Montgolfiade

Brilonerin macht Ballone der Montgolfiade mit Salzteig nach

Elisabeth und Tanja Spehr (von links) stellen aus Salzteig ihre Ballons her. Angemalt werden sie mit Nagellack, der möglichst originalgetreue Farben hat.

Elisabeth und Tanja Spehr (von links) stellen aus Salzteig ihre Ballons her. Angemalt werden sie mit Nagellack, der möglichst originalgetreue Farben hat.

Foto: Kevin Kretzler / WP

Brilon/Warstein.  Tanja Spehr ist Fan der Montgolfiade und erstellt mit ihrer Mutter Ballone in ihrer Freizeit. Die Beschaffung der Materialien ist schwierig.



„Es ist ein bisschen komisch. Aber wenn ich es zeige, ist es einfacher zu verstehen“, sagt Tanja Spehr mit einem breiten Grinsen. Ihr derzeitiges Hobby ist zeitfüllend, aber bringt nicht nur ihr Freude, sondern auch ihrer Mutter, die fleißig mithilft. Zusammen erschaffen sie Ballone aus Salzteig. Aber der Reihe nach.

Alles begann mit einem lang ersehnten Wunsch, den sich Mutter und Tochter zusammen erfüllten: Mit einem Ballon fahren. Vor fünf Jahren war es dann endlich soweit und die Erfahrung ließ beide nicht mehr los. Das Interesse war geweckt. Als Dankeschön für die Crew, die sich um sie kümmerte und sie mit in die Lüfte nahm, backten sie Kekse in Ballonform. Keiner glich dem anderen, bunte Verzierungen machten sie einzigartig. „Als ich mich bei unseren Fahrern mit den Keksen bedanken wollte, fragte jemand, ob ich nicht seine Anton-Sonderform machen könnte. Dann sagte ich zu meiner Mutter, dass wir das irgendwie hinbekommen müssen“, erklärt Tanja Spehr.

Problemfaktor Teig

Mit einer herkömmlichen Plätzchenform lässt sich die Sonderform aber nicht aus dem Teig ausstechen. Hilfe muss her. In Warstein werden Mutter und Tochter fündig und ein maßgefertigter Ausstecher wird für sie von Hand hergestellt. Schritt eins ist getan, aber mit herkömmlichen Plätzchenteig lässt sich das Projekt nicht mehr bewerkstelligen, denn er ist zu zerbrechlich.

Plan B ist Salzteig und stellt die nächste Hürde dar. „Ich habe noch nie zuvor damit gearbeitet“, sagt Tanja Spehr, die ihren Lebensunterhalt als Köchin verdient. „Ich habe dann ein Rezept aus dem Internet genommen, aber das klappte einfach nicht.“ Unerwartet gibt es Hilfe im Supermarkt. Vor ihr an der Kasse kauft eine Frau viel Mehl und Salz, die Verkäuferin spricht mit ihr über den Salzteig der Kundin. Spehr spitzt die Ohren. „Ich bin ihr dann auf den Parkplatz gefolgt und habe sie nach ihrem Rezept gefragt. Ich erzählte ihr, dass ich den Teig stundenlang im Ofen lasse und sie fragte mich, ob ich reich sei. Ohne Wärme auf die Heizung legen würde völlig ausreichen“, sagt die Köchin und beginnt erneut zu lachen. Der Tipp ist Gold wert. Sechs Tage trocknen die Ballone von jeder Seite unter der Fensterbank.

Nagellack gibt die passende Farbe

Dann geht es an die Verzierung. Wasserfarbe ist keine Option, eine möglichst deckende Farbe ist nötig. Der nächste Tipp: Nagellack benutzen. Das nächste Problem: Bei den Damen Spehr gibt es keinen. Also führt die Suche auch mal bis nach Lippstadt oder Soest, um die passende Farbe zu finden, schließlich soll das Werk am Ende möglichst originalgetreu aussehen und grün ist eben nicht gleich grün. Mittlerweile sind 20 Nagellacke in der Sammlung. Welche Farbe für jeden Ballon benötigt wird, ist genauestens notiert.

Im nächsten Schritt muss eine Schablone her, damit auf dem Salzteig das jeweilige Muster des Ballons aufgezeichnet werden kann. Immerhin hat Anton neben Tankkanister auch einen Zapfschlauch in den Händen. Gut, dass die Spehrs noch alte Tischdecken haben, die kurzerhand zweckentfremdet werden können. In mühevoller Kleinarbeit werden Buchstaben und Formen mit der Nagelschere aus der Decke geschnitten, auf dem Salzteig platziert und anschließend drum herum gemalt.

„Also ich bin schon sehr genau beim Arbeiten, aber meine Tochter stellt mich hier noch um Längen in den Schatten“, sagt Elisabeth Spehr, die wie ihre Tochter in der Schlossmühle in Alme arbeitet. Vier Tage intensives Bemalen in der Mittagspause und am Abend und dann sind elf Antons fertig für die Übergabe. „Schlaf wird überbewertet. Bis Mitternacht machen wir immer mindestens. Das ist ein schöner Ausgleich nach der Arbeit“, beschreibt Tanja Spehr den zusätzlichen Mehrwert.

Noch kein Ende in Sicht

Demnach bleibt es nicht bei Anton, mittlerweile sind sechs verschiedene Varianten nahezu fertig, weitere sind schon in der Planung. Alles Teil eines großen Dankeschöns für unvergessliche Momente und Freundschaften, die daraus entstanden sind. Mittlerweile ist das Duo nicht mehr als Passagiere in der Luft zu finden, sondern gehört zum Verfolgerteam ihrer Freunde. Sie fahren dem gestarteten Ballon also hinterher und sammeln die Truppe nach der Landung wieder ein, um sie zurück zum Startort zu fahren. Gerne helfen sie auch beim Auf- und Abbau des Ballons.

Auf der diesjährigen Warsteiner Internationalen Montgolfiade fahren sie wieder hin und her und präsentieren natürlich stolz ihre Werke, die bis zum Auftakt am 30. August fertig sein müssen. „Ich bin schon sehr gespannt auf die Resonanz, die wir in Warstein bekommen werden“, sagt Tanja Spehr und freut sich sichtlich. Aber ist denn mit dieser großen Veranstaltung auch Schluss mit dem Projekt Ballone nachbauen? „Wenn es noch weitere Wünsche gibt und die umsetzbar sind, dann können wir uns, glaube ich, schon vorstellen, dass wir weitermachen“, erklärt Elisabeth Spehr. Ihre Tochter ergänzt: „Ein bisschen verrückt sind wir eben.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben