Corona

Corona: Verzweifelter Appell aus Olsberg zeigt Wirkung

Der Pflegedienst PAPS in Olsberg benötigt wegen der Coronakrise Schutzkleidung.

Der Pflegedienst PAPS in Olsberg benötigt wegen der Coronakrise Schutzkleidung.

Foto: Privat / WP

Olsberg.  Ein Pflegedienst in Olsberg hat keine Möglichkeit Schutzmaterial gegen Corona zu bestellen. Ein Hilferuf zeigte jetzt unerwartete Wirkung.

„Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet“, sagt Anja Vorderwülbecke, Geschäftsführerin des Pflegedienst PAPS in Olsberg. Noch in der vergangenen Woche machte sie öffentlich, dass sie keine Schutzmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittel erhalten kann, um sich, ihre Mitarbeiter und ihre Patienten vor einer Corona-Infizierung zu schützen. Nun erlebt sie erste Reaktionen darauf.

„Es ist eine unglaubliche Resonanz. Es ist so mitmenschlich, was hier passiert ist“, sagt Vorderwülbecke voller Freude. Ihr Hilferuf bei dem Sie um Spenden gebeten hatte, wenn jemand FFP-Schutzmasken besitzt und diese nicht braucht, wurde erhört. Eine Firma aus Werl schickte ihr einen Karton, damit sie arbeitsfähig bleiben kann. Andere Spender brachten ihre Hilfsgüter vorbei oder legten sie vor der Türe ab, um niemanden zu gefährden.

Gemeinschaften bilden sich in Olsberg

Mittlerweile würde sich schon Gemeinschaften bilden in der Gesundheitsbranche des näheren Umfeldes, um sich gemeinsam austauschen zu können über die jeweiligen Nöte im Bestand. „Ich sage, dass ich Masken gebrauchen könnte und eine Arztpraxis erzählt mir, dass sie beispielsweise Desinfektionsmittel gebrauchen könnten. Wenn jemand etwas hört, teilen wir es uns dann mit“, erklärt Vorderwülbecke.

Hilfsangebote erhielt sie sogar aus Iserlohn. Dort näht eine Gruppe Schutzmasken und bot an, dass sie welche haben könnte. „Das ist unglaublich von wo überall Hilfe kommt. Aber ich denke nicht, dass diese Masken wirklich einen Schutz bieten könnten.“

Die fehlende Ausrüstung stellte sie vor potenziell schwierige Zeiten. Erkrankt einer der zehn Mitarbeiter, wäre die Versorgung der Patienten herausfordernd geworden. Und nicht nur für sie. Die Geschäftsführerin hat einen 12-jährigen Sohn, der an einer Lungenerkrankung leidet. Damit gehört er zur Risikogruppe in der Coronakrise.

Schreiben an Gesundheitsminister

Um auf den Missstand in den eigenen Beständen aufmerksam zu machen und herauszustellen, dass Unternehmen in der Gesundheitsbranche nicht an Schutzkleidung kommen können, schrieb Vorderwülbecke sowohl Gesundheitsminister Jens Spahn als auch Karl-Josef Laumann – Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.

Aus dem Bundesministerium für Gesundheit folgte eine Antwort, die die Unternehmerin nicht weiterbringt. „Die Bundesregierung hat bei diversen Herstellern bereits ein umfängliches Kontingent an Schutzausrüstungen, Beatmungsgerätschaften und Desinfektionsmitteln beschafft. Die Auslieferung erfolgt in den nächsten Tagen. Nähere Einzelheiten hierzu werden ebenfalls in den nächsten Tagen bekannt gegeben“, heißt es in dem Antwortschreiben. Außerdem gibt es den Hinweis, dass die Schutzmasken mehrfach getragen werden können, wenn gewisse Hygienevorschriften beachtet werden.

Die wichtigen Informationen fehlen

„Das ist alles und nix. Die Infos habe ich seit sechs Wochen. Ich will doch nur wissen, wann ich an Schutzkleidung komme. Wenn ich keine FFP-Masken habe, kann ich sie auch nicht mehrfach verwenden“, sagt Vorderwülbecke.

Sie erlebt in ihrem Beruf auch weitere Folgen durch das Coronavirus. Patienten entscheiden sich gegen den Besuch des Pflegedienstes. Aus Vorsicht. Circa 20 Prozent ihrer Kunden handeln bisher so. „Die Angst vor einer Ansteckung ist zu groß. Gehe ich mit einem normalen Mundschutz in die Wohnung, ist alles in Ordnung. Dass dieser aber zum einen nur zwei Stunden vor Bakterien schützt und zum anderen überhaupt nicht vor Corona, das bekommen sie nicht erklärt. Stattdessen werden die Nachbarn gebeten, sich um die Pflege zu kümmern.“

Keine Angst vor einer Ansteckung

Sie selbst hat keine Angst sich anzustecken. Seit Wochen hätten ihre Angestellten und sie schon kein Sozialleben mehr, weil sie das entsprechende Wissen über das Virus haben und sich an die Vorschriften halten, die damit einhergehen. Ein was wäre wenn Szenario in dem sie krank wird spielt sie als Krankenschwester nicht durch. „Das darf man nicht“, sagt sie entschieden.

Dafür macht sie sich um ihre Kollegen Gedanken. Auch außerhalb des Büros und die Stadtgrenzen hinaus. „Was passiert, wenn wir krank werden? Wer übernimmt dann den Job? Mit der fehlenden Ausrüstung kommt es mir vor, als wären wir nur Kanonenfutter.“

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