Winfried Dickel fort, sei nach dem Erwerb des Gebäudes vor rund vier Jahren „mit Begeisterung an den Erhalt des Hauses herangegangen“.

Allein: Die Auflagen des Denkmalschutzes haben sich, so der Beigeordnete der Stadt Brilon, Reinhold Huxoll, zur WP, für den neuen Eigentümer als wirtschaftlich nicht tragbar erwiesen. Nachdem die für den Abbruch eines unter Schutz stehenden Gebäudes erforderlichen Schritte abgearbeitet gewesen seien, habe die Stadt am 15. November Ridder die Abbruchgenehmigung erteilt.

Ein entscheidender Verwaltungsakt allerdings fehlte vor dem Abbruch: Das Landes-Denkmalamt in Münster hat weder der Löschung des Gebäudes aus der Denkmalliste noch dem Abbruch zugestimmt. Letzteres, so Beigeordneter Huxoll zur WP, sei nicht mehr nötig gewesen.

Antrag auf Einholung eines Ministerentscheides ignoriert

Angesichts der konträren und festgefahrenen Positionen habe die Stadt das Denkmalamt per Einschreiben mit Rückschein aufgefordert, einen sogenannten Ministerentscheid einzuholen. Darauf, so Huxoll, habe das Denkmalamt nicht reagiert. Die entsprechende Frist sei am 4. November abgelaufen. Die ganze Zeit über, zuletzt in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am 13. November, seien alle Fraktionen auf dem Laufenden gehalten worden; allein in diesem Jahr habe es in vier Sitzungen Sachstandsberichte gegeben.

Die WP hatte am Dienstag das Denkmalamt beim LWL in Münster auf den Abriss angesprochen. Die zuständigen Mitarbeiter seien für mehrere Tage dienstlich verhindert, hatte es geheißen; deshalb könne aktuell nichts zu dem Thema gesagt werden.

Bis in die 90er Jahre hinein noch Miste vor dem Haus

Bei dem 1791 errichteten Gebäude handelt es sich um ein sogenannten Vierständerhaus, angeblich das letzte seiner Art in Brilon. 1985 war es in die Denkmalliste der Stadt aufgenommen worden.

Bis in die 90er Jahre hinein müffelte dort noch eine Miste. Das Bauernhaus hatte den Bombenangriff auf Brilon vom 10. Januar 1945 überstanden, eine Bodensondierung nach Blindgängern im Umfeld war ergebnislos geblieben.

Weil er seine Pläne, in dem verfallenden Haus vier Wohnungen einzurichten, nicht umsetzen konnte, hatte Friedel Ridder das Haus Maklern und auf Ebay zum Verkauf angeboten - auch das gehörte zu den vor einem Abbruch geforderten Auflagen. Bis auf 90.000 Euro war er mit dem Preis heruntergegangen. Ein Interessent wollte ihm noch 25.000 Euro für das Haus und das 946 Quadratmeter große Grundstück geben. Nebenbei: Für manche Innenstadtlagen sollen die Grundstückspreise mittlerweile jenseits der 200 Euro für den Quadratmeter liegen.

Wie Ridder der WP sagte, habe er das Gebäude Unis mit entsprechenden Fakultäten als Forschungsobjekt angeboten, und „als letzte Option“ hat er es sogar dem Freilichtmuseum Detmold zur Translozierung schenken wollen.

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