Vergewaltigung

Brilon: vermeintliches Vergewaltigungsopfer wirke kalt

In Brilon muss sich ein Mann aus Bremen wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung vor dem Amtsgericht verantworten. Er soll die vermeintlich Geschädigte auch bedroht haben.

In Brilon muss sich ein Mann aus Bremen wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung vor dem Amtsgericht verantworten. Er soll die vermeintlich Geschädigte auch bedroht haben.

Foto: Jan-Philipp Strobel / picture alliance/dpa

Brilon/Winterberg.  Vor dem Amtsgericht Brilon sagte ein Richter aus. Er hatte im Verfahren gegen die vermeintlich Geschädigte vom Vorwurf der Vergewaltigung gehört.

„Was mich wunderte war, dass sie alles zur Vergewaltigung komplett kalt und emotionslos erzählt hatte“, erklärt Richter Fischer vor dem Amtsgericht in Brilon. Er ist als Zeuge geladen und hat im Prozess eine wesentliche Rolle.

In einem Verfahren gegen die vermeintlich Geschädigte im Jahr 2016 hatte Fischer den Vorsitz. Dort gab sie an, von ihrem ehemaligen Lebensgefährten in Winterberg vergewaltigt worden zu sein. Es war das erste Mal, dass dieser Vorwurf laut wurde. Jetzt muss sich der Ex vor dem Amtsgericht verantworten und Richter Fischer soll Angaben zur damaligen Aussage der Frau machen. „Ich bekomme das noch gut hintereinander“, sagt Fischer, „weil der Fall so ungewöhnlich war. Als das Thema häusliche Gewalt am dritten Verhandlungstag aufkam, sagte sie, dass der Angeklagte sie schlagen würde und dann ergänzte sie ,und vergewaltigt hat er mich auch’“.

Detaillierte Schilderungen der Vorfälle in Winterberg

Was darauf gefolgt sei, wäre eine kalte, aber sehr detailreiche Schilderung der Vorfälle im Oktober 2013 gewesen. Eine Kombination, die ihn als erfahrenen Richter damals verwundert habe. Auf Nachfrage habe sie ihre Ausführungen auch noch weiter konkretisieren können. „Sie beschrieb alles, ohne ins Stocken zu geraten“, sagt Fischer.

Er habe sie im Verfahren darauf hingewiesen, dass eine falsche Verdächtigung strafbar ist, aber dennoch sei sie bei ihren Äußerungen geblieben. In jenem Verfahren wurden auch Fotos in Augenschein genommen, auf denen die vermeintlich Geschädigte blaue Flecken hat. Die Aufnahmen stammten von 2012 und 2015. Der im damaligen Verfahren anwesende Vertreter der Staatsanwaltschaft leitete nach der Aussage der heute 42-Jährigen ein Verfahren gegen den ehemaligen Lebensgefährten ein.

Tonbandaufnahmen mit Drohungen

Gegenstand im Verfahren gegen ihn waren am heutigen Verhandlungstag auch zwei Tonbandaufnahmen, die damals gehört wurden. Darauf sind Drohungen des Angeklagten gegenüber der Frau zu hören. Man hört sie fragen, ob er wirklich in Erwägung ziehen würde, sie umzubringen. Darauf sagt er: „Glaubst du, das wäre auf mich zurückzuführen? Ich zahle 500 Euro und dann geht es schnell für dich. Für 5000 Euro geht es dir dabei richtig schlecht.“

Der Angeklagte wies darauf hin, dass das Telefonat über eine Stunde ging und es sich bei der Tonaufnahme lediglich um einen Ausschnitt von einer Minute handele. Rechtsanwalt Stephan Lucas, der die Frau in ihrer Rolle als Nebenkläger vertritt, erklärte, wie es zu der Aufnahme kam. „Meine Mandantin nahm die Drohungen sehr ernst und wollte daher einen Beweis haben, falls ihr etwas zustoßen sollte.“

Ehemaliger Lebensgefährte soll aussagen

Am 30. Januar soll nach Möglichkeit der letzte Verhandlungstag in der Sache stattfinden. Dann wird noch ein ehemaliger Lebensgefährte der vermeintlich Geschädigten gehört. Ihm soll sie damals ebenfalls von der mutmaßlichen Vergewaltigung erzählt haben.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben