Schwarzfahren

Darum muss ein Schwarzfahrer aus Brilon muss ins Gefängnis

Das Amtsgericht Brilon: Hier wurde ein Fall mit tragischem Hintergrund verhandelt.

Das Amtsgericht Brilon: Hier wurde ein Fall mit tragischem Hintergrund verhandelt.

Foto: Jürgen Hendrichs / WP

Brilon  Er musste sich entscheiden, ob er die Tickets bezahlt oder seine Heroinsucht und entschied sich falsch. Sein Rückfall hat eine tragische Ursache.

. Mit Fußfesseln bringen zwei Polizeibeamte den Angeklagten in den Verhandlungsraum am Amtsgericht Brilon. Derzeit sitzt er eine achtmonatige Haftstrafe wegen Schwarzfahrens in 22 Fällen ab. Jetzt sitzt er erneut auf der Anklagebank. Der Vorwurf jetzt: Schwarzfahren in 23 Fällen.

Die Fahrten gingen unter anderem nach Bestwig, Arnsberg und Dortmund. Der Angeklagte versuchte dort, sich Heroin zu beschaffen. Geld für die Fahrkarte sei dann nicht mehr geblieben, gab er zu Protokoll. Die Sucht sei er bereits in Therapien angegangen, und zunächst fasste er wieder Fuß in der Gesellschaft. Er hatte eine Jobperspektive, wohnte in Köln.

Doch eine tragische Diagnose warf ihn wieder aus der Bahn.

Druck wurde zu viel, die Verlockung der Drogen zu groß

„Meine Tante, die mich quasi großgezogen hat, erkrankte an Krebs. Ich wollte mich um sie kümmern, um möglichst viel Zeit mit ihr verbringen zu können. Aber die Aufgabe wuchs mir schnell über den Kopf, und ich verfiel in eine Depression“, sagte der Angeklagte. Der Druck wurde zu groß, die Verlockung der Drogen übermächtig. Mittlerweile ist seine Tante verstorben und erneut möchte der Briloner sein Leben in den Griff bekommen. Die Chance gibt es dafür noch, das zumindest bestätigte die Bewährungshelferin. „Ich kenne ihn schon sehr lange und er hat viel Potenzial. Es wäre wünschenswert, wenn er eine Therapie machen kann und wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden könnte.“

Weitere Verfahren laufen noch

Bis es soweit kommt, könnte noch Zeit vergehen. Der Angeklagte hat noch eine weitere Bewährung laufen, die mit einem Urteil eventuell aufgehoben wird, außerdem warten noch weitere Verfahren auf ihn, unter anderem in Dortmund wegen Schwarzfahrens. Im Bundeszentralregister sind weitere 16 Verurteilungen zu finden. Unter anderem wegen unerlaubten Drogenbesitzes, Diebstahls, Körperverletzung, räuberischer Erpressung und vielem mehr. Über fünf Jahre hat er bereits wegen diverser Straftaten im Gefängnis verbracht.

Der Staatsanwalt wollte in dieser Angelegenheit trotz der emotionalen Umstände keine Ausnahme machen. „Sie haben hier heute gestanden und ihre Lebenssituation ist tragisch, aber sie sind schon massiv strafrechtlich in Erscheinung getreten. Nichts hält Sie bisher ab.“ Obwohl der Schaden durch die nicht gezahlten Tickets nur circa 120 Euro beträgt, forderte er eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und zwei Monaten.

Haftstrafe von neun Monaten ausgesprochen

Richter Härtel verurteilte den Angeklagten schließlich zu einer Haftstrafe von neun Monaten. Der Mann mittleren Alters wollte sich davon aber nicht entmutigen lassen. „Ich werde es weiter versuchen, mein Leben in die richtige Bahn zu lenken. Das habe ich mir und meiner Tante versprochen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben